Schluss mit dem Hochhaus-Wildwuchs in Zug
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So schlimm wird's wohl nie kommen: Die ironisch inspirierte Hochhaus-Vision von Zug, wie sie der Baarer Architekt Franz Hirt unter dem Titel «Zug Vision B 2070» entworfen hat. (Bild: zvg)

Kommission fordert künftig kleinere Hochhäuser Schluss mit dem Hochhaus-Wildwuchs in Zug

5 min Lesezeit 2 Kommentare 24.08.2017, 04:50 Uhr

In Zug sind die Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden geschossen: das Uptown, der Parktower, der Obstverbands-Turm, der Untermüli-Skyscraper. Nicht alles ist gelungen. Deshalb will die Stadt Zug ein Hochhausreglement. Doch bevor dieses in zweiter Lesung im Parlament beraten wird, hat die Bau- und Planungskommission des Grossen Gemeinderats dem Stadtrat erst mal den Marsch geblasen.

Der Parktower an der Gubelstrasse – wohlwollend betrachtet eine billige Mies-van-der-Rohe-Variante mit chinesischen Fensterelementen – hat durchaus etwas von einem Spukschloss. Wie ein schwarzer Turm erhebt sich der über 80 Meter hohe Solitär unvermittelt aus der Stadtlandschaft. Das Uptown, das einige Steinwürfe entfernt ebenfalls wie ein Ozeandampfer Richtung Zugersee durchs Herti-Quartier tuckert, wirkt mit seinen 65 Metern Höhe auch alles andere als harmonisch in den Häuserteppich gewebt.

Die Bau- und Planungskommission der Stadt Zug (BPK) hat nicht grundsätzlich etwas gegen hohe Hochhäuser. Die Kommission hat sich mehrheitlich hinter die Anträge des Stadtrats gestellt. Sie fordert aber, dass in Zukunft weniger solcher Schwindel erregenden Hochhäuser – wörtlich als Vampir-Gebäude bezeichnet! – gebaut werden.

Grund: Solche bis 80 Meter hohen Gebäude würden die Gefahr bergen, dem «angestrebten Stadtraum mit Aufenthaltsqualität» zuwider zu laufen, heisst es wörtlich in dem Bericht und Antrag der BPK an den Grossen Gemeinderat. Denn beispielsweise beim Parktower habe man eine attraktive Aussenraumgestaltung festgeschrieben und gefordert.

«Ernüchternd», «bescheiden», «Hinterhofghetto»

Dennoch sei die von den Investoren umgesetzte Aussenraumgestaltung «ernüchternd» und «bescheiden» ausgefallen. In der Tat wirken die paar Platanen und Büsche, die dort gepflanzt wurden, alles andere als besonders kreativ. Ganz zu schweigen von dem einst hochtrabenden Ansatz, den Park als «Arboretum», also als eine wertvolle Ansammlung verschiedenartiger und exotischer Gehölze, gestalten zu wollen.

Eigentlich eine lauschige Ecke – der Park beim Parktower. Doch eigentlich waren dort viel mehr Bäume geplant. Zumeist verweilen dort nur wenige Passanten.

Eigentlich eine lauschige Ecke – der Park beim Parktower. Doch eigentlich waren dort viel mehr Bäume geplant. Zumeist verweilen dort nur wenige Passanten.

(Bild: woz)

Auch beim BBP Lauried zeige sich heute, so der Bericht weiter, «ein eher unattraktives Hinterhofghetto mit unbenutztem Kinderspielplatz anstatt eines attraktiven Innenhofs mit Aufenthaltsqualität». Die BPK folgert aus diesen Missständen, dass künftig die Umsetzung von Bebauungsplänen viel strikter kontrolliert und bei deren Nichterfüllung Nachbesserung gefordert werde.

«Die Stadt muss dringend den Weg einer geordneten Stadtentwicklung gehen und der Massstäblichkeit eine hohe Bedeutung beimessen.»

BPK-Bericht, Auszug

Aber nicht nur das. Bei der angestrebten Verdichtung der Stadt komme man mit hohen Häusern in einer Höhe von 40 bis 50 Metern aus. Sockelbebauungen, auf denen Hochhäuser dann aufbauen, müssten gestärkt werden für eine bessere Nutzung der Gebäude. Und, last but not least, die Stadt müsse nun «dringend den Weg einer geordneten Stadtentwicklung gehen und beim Weiterbau der Stadt der Massstäblichkeit eine hohe Bedeutung beimessen».

Will heissen: Schluss mit dem Hochhaus-Wildwuchs in Zug. Schluss mit den Spukschlössern in freier Landschaft! Schluss mit den Vampiren!

Mit dem Hochhausreglement, über das der Grosse Gemeinderat nächste Woche in zweiter Lesung debattiert, will die Stadt Zug klare Regeln festlegen – damit das Stadtbild bezüglich Wachstum und Verdichtung nicht leidet.

Hochhauszone mit 80-Meter-Riesen soll verkleinert werden

Der Stadtrat beantragt dabei insbesondere vier Präzisierungen des geplanten Hochhausreglements. Erstens soll die Hochhauszone eins verkleinert werden. Diese erstreckt sich neu von der Grafenaustrasse bis zum L&G-Areal rund um den Parktower entlang der Bahngleise. Der andere Teil dieser Zone liegt rechts und links von der Baarerstrasse – vom Metalli bis zur Kistenfabrik. In diesen, und nur in diesen, Gebieten sollen auch künftig Hochhäuser bis 80 Meter Höhe erlaubt sein.

In den anderen Hochhauszonen, im Unterfeld etwa, oder in der Grafenau, sind «Skyscraper» auf 60 Meter Höhe eingebremst. Und auf dem Gelände der V-Zug und der künftigen Lorzenallmend ist bei 50 Metern Höhe Schluss. Hingegen soll die Dimensionierung der Grundfläche bei maximal 600 Quadratmetern belassen werden.

«Wir sind in Zug nach wie vor eine Kleinstadt, die langsam urbaner wird»

Was sagt André Wicki, der Stadtzuger Bauchef, zum Bericht der BPK? zentralplus konfrontierte ihn mit einigen Fragen.

zentralplus: Herr Wicki, wie haben Sie den Bericht der BPK aufgenommen, da steckt ja ziemlich viel Kritik an der Stadt Zug drin, was die Planung von bestehenden Hochhäusern angeht?

André Wicki: Das Hochhaus-Reglement war ein langer Prozess, an dem nicht nur Fachleute aus der ganzen Schweiz, sondern auch die BPK nachhaltig gearbeitet hat. Die 1. Lesung wurde vom Grossen Gemeinderat – dem GGR – sehr wohlwollend aufgenommen. Danach wurde das Reglement öffentlich aufgelegt, und es gab verschiedene Einsprachen, die wir im Baudepartement beziehungsweise mit dem Gesamtstadtrat abgestimmt haben.

zentralplus: Was heisst das konkret?

Wicki: Der GGR hat uns nach der 1. Lesung den Auftrag gegeben, für das Wort «ausnahmsweise» in Zusammenhang mit 80-Meter-Hochhäusern eine Alternative aufzuzeigen. Wir haben drei Bereiche definiert, wo 80-Meter-Hochhäuser möglich sind. Diesen Vorschlag haben viele Mitglieder aus dem GGR nicht goutiert, weil sie ihn als eine Verschlechterung zur 1. Lesung sehen.

André Wicki, SVP-Stadtrat und Bauchef von Zug.

André Wicki, SVP-Stadtrat und Bauchef von Zug.

(Bild: mam)

 
zentralplus: Wurde insgesamt falsch geplant?

Wicki: Wir haben als Stadtrat in der 1. Lesung unsere klaren Vorstellungen aufgezeigt, die auch dem Anspruch gerecht werden, dass wir nach wie vor in Zug eine Kleinstadt sind, die langsam, aber sicher urbaner wird. Dass der Vorschlag auf das Wort «ausnahmsweise» nicht auf grossen Anklang stösst, kann ich nachvollziehen.

zentralplus: Die Stadt Zug will ja künftig bis 80 Meter hohe Hochhäuser in einer reduzierten Hochhauszone zulassen. Die BPK hätte lieber kleinere Hochhäuser mit Sockelnutzung und angepasst an das vorhandene Zuger Stadtbild. Wie soll dieser Interessenskonflikt gelöst werden?

Wicki: Erstens wird es noch einige Jahre gehen, bis allfällige 80-Meter-Hochhäuser kommen. Und zweitens braucht es immer einen Wettbewerb, der auch aufzeigen muss, was städtebaulich das beste Projekt ist. Auch ein 30-, 40- oder 50-Meter-Hochhaus kann bestens in Zug funktionieren. Man denke da nur an den Obstverband-Turm oder an das Brühwiler-Hochhaus in der Untermüli. Jedes Hochhausprojekt braucht einen Bebauungsplan. Dieser wird auch zukünftig dem GGR unterbreitet und unterliegt dem Referendum. Somit kann die Bevölkerung bei jedem Hochhausprojekt mitentscheiden.

zentralplus: Ist davon auszugehen, dass bei künftigen Hochhäusern besser auf Standort, Aussengestaltung und Einbindung in die Stadtlandschaft geachtet wird?

Wicki: Das ist so. Es ist immens wichtig, dass wir Freiräume, Parks und lebenswerte Gassen und Strassen haben. Vergessen wir aber nicht, dass wir am 3. März 2013 über das Raumplanungsgesetz abgestimmt haben. Da ging es darum, dass wir der Zersiedelung entgegenwirken sollen.

zentralplus: Was bedeutet dies für Zug?

Wicki: Das heisst, dass wir am richtigen Ort verdichten, wie an der Zuger- und Baarerstrasse, auf dem L&G-Areal und zukünftig in der Äusseren Lorzenallmend. Die Schweizer Bevölkerung hat zu diesem Gesetz mit 63 Prozent klar Ja gesagt. In der Stadt Zug sogar mit 74,6 Prozent. Das ist doch ein klares Zeichen von der Bevölkerung, dass wir in den Verdichtungsgebieten die zugerische Entwicklung angehen sollen und dafür die umliegenden Gebiete nicht mehr zersiedeln beziehungsweise erhalten.

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2 Kommentare
  1. Dominic Grimm, 20.05.2020, 11:48 Uhr

    Nun macht mal halblang! Hier kommt mal wieder das kleingeistige Schweizer Bünzlitum voll auf seine Kosten, 80 m ist doch gar keine Höhe! Klar stechen Uptown und Park Tower hervor, aber auch nur weil weitere Hochhäuser bislang FEHLEN. Eine durchgehende Skyline würde der wohlhabenden Stadt Zug druchaus guttun. Dafür dürfen wir aber nicht davor zurückschrecken, anstonsten bleiben die aktuellen Gebäude einsame Solitäre welche hervorstechen wie die Überbauungen der 60er Jahre an den Stadträndern.

  2. Räto Leber, 25.08.2017, 10:23 Uhr

    Die Zerstörung der Heimat durch die Immobilienbranche und die legiferierenden Politiker schreitet auch in den Einfamilienhauszonen auf dem Lande fort. Plötzlich stehen 10 Meter hohe Mehrfamilienhäuser vor der Haustür. Sicht weg. Bäume und das Eichhörnchen weg. Blauer Himmel ein Streifen und verstopfte Quartiersackgassen. Das Land wandelt sich vor allem zu Gunsten Renditepotimierer.

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