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Rösslimatt: Zwischennutzung neigt sich dem Ende zu
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Die Mieter an der Güterstrasse 6 müssen ihre Ateliers und Sporthallen bald räumen. (Bild: jal)

SBB treibt Neubau am Luzerner Bahnhof voran Rösslimatt: Zwischennutzung neigt sich dem Ende zu

4 min Lesezeit 11.11.2019, 10:22 Uhr

Vom Schreiner über Ateliers bis zu Sportstudios: Der Güterschuppen hinter dem Luzerner Bahnhof ist eine versteckte bunte Werkstätte. Doch bald ist Schluss damit. Die SBB als Eigentümerin hat den Mietern gekündigt.

Hinter dem Luzerner Bahnhof, zwischen Gleisen und den schicken City-Bay-Neubauten, liegt ein kleines Eldorado für Kreative und Sportliche. Seit mehreren Jahren wird in den Ateliers im Güterschuppen auf dem Rösslimatt-Areal gearbeitet und trainiert. Immer auf Zusehen hin, denn auf dem Areal plant die SBB als Eigentümerin ein neues Bürogebäude.

Doch der Baustart verzögerte sich immer wieder. Nun zeichnet sich das definitive Ende der Zwischennutzung ab. Denn die Mieter müssen ausziehen. Einige sind bereits weg, andere räumen ihren Platz.

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Das lange Warten auf die Mieter

«Die bestehenden Verträge mit den Mietern der Güterstrasse 6 wurden auf Ende November 2019 gekündigt», bestätigt SBB-Mediensprecher Martin Meier.

«Aktuell werden Verhandlungen mit Mietinteressenten geführt.»

Martin Meier, SBB-Sprecher

Als Grund dafür nennt die SBB die Pläne für das Neubau-Projekt «Perron». Es ist erst der Auftakt zum Bau eines neuen Quartiers auf dem Areal. Nebst zwei weiteren Gebäuden entlang der Bürgenstrasse sollen in einer zweiten Etappe mehrere Wohnblöcke entstehen. Weil diese vom Bau des Durchgangsbahnhofs abhängig sind, startet der Teil mit den Wohnungen jedoch frühestens im Jahr 2035.

Von oben siehts dezent aus, das Projekt auf dem Rösslimatt-Areal. Zuerst soll der längliche Bau vorne an den Gleisen realisiert werden.

Das Projekt «Perron» als erster Schritt ist schon seit mehreren Jahren in der Pipeline. 20’000 Quadratmeter Bürofläche an bester Lage sind entlang der Gleise geplant. Etwas, das in Luzern Mangelware sei, hiess es lange. Doch die grosse Nachfrage blieb bisher aus.

«Es ist sehr schade, wird diese bunte Nutzung nun abgerissen.»

Michael Krauer, Crossfit Pilatus

Die SBB suchte vergeblich nach einem Hauptmieter. Und: Solange dieser fehlt, will sie nicht anfangen zu bauen.

Zuletzt verdichteten sich die Anzeichen, dass ein Ankermieter am Start ist. «Aktuell werden Verhandlungen mit Mietinteressenten geführt», sagt SBB-Mediensprecher Meier dazu. Konkrete Namen könne er deshalb nicht nennen. Nach wie vor gilt aber: Vorausgesetzt dass bei mindestens 50 Prozent der Flächen des Neubaus auf dem Baufeld A Mietverträge bestehen, erfolgt der Rückbau der Güterstrasse 6, also des Güterschuppens.

Bezahlbarer Gewerberaum

Der Luzerner Stadtrat will, dass im Neubau nicht nur hochrentable Unternehmen Platz haben, sondern auch bezahlbare Gewerberäume entstehen. Man stehe diesbezüglich in Verhandlungen mit der SBB, schrieb der Stadtrat kürzlich in einer Interpellationsantwort. Und: «Vor der Erteilung einer Baubewilligung ist nachzuweisen, wie das städtische Anliegen von bezahlbarem Gewerberaum umgesetzt wird.» Die SBB gibt sich bezüglich dieser Forderung bedeckt. Man sei «mit der Stadt zu mehreren Themen im stetigen Austausch», heisst es pauschal.

Dass die Zeit drängt, hat aber auch noch einen zweiten Grund: Laut SBB ist der Abriss des Schuppens eine zwingende Voraussetzung für den Baustart zur Doppelspur der Zentralbahn. Dieses Projekt wird Ende 2020 starten (zentralplus berichtete).

Bedauern bei den Betroffenen

«Es ist sehr schade, wird diese bunte Nutzung nun abgerissen», sagt Michael Krauer, Trainer und Geschäftsführer von Crossfit Pilatus, das seit fünf Jahren an der Güterstrasse zu Hause ist. Für das Unternehmen sei der zentrale Standort ideal gewesen. Auch der Lärmpegel sei hier kein Problem gewesen. «Es gibt für uns keinen Grund, von hier wegzuziehen», sagt Geschäftspartner Michael Häfliger. Doch es sei immer klar gewesen, dass dieser Moment kommen werde. Deshalb befassten sie sich bereits mit der Zukunft und hielten Ausschau nach einem gleichwertigen Ersatz – offenbar erfolgreich: Sie stünden derzeit in Verhandlungen für einen neuen Standort für ihr Crossfit-Studio.

«Das Bedürfnis nach solchen Räumen ist immens.»

Timo Müller, Künstler

Nach einer neuen Wirkstätte schaut sich auch Timo Müller um. Da er Installationen und Skulpturen kreiert und seine Schreinerarbeiten nicht in eine lärmempfindliche Umgebung passen, sei die Suche nach einer Alternative schwierig. Dass der Güterschuppen weichen muss, bedauert auch er. «Das Bedürfnis nach solchen Räumen ist immens», sagt der Handwerker und Künstler. Es sei eindrücklich, wie viele Menschen im Güterschuppen täglich ein- und ausgehen.

Ein – vielleicht – letzter Aufschub

Wann tatsächlich die Bagger auffahren, ist noch unklar. Laut SBB-Sprecher Meier wird mit dem Abschluss der Mieter-Verhandlungen das notwendige Baugesuch zügig ausgearbeitet. Voraussichtlich Anfang 2021 soll es eingereicht werden.

Der Güterschuppen befindet sich hinter den Gleisen. (Bildmontage: zentralplus)

Bliebe also noch etwas Zeit für die Künstler, Sportanbieter und Handwerker im Güterschuppen. Tatsächlich hat die SBB inzwischen einen Aufschub gewährt. «Mit einzelnen Mietern wurden neue Verträge mit kurzer Laufzeit verhandelt», sagt Sprecher Martin Meier. So kann zum Beispiel Crossfit Pilatus bis Ende Februar 2020 bleiben. Andere haben offiziell keine solche Vertragsverlängerung erhalten – die Zusammenarbeit mit der SBB wird von mehreren als schwierig bezeichnet –, gehen aber aufgrund einer E-Mail davon aus, dass sie auch bis im Winter geduldet werden.

Ob danach tatsächlich Schluss ist? Manche im Güterschuppen glauben noch nicht wirklich daran. Zu oft schon kam es anders.

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