Die Luzerner Polizei zieht Bilanz

So viele Straftaten wie seit Jahren nicht mehr

Geballte Ladung an Information: (v.l.) Justizdirektor Paul Winiker, sein Kommunikationschef Erwin Rast sowie der Sicherheits- und Verkehrschef Pius Ludin und der Kripochef Jürg Wobmann kurz nach Abschluss der Pressekonferenz zur Polizeistatistik 2022

Die Luzerner Polizei hatte vergangenes Jahr viel zu tun. Neben dem Personalmangel beschäftigte sie die hohe Anzahl an Straftaten. Zudem nahm das Fahren unter Alkohol-, Drogen- und Medikamenteneinfluss markant zu.

Dass die Luzerner Polizei zum Start ihrer Jahrespressekonferenz am Mittwoch Werbung für mehr Nähe zum Bürger macht, kommt nicht von ungefähr. Geht es doch im Zusammenhang mit der Reduktion der Standorte und der gleichzeitigen Aufstockung des Polizeikorps darum, den Sorgen der Bevölkerung zu begegnen.

«Wir wollen ein bürgernahe Polizei sein und setzen auf Leute, welche die Region und Örtlichkeiten sehr gut kennen», erklärte der Luzerner Justiz- und Polizeidirektor Paul Winiker (SVP) die Strategie des sogenannten «Community Policing». Es brauche sehr engagierte Leute, die in der Lage seien, sich trotz knapper Ressourcen den situativ getroffenen Prioritäten anzupassen.

«Wir haben chronisch zu wenig Leute», sagte auch Polizeikommandant Adi Achermann auf die angespannte Personalsituation und erklärte, dass die Luzerner Polizei mit einer Dichte von einem Beamten pro 615 Einwohner per klar unterdotiert sei. Im schweizweiten Mittel kommen 464 Einwohner auf eine Polizistin. Das Luzerner Polizeikorps soll bis 2030 von 621 auf 930 Beschäftigte wachsen.

Entsprechend bedeutsam sei es, die Leute, die man habe, trotz der hohen Belastung auch zu halten. «Es hilft uns, dass wir den Generalisten, oft Personen um die 30, die daran denken, eine Familie zu gründen, eine Lohnerhöhung gewähren durften, damit sie sich nicht anderswo umsehen.» Als herausfordernd sieht er, dass in den kommenden Jahren aufgrund der vermehrten Pensionierungen der Babyboomer-Generation nicht 30, sondern jeweils bis 60 Leute ersetzt werden müssen.

Luzerner Polizei gibt sich bei Gewaltdelikten gute Noten

Trotz dieser schwierigen Umstände ist die Luzerner Polizei sicher, 2022 gute Arbeit geleistet zu haben, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Die Sicherheitslage hat sich allerdings negativ entwickelt. Im Kanton Luzern ist die Zahl der Straftaten nach Strafgesetzbuch von 17'113 im Vorjahr auf neu 18'929 gestiegen. Das ist der höchste Stand seit 2015.

Stabil geblieben ist das Aufkommen schwerer Gewaltstraftaten. 2022 haben sich im Kanton Luzern auf 100'000 Einwohner 11 solche Verbrechen ereignet. Im schweizweiten Mittel sind es mit 22 doppelt so viele. Mit einer Aufklärungsquote von 87 Prozent im Vergleich zum schweizweiten Mittel von 84,5 Prozent kann sich die Luzerner Polizei ein gutes Zeugnis in der Strafverfolgung ausstellen.

«Solche Banden, deren Schaltzentralen in Albanien liegen und sich hier auf lokale Netzwerke mit Landsleuten abstützen, die sich nicht integriert haben, nehmen zu.»

Jürg Wobmann, Kripochef Luzerner Polizei, zur Bandenkriminalität

Die Einbruchdiebstähle sind von 245 auf 100'000 Einwohner – der Vorjahreswert lag bei 250 – leicht zurückgegangen. Von den insgesamt 1'037 verübten Straftaten konnte jede fünfte aufgeklärt werden. Die Raubdelikte, also Straftaten, die Diebstahl und Nötigung verbinden, haben im ganzen Kanton von 36 auf neu 58 zugenommen. Mit einer Aufklärungsquote von 60,3 Prozent steht die Luzerner Polizei im Vergleich zum schweizweiten Mittel von 52,2 Prozent gut da.

Bandenkriminalität nimmt zu

So weit die Statistiken. Jürg Wobmann, Chef der Kriminalpolizei, erinnerte an den internationalen Drogenring, den die Luzerner Polizei in Zusammenarbeit mit der Bundeskriminalpolizei und der Bundesanwaltschaft im Sommer 2022 hatte sprengen können (zentralplus berichtete).

«Dieser Fall steht exemplarisch für eine besorgniserregende Tendenz», sagte Wobmann. «Solche Banden, deren Schaltzentralen in Albanien liegen und sich hier auf lokale Netzwerke mit Landsleuten abstützen, die sich nicht integriert haben, nehmen zu.» Infrastrukturen würden zur Verfügung gestellt wie auch Geld gewaschen mit Immobilien, Restaurants oder Autohandel.

«Die Bekämpfung dieser organisierten Kriminalität ist personalintensiv und geht nur im Verbund mit interkantonalen und internationalen Stellen.»

Jürg Wobmann zur Cyberwirtschaftskriminalität

Im Geschäftsbericht 2022 macht die Luzerner Polizei klar, dass der Betäubungsmittelhandel im Raum Luzern mehrheitlich von der albanischen Mafia kontrolliert wird. Die Ausgangslage für die Polizei sei hier schwierig. Die Tentakel dieses Kraken wachsen offenbar immer wieder nach, der Markt werde mit Kokain überschwemmt.

Neben der albanischen Mafia, die sich immer weiter ausbreite, stellt die Luzerner Polizei fest, dass auch die italienische Mafia nach wie vor über ein Netzwerk verfügt und zudem Verbindungen zu nigerianischen Syndikaten und Verbrecherorganisationen aus Südeuropa bestehen.

Zu knappe Ressourcen für Verfolgung von Cyberwirtschaftskriminalität

Mit 1'588 registrierten Straftaten hat die Cyberwirtschaftskriminalität um über einen Drittel zugenommen, wie Jürg Wobmann vermerkte. «Die Bekämpfung dieser organisierten Kriminalität ist personalinteniv und geht nur im Verbund mit interkantonalen und internationalen Stellen.»

Obwohl solche Delikte grenzüberschreitend begangen würden, bekämpfe die Luzerner Polizei diese intensiv. Fishing, Fake-Online-Handel mit Zahlungsannahme ohne Lieferung sowie Anlagebetrug haben sich 2022 zu einer Deliktsumme von rund 18,5 Millionen Franken summiert. Wobei mit vielen weiteren solchen Delikten zu rechnen sei, die nicht anzeigt wurden. «Ob wir Betrüger verfolgen, die seriell immer wieder dieselbe Masche anwenden, oder Einzeldelikten nachgehen – in beiden Fällen sind die Ermittlungen aufwendig.»

«Es ist erschreckend, wie viele Personen in alkoholisiertem Zustand oder unter Drogen- und Medikamenteneinfluss ein Fahrzeug führen.»

Pius Ludin, Chef der Luzerner Sicherheits- und Verkehrspolizei

Die Luzerner Polizei brauche hier dringend mehr Personal. «In der IT-Ermittlung mit klassischer Fall-Aufnahme und Einvernahmen haben wir aktuell genug Leute», sagte Wobmann. «IT-Forensiker, also Leute, die Spuren auf elektronischen Geräten wie auch im Internet sichern können, fehlen uns. Hier stehen wir in direkter Konkurrenz zur Informatikbranche.»

Mehr Tote und Schwerverletzte im Strassenverkehr

Pius Ludin, Chef der Sicherheits- und Verkehrspolizei, informierte über Veranstaltungen und Unfälle. Letztere würden im Kanton Luzern weiter zunehmen. Vergangenes Jahr waren es 2'334, im Jahr zuvor noch 2'196. Die Zahl der Getöteten – 10 statt noch 9 – und die Zahl der Schwerverletzten – 202 statt noch 193 – ist ebenfalls angestiegen. Immer mehr Personen sind zudem in E-Bike-Unfälle verwickelt, 2021 waren es 140 kantonsweit, letztes Jahr kamen 178 Fälle zusammen. Gestiegen sind allerdings auch die Töffunfälle, sie haben um 33 auf neu 192 zugenommen.

Was Pius Ludin vor allem Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass die Polizei im Kanton Luzern immer mehr fahrunfähige Personen registrieren, büssen und verzeigen müsse. «Es ist erschreckend, wie viele Personen in alkoholisiertem Zustand oder unter Drogen- und Medikamenteneinfluss ein Fahrzeug führen», sagte er.

575 Personen in angetrunkenem Zustand gegenüber 482 im Vorjahr erfasste die Luzerner Polizei. 470 Personen beteiligten sich unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss am Verkehr. Im Vorjahr waren es noch 347 gewesen.

Verwendete Quellen

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