Politik
Installation im Inseli soll aufrütteln

«Grenzen töten»: In Luzern werden Grenzregimes kritisiert

Zum Einstieg erklärten Miriam Helfenstein (links), Anna-Lea Rohrer und Kevin Schmidli den Grund für die Installation. (Bild: mik)

In diesem Sommer hat die Seebrücke Schweiz verschiedene Zentralschweizer Gemeinden um ein Zeichen von Solidarität für geflüchtete Menschen gebeten. Bis auf wenige Ausnahmen ist sie auf taube Ohren gestossen. Diese ablehnende Haltung kritisieren verschiedene Luzerner Organisationen mit einer zweiwöchigen Installation auf dem Inseli.

Humanitäre Notlagen wie zuletzt in Afghanistan bringen viele Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und in sicherere Länder zu flüchten. Um dem entgegenzuwirken, setzt Europa auf die Grenzschutzorganisation Frontex. Diese gerät oft in Kritik: Mitunter «führen sie zahlreiche illegale Pushbacks durch, verletzen systematisch Menschenrechte und lassen flüchtende Personen im Mittelmeer ertrinken», kritisieren das Solinetz Luzern, Seebrücke Schweiz, Autonome Schule Luzern und Abolish Frontex in einer Mitteilung. Für die Organisation Frontex soll die Schweiz von heute 24 Millionen ab 2027 jährlich rund 61 Millionen Franken bezahlen.

Im Rahmen der transnationalen Kampagne #AbolishFrontex organisiert das Solinetz Luzern und Partnerorganisationen eine Installation auf dem Inseli Luzern: Mit dem Titel «Installation über das Desinteresse Zentralschweizer Gemeinden und die Festung Europa» informieren die Organisationen vom 4. bis 18. Oktober über die Missstände an Europas Grenzen. Aber nicht nur: «Wir kritisieren beide Seiten: Sowohl die unsolidarische Haltung der Schweiz als auch die Abschottungspolitik Europas, die an den Aussengrenzen durch die Grenzschutzorganisation Frontex durchgesetzt wird», so Miriam Helfenstein, Aktivistin der Autonomen Schule Luzern, auf Anfrage von zentralplus.

Forderung nach mehr aktivem Einsatz

Diese «abschottende Haltung» zeigt sich gemäss den Organisatoren in einer kürzlichen Anfrage der Seebrücke Schweiz: 156 Zentralschweizer Gemeinden wurden gebeten, sich für eine direkte Aufnahme von geflüchteten Menschen auszusprechen. Nur die wenigsten Gemeinden hätten sich solidarisch gezeigt, so Helfenstein. Die einzige Ausnahme bilden die Städte Kriens und Luzern.

«Ein Argument, das oft von den Gemeinden dagegen verwendet wird, ist: ‹Das liegt nicht in unserer Zuständigkeit.› Wir finden, damit ziehen sie sich aus der Verantwortung. Auch sie haben eine wichtige politische Stimme», beschreibt Helfenstein die Haltung der Organisatorinnen. Statt in diesen kritischen Gemeinden wird die Installation jedoch in der aufnahmebereiten Stadt Luzern durchgeführt: «Mit der Installation beim Inseli möchten wir möglichst viele Personen mit unserem Anliegen erreichen.»

Bewusstsein schaffen

An der Vernissage vom Montagabend steht so einiges auf dem Programm: Reden, um die Hintergründe der Installation und der Kritik zu erklären, Schweigeminuten und das Vorlesen von Testimonials, in denen geflüchtete Personen von ihren teils traumatisierenden Erlebnissen erzählen.

«Mit unserer Aktion erhoffen wir uns, dass sich mehr Luzernerinnen über dieses Leid verursachende Grenzregime von Europa bewusst werden. Und dass sie sich für sichere Fluchtwege oder Projekte für und mit geflüchteten Menschen einsetzen», so Miriam Helfenstein. Helfen könnten Luzerner beispielsweise, indem sie sich in bestehenden Organisationen engagieren würden – wie bei den Organisatorinnen Seebrücke Schweiz, Solinetz Luzern, Abolish Frontex oder der Autonomen Schule Luzern.

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