Poetisches Märchen  über Werden und Vergehen
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In der vor gut 100 Jahren geschriebenen Oper dreht sich vieles um Leidenschaft und den Kreislauf des Lebens. (Bild: zvg, Luzerner Theater)

«Das schlaue Füchslein» im Luzerner Theater Poetisches Märchen über Werden und Vergehen

3 min Lesezeit 29.04.2021, 19:32 Uhr

Leo Janáceks höchstkomplexe Oper in drei Akten, «Das schlaue Füchslein», feierte am Mittwochabend Premiere am Luzerner Theater. Auf Deutsch, in der Übersetzung von Max Brod und mit deutschen Übertiteln. Bei der Darbietung überzeugte nicht nur das Solistenensemble.

Dem Luzerner Sinfonieorchester gelang es bei der Premiere mühelos, die vielen Nuancen der raffinierten, sehr klangschönen und emotionalen Partitur auszudrücken, von Jonathan Dove für Kammerorchester bearbeitet. Natürlich auch dank des grossen Engagements von Maestro Clemens Heil, der den Klangkörper präzise und kompetent leitete. Obwohl Janaceks Musik alles anderes als für jeden Geschmack ist, lauschte das Publikum von Anfang an hingerissen.

Sehr gute Leistung von Orchester und Sängern

Mitgerissen waren die Zuschauer auch von der hervorragenden sängerischen Leistung des Solistenensembles. Besonders Diana Schnürpel war vokalisch und darstellerisch zauberhaft: Sie interpretierte mal spielerisch, mal innig und nachdenklich, und immer mit grosser Expressivität die nicht einfache Rolle des Füchsleins Schlaukopf. Christina Dialetska als Fuchs sang ebenfalls mit farbenreicher Stimme. Die schönen Momente der Liebesgeschichte zwischen Füchslein und Fuchs stellten die zwei Sängerinnen mit viel Humor und Poesie dar.

Claudio Otelli als Förster zeigte eine solide Stimmtechnik und grosse Bühnenpräsenz; mit seinem Schlussmonolog begeisterte er besonders. Dazu Caroline Vitale in der Doppelrolle als Frau Försterin und als Specht, Robert Maszl als Schulmeister (und als Dackel), Flurin Caduff als Pfarrer (und als Dachs) und Vuyani Mlinde als Haraschta interpretierten ihre Rollen mit viel Einfühlungsvermögen. Ein grosses Bravo muss selbstverständlich auch an die Kinder gehen, welche die kleinen Füchse im Video spielten, sowie auch an die Darsteller der verschiedenen Frösche, Mücken, Hennen, Grillen, Heuschrecken, die die bunte Naturlandschaft belebten.

Eine Inszenierung, die sicher viel Spass macht

Deborah Epstein (Bühne: Natascha von Steiger, Kostüme: Sabine Blickenstorfer, Video und Bildbearbeitung: Eleonora Camizzi, Licht: Marc Hostettler) inszeniert diese entzückende, aber auch gesellschafts- und umweltkritische Oper auf frische, humorvolle Weise. Vielleicht allzu humorvoll. Und dies sicher zuungunsten der Tiefsinnigkeit.

Denn, was auf den ersten Blick wie ein einfaches, wenn auch sehr poetisches Märchen aussieht, ist in Janaceks Sinn auch eine Parabel über Werden und Vergehen, Leben und Tod; über die tiefe Verbindung zwischen Tier und Mensch, über die grosse Sehnsucht nach Freiheit aller Kreaturen, über Liebe und Hass. Und über das Wechseln der Jahreszeiten in der Natur und im Menschenleben. Zum Beispiel um dieses letztgenannte, äusserst wichtige Motiv in dieser Oper zu repräsentieren, genügen jedoch eine Naturlandschaft im Hintergrund und das Anpassen der Farben im Bühnenbild nicht. Im Gegenteil, eine so bebilderte Ausstattung wirkt sicher wenig eloquent, weil zu chaotisch.

Das aus Corona-Gründen immer noch nur aus 50 Personen bestehende Publikum schien jedenfalls einen sehr vergnüglichen Abend zu verbringen. Das Bejubeln aller Teilnehmer am Ende der anderthalb Stunden bewies das.

«Das schlaue Füchslein» von Leos Janácek wird im Programm des Luzerner Theaters noch bis zum 6. Juni zu finden sein. Alle Aufführungsdaten findest du in unserem Eventkalender.

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