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Nebelmeer statt Schneedecke: blöd für Skifahrer
  • Wirtschaft
Kaum Schnee und trotzdem auf den Brettern: Irene Othmann mit Kids auf der Mörlialp in Obwalden. (Bild: zVg)

Wie regionale Skigebiete mit Schneemangel umgehen Nebelmeer statt Schneedecke: blöd für Skifahrer

6 min Lesezeit 30.12.2016, 04:51 Uhr

Skigebiete in der Umgebung von Luzern sind alle mit dem gleichen Problem konfrontiert: kein oder zu wenig Schnee. Und damit auch weniger Wintersportler, die auf den Pisten herumkurven und für Umsatz sorgen. Ausflügler, die über das Nebelmeer an die Sonne wollen, machen das zum Teil wett. Aber längst nicht überall.

Familie Othmann ist aus Deutschland angereist und verbringt zusammen mit Freunden die Feiertage auf der Mörlialp. Ihre Alphütte steht normalerweise fast mitten auf der Skipiste, dieses Jahr ist es ringsum aper.

«Etwas wehmütig bin ich schon, wenn ich mich an die Schneelandschaft in anderen Jahren erinnere», sagt Irene Othmann, die in der Nähe aufgewachsen ist und ihre Ferien öfters auf der Mörlialp ob Giswil (OW) verbracht hat.

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In Deutschland steht die Familie zwar auch auf den Skiern, allerdings in einer Halle mit allem Drum und Dran. Ensprechend freute man sich darauf, sich draussen im Gelände auf die Skier zu schwingen – nur eben: Es fehlt der Schnee oder jedenfalls fast. Auf der Mörlialp (1548 m ü. M.) ist von acht Anlagen gerade mal eine in Betrieb: der Tellerlift für die Kleinen. Und auch dies nur, weil rundum künstlich beschneit wurde.

«Finanziell haben wir grosse Einbussen, da nützen alle zusätzlichen Anstrengungen nicht.»
André Strasser, Verwaltungsratspräsident Skigebiet Mörlialp

Auf der Mörlialp hat man sich zusätzliche Anreize ausgedacht, um den Schneeausfall zu kompensieren: Auf dem Eisfeld wird beispielsweise ein Hockey-Match lanciert und Wochengäste können mit dem Mörlialp-Skipass ohne Zuschlag auch auf der Melchsee-Frutt Ski fahren. Trotzdem: «Finanziell haben wir grosse Einbussen, da nützen alle zusätzlichen Anstrengungen nichts», sagt André Strasser, Verwaltungsratspräsident Skigebiet Mörlialp. Und das ausgerechnet über die Feiertage, an denen üblicherweise viel los ist.

Schmaler Streifen Schnee auf der Mörlialp am Morgen nach der künstlichen Beschneiung.

Schmaler Streifen Schnee auf der Mörlialp am Morgen nach der künstlichen Beschneiung.

(Bild: Irene Othmann)

Kein Dichtestress auf Piste

Auch wenn die Schneeverhältnisse anders sind als erwartet: Die Feriengäste aus Deutschland nehmen es gelassen und geniessen die Ferien trotzdem.

«Es hat einen Streifen Schnee, die Kids können runterflitzen und haben Spass.»
Irene Othmann, Feriengast aus Deutschland

«Es hat einen Streifen Schnee, die Kids können runterflitzen und haben Spass», sagt Irene Othmann, die auch  Vorteile darin sieht, dass die Wintersaison nicht richtig abgeht: «Es hat keinen Dichtestress auf der Piste – ideal, um Skifahren zu lernen.» Ausserdem gebe es andere Attraktionen wie Schlittschuhlaufen oder an der Sonne herumspazieren und auf das grandiose Nebelmeer hinunterblicken.

Rekordfrequenzen auf dem Pilatus

Auch auf dem Luzerner Hausberg liegt noch kein Schnee, den beliebten Schlittelweg Fräkmüntegg–Kriens kann man höchstens mit anderen Gefährten unter die Räder nehmen. «An Weihnachten sind wir mit den Bikes bis auf den Gipfel raufgefahren. Krass, das hab ich so noch nie erlebt», sagt Urs Lustenberger, angefressener Biker und Skifahrer aus Schötz.

«Hier steht eine lange Schlange. Die wollen alle raus aus dem Nebel und rauf auf den Pilatus.»
Tobias Thut, Leiter Marketing Pilatus-Bahnen

Unten an der Bahnstation Kriens sitzt Tobias Thut, Leiter Marketing Pilatus-Bahnen, in seinem Büro. Er schaut in den Nebel hinaus und ist kein bisschen betrübt. «Hier steht eine lange Schlange. Die wollen alle raus aus dem Nebel und rauf auf den Pilatus», sagt er lachend.

Webcam Pilatus: Freie Sicht auf's Nebelmeer für Geniesser.

Webcam Pilatus: Freie Sicht aufs Nebelmeer für Geniesser.

Die Pilatus-Bahnen erreichen gemäss Thut derzeit Rekordfrequenzen, Schnee hin oder her. «Wir haben im Schnitt pro Tag 2000 Gäste, die über dem Nebelmeer Sonne und Wärme geniessen wollen. Das kompensiert die fehlenden Familien, die sonst wegen des Schlittelns kommen», sagt er. Bereits letztes Jahr konnte die Schlittelpiste wegen Schneemangel nicht befahren werden, und künstlich beschneit wird im Pilatus-Gebiet nicht.

Im Januar sollen hier die «Coop-Schlitteltage» stattfinden. «Wenn es bis dann Schnee gibt, wäre das für uns das Tüpfchen auf dem I», meint Tobias Thut.

Flexibilität auf der Melchsee-Frutt

«In unserer schneesicheren Ferienregion ist Vielseitigkeit Programm», ist das Motto des Skigebiets Melchsee-Frutt (1920 m ü. M.). Ganz so ist es dieser Tage nicht: Auf dem Balmeregghorn hat es 40 Zentimeter Schnee, auf der Melchsee-Frutt 20 und bei der Talstation Stöckalp gar keinen. Trotzdem: Von den insgesamt 14 Anlagen sind 10 in Betrieb, von zehn Pisten können fünf befahren werden. Geschlossen ist das Gebiet Erzegg.

Damit die Gäste dennoch auf ihre Kosten kommen, hat man reagiert. «Da wir nicht komplett auf Freestyle verzichten wollen, haben wir unter anderem einen kleinen und feinen Park mit Hindernissen auf dem Bonistock aufgestellt», sagt Daniel Dommann, Geschäftsführer Tourismusverein Melchsee-Frutt.

«Fakt ist: Wir haben bei Weitem nicht die gleichen Umsätze wie in anderen Jahren.»
Daniel Dommann, Geschäftsführer Tourismusverein Melchsee-Frutt

Auch sonst versucht man, den rund 3000 Tagesgästen etwas zu bieten. «Dort, wo es möglich ist, beschneien wir die Pisten», sagt Dommann. Hilfreich für die künstliche Beschneiung seien in den letzten Tagen die tiefen Temperaturen gewesen, weniger hilfreich der Föhn. «Immerhin: Die offenen Pisten sind hart, aber gut zu befahren.»

Webcam Melchsee-Frutt: Tolles Panorama mit etwas Schnee dekoriert.

Webcam Melchsee-Frutt: Tolles Panorama mit etwas Schnee dekoriert.

Viele Leute kämen zudem zum Wandern oder Langlauf und sehr beliebt sei das Schlittschuhlaufen auf dem gefrorenen Melchsee. Das ändert jedoch auch nichts an den Tatsachen, sagt Dommann: «Fakt ist: Wir haben bei Weitem nicht die gleichen Umsätze wie in anderen Jahren.» Bei guten Schneeverhältnissen tummeln sich in einer schneereichen Saison um die 6000 Leute pro Tag auf den Pisten – also doppelt so viele wie in diesen Tagen.

Sommer auf der Klewenalp

Geradezu sommerlich präsentiert sich die Situation auf der Klewenalp (1600 m ü. M.): strahlender Sonnenschein, milde Temperaturen, braunes Gras. Von den 17 Ski- und Schlittelpisten ist keine einzige geöffnet. In Betrieb sind für Wanderlustige und Geniesser die Gondelbahn zur Stockhütte, die Luftseilbahn zur Klewenalp und der Sessellift Aengi zur Schneebar.

«Wir haben kurzfristig umgestellt und bieten jetzt die Aktion ‹Sommer über Nebel› an.»
Angela Limacher, Mitarbeiterin Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte

Wegen dem Schneemangel haben die Verantwortlichen ihr Angebot umgestellt: «Wir haben kurzfristig umgestellt und bieten jetzt die Aktion ‹Sommer über Nebel› an», sagt Angela Limacher, administrative Mitarbeiterin Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte. Gäste können für 20 Franken die Luftseil- oder Gondelbahn benutzen, Kinder fahren gratis mit.

Webcam Klewenalp: Sommeraktion im Winter.

Webcam Klewenalp: Sommeraktion im Winter.

Das gefällt den Sonnenhungrigen, macht die Einbussen jedoch nicht wett: «Zurzeit haben wir an einem schönen Tag etwa 1500 Ausflügler. Das sind wesentlich weniger als bei Betrieb der Skianlagen», sagt Limacher. Dass der damit einhergehende Umsatzverlust in der laufenden Saison wettgemacht werden kann, scheint ihr nicht realistisch. «Das dürfte sehr schwierig sein. Wir hoffen jedoch auf Schnee ab Anfang Januar.».

Steppenlandschaft Glaubenberg

Um die 40 Kilometer präparierte Loipen ziehen sich über die Ebene «Langis» auf dem Glaubenberg (1450 m ü. M.). Beziehungsweise: würden sich ziehen. Stattdessen präsentiert sich die Landschaft wie eine trockene Steppenlandschaft mit vielen Grasbüscheln und dazwischen ein paar zugefrorenen Pfützen. Nix da mit Langlaufen oder Schneeschuhlaufen, alle Loipen liegen brach unter der Sonne. Schön und nebelfrei lässt es sich trotzdem durch die Föhrenwälder spazieren – und erst noch ganz bequem in Turnschuhen.

Webcam Glaubenberg/Langis: Steppenlandschaft statt Loipen.

Webcam Glaubenberg/Langis: Steppenlandschaft statt Loipen.

 

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