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Mit Kunst und Kegel – Galeristinnen ohne Berührungsängste
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Susanne Perren (links) und Michela Grunder mit einer Skulptur von Ivo Soldini und mit Enkel. (Bild: jav)

Sie holen die grossen Namen nach Adligenswil Mit Kunst und Kegel – Galeristinnen ohne Berührungsängste

7 min Lesezeit 02.04.2017, 13:57 Uhr

Erst vor zwei Jahren haben sich Susanne Perren und Michela Grunder mit der eigenen Galerie selbstständig gemacht und schon stehen die grossen Namen auf ihrer Liste. Wie sie das angestellt haben, und was Clown Dimitri dazu beitrug, haben sie zentralplus verraten.

Der Bus hält nur wenige Meter von der Galerie «GrunderPerren» entfernt. Die Schule ist gerade aus, Kinder spielen in den Bäumen an der Hauptstrasse in Adligenswil und Michela Grunder füttert ihren kleinen Enkel in der sonnendurchfluteten Galerie mit Trauben. Idyllischer geht es kaum.

Es herrscht eine familiäre Atmosphäre am Tag nach der Vernissage in der Galerie Grunder und Perren. Die beiden Galeristinnen sind zufrieden. Zwei Jahre nachdem sie sich gemeinsam selbstständig gemacht haben, ist die gemeinsame Galerie in der Kunstszene gut positioniert.

Vierzehn Ausstellungen von namhaften Künstlern und Kunstschaffenden aus der Region inszenierten die beiden in den vergangenen zwei Jahren. Und in der Erweiterung der Galerie, dem Kunstshop, bieten sie Kunstgeschenke und «Kunst to go» von wechselnden Künstlern aus der Umgebung an. Gerade findet man hier beispielsweise Keramikarbeiten von Brigitte Steinemann.

Ein italienischer Zufall

Gefunden haben sich die beiden heutigen Geschäftspartnerinnen per Zufall. Susanne Perren, PR-Frau und Autorin aus Brig, hatte sich nach ihrem Umzug nach Luzern in den Kopf gesetzt, Italienisch zu lernen. Die 47-Jährige suchte also nach einer passenden Lehrerin.

Michela Grunder lebt seit 37 Jahren in Adligenswil und ist dort als Italienischlehrerin und ehrenamtlich als Kulturveranstalterin tätig. Kuratorin und Kommunikationsexpertin hatten sich gefunden. Und vor zwei Jahren haben die beiden die Galerie ins Leben gerufen. Grunder leitete während Jahren auch eine Kunst- und Kulturstiftung auf dem Platz Luzern. In der Zentralschweiz und im Tessin veranstaltete sie regelmässig vielfältige Kulturevents und baute sich damit ein weit gespanntes Netzwerk auf. Ein Netzwerk, das heute oft auch Kundenstamm genannt wird.

Kunst sei für sie immer mehr Leidenschaft als Arbeit gewesen. «Ich habe das meiste in meinem Leben ehrenamtlich gemacht», betont sie. Dass die beiden Frauen ganz von der Galerie leben könnten, sei nicht das Ziel gewesen und es wäre auch kaum möglich, betont Perren. Doch als Teilzeitjob passt es perfekt.

Dimitri setzte die Motivationsspritze

Auf das Ladenlokal stiessen die beiden per Zufall, doch die Zweifel waren gross. Besonders Grunder überlegte sich genau, ob sie noch eine neue «Karriere» beginnen sollte. «Es war zu früh, um aufzuhören, es war aber eigentlich auch zu spät für etwas Neues», sagt die heute 59-jährige Galeristin.

«Kunst muss verkaufbar sein. Wir sind kein Museum.»
Susanne Perren

Der befreundete Clown Dimitri gab schliesslich den Ausschlag, erzählt Grunder: «Wir sind gemeinsam ums Haus herumgeschlichen, haben durch alle Fenster gelinst und schliesslich meinte er zu mir: Mach es!»

Er habe somit die nötige Motivationsspritze gesetzt. Und die Räumlichkeiten seien wirklich ideal. «Wir stehen direkt an der Verlängerung der Haldenstrasse und eigentlich sind bei uns die ersten Gratisparkplätze, wenn man aus der Stadt Luzern herausfährt», so Perren. Scheinbar ein Argument für die kauffreudige Kundschaft.

Die unberechenbare Kundschaft

Deshalb haben die beiden auch einen Kunstshop in der Galerie eingerichtet. «Wir wollen, dass die Leute die Hemmungen verlieren und auch mal etwas Kleines kaufen können», so Perren. Denn das mit der Kundschaft, das sei so eine Sache. Man müsse als Galerie das passende Zielpublikum finden, es dann aber auch bei Laune halten und vergrössern.

Das Publikum sei heute so volatil geworden – auch im Kunstbereich, wissen die beiden. «Das Geld ist da. Doch ist es oft weniger eine Frage des Preises als vielmehr des richtigen Moments. Die Kunden zum richtigen Zeitpunkt in der Galerie zu empfangen, hängt von vielen Faktoren ab. Manchmal spielt sogar das Wetter eine Rolle», betont Perren.

«Der Kunstmarkt ist ein herrliches Feld, um Geld zu waschen.»
Michela Grunder

Die Schweizer seien grundsätzlich ein wankelmütiges Kaufpublikum. «Gibt es schlechte wirtschaftliche oder weltpolitische Schlagzeilen, kaufen Herr und Frau Schweizer spürbar weniger Kunst.» Das betreffe vor allem die zeitgenössischen und jüngeren Künstler. Grosse Namen betrifft das nicht. «Solche Käufe gelten als sichere Investitionen.» Man parkiere sein Geld sozusagen.

Raus aus der Einsamkeit

Besonders bei den Vernissagen sei deshalb ein grosser Zulauf wichtig – vor allem für die Künstler. «Die Vernissage ist der einzigartige Moment, in welchem die Künstler aus ihrer Einsamkeit herauskommen und ihre Arbeiten aus dem stillen Kämmerlein dem kritischen Publikum präsentieren.»

Schlussendlich geht es in einer Galerie ums Verkaufen von Kunst. Dafür muss das Angebot einzigartig sein – aber bitte nicht zu schräg. «Die Kunst muss verkaufbar sein. Wir sind kein Museum.» Ein Pissoir oder eine Kabelrolle, die funktionieren in einer Galerie nicht. «Im Rahmen einer Ausstellung verträgt es maximal ein provokatives Stück, das sich von den andern deutlich abhebt», erklärt Grunder. Das seien dann aber die seltenen, wirklich wilden Werke.

«Wir wollen das Publikum an neue Stile und Werke heranführen. Trotzdem muss man ihm auch anbieten, wozu es den Zugang bereits hat.» Ein bisschen Mainstream, das braucht die Kunst, welche die beiden Frauen sich in die Galerie holen.

Grosse Namen mit Stolz

«Die Kunden suchen, was nicht schon überall angeboten wird.» Deshalb sind auch grosse Namen wichtig. Im vergangenen Herbst zum Beispiel konnten Grunder und Perren eine grosse Privatsammlung von Werken des Künstlers Alois Carigiet an ihre Kunden bringen. «Die auf dem Kunstmarkt raren, begehrten Bilder waren eine der grössten Carigiet-Kollektionen, die in den letzten Jahren in den Handel kamen», betont Perren nicht ohne Stolz.

«Der Job geht ins Geld.»
Michela Grunder

«Unser Wunsch wäre natürlich, jedes Jahr einen grossen Namen aus der Schweiz zu haben.» Doch das sei immer eine Sache der Beziehungen. Beziehungen, die Grunder zu einem grossen Teil aus ihren Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit mitbringt.

Fachsimpeln und schwärmen über und von der Kunst.

Fachsimpeln und schwärmen über und von der Kunst.

(Bild: jav)

Vertrauen und Verantwortung

«Natürlich haben wir bei einigen Kontakten Glück gehabt, doch wichtig ist auch, dass Künstler und Kunden wissen, dass wir seriös und ehrlich arbeiten.» Auf dem Kunstmarkt laufe viel über die Vertrauensbasis, betont Perren. «Denn der Kunstmarkt ist seit jeher ein herrliches Feld, um Geld zu waschen und Künstler über den Tisch zu ziehen», schiebt Grunder nach.

Ein Künstler oder ein Sammler übergibt seine Werke oder seine Sammlung im Vertrauen, dass ehrlich damit gehandelt wird. «Die grösste Herausforderung ist die Verantwortung gegenüber den Künstlern. Sie übergeben uns die für sie weniger angenehme Arbeit. Preise machen, nicht weich werden, verkaufen.»

«Wenn Lieblingsstücke gehen, dann kann ich auch mal hässig werden.»
Michela Grunder

Doch das Vertrauen beruht auch auf Gegenseitigkeit. Wer hier Kunst kauft, der kann sie auch gleich mitnehmen. «Wir haben keine roten Punkte. Wenn etwas verkauft ist, wird es entfernt und der Kunde kann es nach Hause nehmen.» So ist die Galerie während einer Ausstellung im ständigen Wandel.

Mit ihrem eigenen Stil in der Galerie haben sich die beiden einen Namen gemacht. «Unsere Ausstellungen sind informativ, die Veranstaltungen familiär. Die Leute kommen gerne, weil es nicht steif ist», ist Perren überzeugt.

Die ständige Verführung

Die beiden Galeristinnen stellen Künstler aus, deren Arbeiten ihnen selbst auch zusagen. Kann man da widerstehen? «Der Job geht ins Geld», sagt Grunder grinsend. «Wir versuchen zwar, den eigenen Kunstkonsum in Grenzen zu halten – aber wir unterstützen die Künstler schon regelmässig.»

Es gehört zur Geschäftsstrategie, aus den Ausstellungen nichts selbst zu kaufen, bis sie zu Ende seien. «Wir wollen die Künstler mit den Werken dem Publikum vorstellen, die wir toll finden – und wir wollen unseren Kunden die besten Werke anbieten können.» Und doch verführe jede Ausstellung wieder von Neuem. Besonders das Abschiednehmen von verkauften Lieblingsstücken sei hart, gibt Grunder lachend zu. «Es tut schon weh. Und wenn Lieblingsstücke gehen, dann kann ich auch mal hässig werden.» Das dürfe man ja eigentlich gar nicht sagen, aber «ich hätte schon oft heulen können», so Grunder.

Die beiden Frauen kommen ins Schwärmen über Bilder und Skulpturen der aktuellen Ausstellung – «die Linienführung» … «die Dynamik». In dem Moment schneit Ivo Soldini zur Tür herein. Der Künstler ist auf dem Weg zurück ins Tessin und will sich noch kurz bedanken. Doch «kurz» ist hier nicht – nach wenigen Minuten sitzt Soldini mit einem Stift und Grunders Enkel am Tisch.

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