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Mit Johann die Schulbank drücken
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Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel begrüsst den Bundespräsidenten im GIBZ in Zug. (Bild: zvg )

Besuch des Bundespräsidenten in Zug Mit Johann die Schulbank drücken

5 Min 11.04.2016, 16:21 Uhr

Am Montag weilte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann während zwei Stunden in Zug. Konkret besuchte er die gewerblich-industrielle Berufsschule und machte sich ein Bild davon, wie es um die Generierung von Fachkräften in Zug steht. Was dem Bundespräsidenten der Besuch brachte, bleibt offen. Die Zuger dürften sich jedoch freuen über die Worte aus Bern.

Es ist ein hoher Montag für Zug. Jedenfalls für die Zuger, die, in Schale und leicht nervös wirkend, am Eingang des gewerblich-industriellen Bildungszentrum (GIBZ) stehen. Denn der Bundespräsident höchstpersönlich stattet der Schule einen Besuch ab. Der Grund: Im Rahmen der Fachkräfteinitiative will sich Johann Schneider-Ammann ein Bild machen, was Zug diesbezüglich so leistet. Denn Zug ist neben Bern und Zürich der einzige Kanton, der sogenannte Validierungsverfahren anbietet, mit denen es für Erwachsene deutlich einfacher ist, ein Fähigkeitszeugnis zu erlangen als mittels herkömmlicher Berufslehre.

Im Fokus von Schneider-Ammanns Besuch stehen insbesondere die Handlungsfelder Höherqualifizierung, Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Schaffung guter Bedingungen zur Erwerbstätigkeit von Migranten.

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Das gemeine Volk nimmt die Treppe

Es ist eine Minute vor 10 Uhr und der Audi biegt um die Ecke. Der Wagen hält, Schneider-Ammann steigt aus, lächelt harmlos, man begrüsst sich und begibt sich gleich hoch in den dritten Stock. Der Bundespräsident und seine Nächsten fahren im Lift, der Rest muss laufen.

Auf der Treppe treffen die Gäste auf ein paar Schülerinnen, diese grüssen freundlich und fragen sich dann leise: «Was machen all diese Leute hier?» Es ist eine berechtigte Frage. Was nützt dieses ganze Aufgebot? Was macht dieser Mann, der vor wenigen Tagen noch mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu Abend ass, hier überhaupt?

Der Zuger Wirtschaftsdirektor Matthias Michel begrüsst die Gäste jedoch souverän. Und spricht an, was Zug heute zu schaffen macht. «Befragt man die Unternehmen in Zug über diesen Wirtschaftsstandort, rühmen diese zwar immer zuerst die guten Standortbedingungen, die wir hier haben, doch sehr häufig wird als potenzielles Problem der Fachkräftemangel genannt.» Und dieser Problematik wolle man entgegentreten.

Ein Werbespot für Zugs Berufsbildung?

Schwer lässt sich erraten, ob ihn der hohe Besuch nervös macht. Viel leichter lässt sich hingegen der Stolz erkennen, den Matthias Michel ob der Berufsbildungssituation im Kanton Zug empfindet. Konkret rühmt er das Validierungsverfahren. Das Ganze wirkt wie ein Werbespot für Zugs Berufsbildung, der sonnige Kirschblütentag mit passender Alpensicht kommt da wie gerufen.

Natürlich kommt auch der Bundespräsident zu Wort. Er stellt sich ebenfalls hinter den Standpunkt, dass man «mit vereinten Kräften Fachkräfte herrichten» müsse, und dass dies sowohl Zeit als auch Engagement verlange.

Und wie das genau aussehen könnte, will uns der Kanton genauer zeigen. Die Gäste erheben sich und wechseln in die Abteilung für Gesundheits- und Krankenpflege. Dort erhält der Bundespräsident und sein Gefolge eine Idee, wie der Kanton Zug die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit handhabt. So kommt eine ältere Dame zu Wort, die sich mit 59 Jahren noch zur Fachfrau Gesundheit ausbilden liess. Neben den Kantonen Zürich und Bern verfügt auch Zug über ein flexibles Validierungsmodell. Mit diesem ist es für Erwachsene unter Anrechnung ihrer bisherigen Ausbildungen möglich, ein Fähigkeitszeugnis zu erreichen.

Vom Soldat zum Küchenarbeiter

Auch im Bereich Küche bietet der Kanton Zug ein solches Modell an. Und auch das soll sich die ganze Garnison aus erster Hand anschauen. Wir treten also ins abgedunkelte Schulzimmer, in dem gerade knapp zehn Auszubildende unterrichtet werden. Die meisten von ihnen stammen aus Sri Lanka. Weil sie alle bereits Arbeitserfahrung in der Branche haben, dauert ihre Ausbildung nur etwa fünf Monate.

Wer mag, kann später die Ausbildung zum Koch in Angriff nehmen. Einer der Lernenden, ein Angolaner, erzählt, dass er in seiner Heimat Soldat gewesen sei, nun aber bereits seit elf Jahren in der Schweiz sei und diese Ausbildung zum Küchenangestellten mache, um ein Zeugnis vorweisen zu können. «Ich lerne wirklich viel», erklärt er, und deutet auf die Lehrbücher vor sich.

Ein Klassenfoto der besonderen Art. Johann Schneider-Ammann mit den angehenden Küchenangestellten.

Ein Klassenfoto der besonderen Art. Johann Schneider-Ammann mit den angehenden Küchenangestellten.

(Bild: wia)

Es ist ein schlauer Schachzug des Kantons, diese Lernenden zu Wort kommen zu lassen. Einerseits erfährt man spannende, persönliche Geschichten hinter dieser Ausbildung, anderseits unterstützen sie die Glaubwürdigkeit des ganzen Anlasses. Und das beeindruckt auch den Bundespräsidenten sichtlich.

«Ich bin ausserordentlich positiv überrascht.»

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann

Abschliessend erklärt Schneider-Ammann der Gruppe: «Dieser Rundgang ist bei mir sehr gut angekommen. Ich merke, welches enorme Engagement und welch grosse Passion dahinter steckt, geeignete Fachkräfte in Zug aufzubauen.» Er selber sehe es als grosse Herausforderung, jedem und jeder eine Perspektive zu geben und damit eine Chance auf einen Job.

Daraufhin betont Schneider-Ammann die Wichtigkeit davon, dass sich die Privatwirtschaft mit einbindet in die Berufsbildung. Weiterer Seelenbalsam in Richtung Michel folgt: «Ich wusste nach dem Besuch im grossen China nicht, was mich heute hier erwartet. Und ich muss sagen, ich bin ausserordentlich positiv überrascht.»

Schneider-Ammann gegen die Akademisierung

Schneider-Ammann beendet seinen Besuch mit einem Appell: «In Frankreich ist die Tendenz in den letzten Jahren gestiegen, dass alle jungen Menschen eine Matura machen und daraufhin ein Studium absolvieren. Wer das nicht macht, ist in der Société Française zu wenig angekommen.» Die Schweiz müsse aufpassen, dass die Akademisierung nicht allzu sehr ausgebaut werde. Mit diesen Worten verlässt Schneider-Ammann die Runde und eilt bereits zum nächsten Termin.

«Es tut gut, dass die Beachtung unseres innovativen Vorgehens auch über die Kantonsgrenzen hinaus Beachtung findet.»

Matthias Michel, Zuger Volkswirtschaftsdirektor

Das Fazit des Besuchs? Matthias Michel sagt: «Es tut gut, dass die Beachtung unseres innovativen Vorgehens auch über die Kantonsgrenzen hinaus Beachtung findet. Zu oft werden wir reduziert auf die Themen tiefe Steuern und Briefkastenfirmen. Aus meiner Warte haben wir aber noch ganz andere Qualitäten.»

Ein Stück Realität für den Bundespräsidenten

Ziel sei es für Zug im Allgemeinen, dass man gute Fachkräfte generiere, wenn es nicht mehr so einfach sei, Leute aus den EU-Staaten zu gewinnen.

Und zum Schluss noch Hand aufs Herz. Das tut sicher gut, vom Bundespräsidenten so gelobt zu werden. «Ich habe schampar Freude, dass es uns gelungen ist, zu zeigen, was wir machen, um Leute nachzubilden und dass wir Schneider-Ammann so nah wie möglich an die Realität heranbringen konnten.»

Das Fazit: Wie viel der Besuch dem Bundespräsidenten wirklich gebracht hat, bleibt offen. Der Kanton Zug jedoch ist sicherlich bestärkt in seiner Ausrichtung und Matthias Michel dürfte heute mit einem breiten Lachen nach Hause fahren.

Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel begrüsst den Bundespräsidenten im GIBZ in Zug.

Der Zuger Regierungsrat Matthias Michel begrüsst den Bundespräsidenten im GIBZ in Zug.

(Bild: zvg)

 

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