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«Lozärner Altstadt Fäscht»: Die Stadtbuben kämpfen gegen den Gigantismus
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Im vergangenen Jahr besuchten 70'000 Besucher das Luzerner Fest. (Bild: Luzerner Fest )

Nebenveranstaltung des Luzerner Fests hat Erfolg «Lozärner Altstadt Fäscht»: Die Stadtbuben kämpfen gegen den Gigantismus

6 min Lesezeit 23.06.2017, 04:41 Uhr

Tausende strömen dieses Wochenende ans Luzerner Fest. Doch der Anlass ist einigen Luzernern zu gross und unsympathisch geworden. Ein Verein will zurück zu den Wurzeln des Altstadtfests. Und hat damit grossen Erfolg. Nun hofft Vereinspräsident Alceo Benedetti, dass es ihn schon bald nicht mehr braucht.

Feiern für einen guten Zweck – darum geht es beim Luzerner Fest am kommenden Wochenende (zentralplus berichtete). Bereits zum 9. Mal geht der aus dem ehemaligen Altstadtfest und Seenachtsfest hervorgegangene Event über die Bühne. Nicht ohne Kritik.

Seit vergangenem Jahr findet auch in der Altstadt wieder ein Fest statt (zentralplus berichtete). Ein Verein namens «Lozärner Altstadt Fäscht» besann sich an alte Tage. 31 Jahre lang fand das «alte» Luzerner Altstadtfest statt – 2007 zum letzten Mal. Manch ein Stadtluzerner weinte dem Klassiker bittere Tränen nach. Nun also zum zweiten Mal das Revival: zentralplus traf OK- und Vereins-Präsident Alceo Benedetti zum Gespräch.

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zentralplus: Alceo Benedetti, sind Sie bereit für die grosse Sause?

Alceo Benedetti: Ja, zu 95 Prozent sind wir bereit. Das Wetter sieht auch super aus.

zentralplus: Im letzten Jahr war euer «Lozärner Altstadt Fäscht» ein grosser Erfolg. Nun expandiert ihr Team bereits auf den Hirschenplatz. Wollt ihr nun auch mit der grossen Kelle anrühren?

Benedetti: Die Gelegenheit mit dem Hirschenplatz ergab sich, weil das OK Luzerner Fest auf uns zugekommen ist. Wir haben uns insofern gefunden, als dass wir den Platz eigenständig betreiben und in unsere Kasse für den guten Zweck wirten dürfen. Mit allen, die zufällig vorbeikommen, erwarten wir schon rund 2’000 Leute mehr als letztes Jahr.

Matthias Lips, Alceo Benedetti und Guido Huber haben das Lozärner Altstadt Fäscht wieder ins Leben gerufen.

Matthias Lips, Alceo Benedetti und Guido Huber haben das Lozärner Altstadt Fäscht wieder ins Leben gerufen.

(Bild: zvg)

zentralplus: Was machen Sie anders als das Luzerner Fest?

Benedetti: Eines vorneweg: Der Konkurrenzgedanke steht nicht im Vordergrund. Wir sind in der Altstadt und dadurch noch immer ein kleines Fest. Wir feiern im Süesswinkel, in der Kegelbahn des Maskenliebhabersaals und neu auf dem Hirschenplatz. Das macht’s heimelig und gemütlich. Man kann im intimen, familiären Rahmen miteinander feiern.

zentralplus: Euch ist wichtig, nicht als Konkurrenz oder Gegenveranstaltung zum Luzerner Fest zu gelten. Aber trotzdem heisst es immer wieder: «Damals mit dem Altstadtfest war alles noch besser.» Ist das auch der Tenor, den Sie von den Luzernerinnen und Luzernern wahrnehmen?

Benedetti: Genau. Wir wollen dem Luzerner Fest die Leute nicht streitig machen. Aber wir wollen jene Personen, die eh schon lange nicht mehr ans Luzerner Fest gingen, weil es ihnen unsympathisch wurde, einen Ort zum karitativen Feiern bieten. Es stimmt, wir geben uns gerne als das sympathische kleine Fest für die Ur-Luzerner aus.

«Die Ur-Luzernerinnen und -Luzerner kommen auch – wie man so schön sagt –, wenn es Katzen hagelt.»

zentralplus: Dazu gehört auch die Herzrondelle.

Benedetti: Unbedingt. Für uns ist es ein grosser Erfolg, dass das Luzerner Fest in diesem Jahr auch wieder auf die Rondelle setzt. Die grosse Zustimmung, die dieses Symbol im letzten Jahr erhielt, war sicherlich ein überzeugendes Argument dafür. Zudem können die Gäste vom «Lozärner Altstadt Fäscht» versichert sein, dass die ganzen 10 Franken dem guten Zweck zu Gute kommen.

zentralplus: Die Finanzen sind ein gutes Thema. Das Geld geht an die Stiftung «Luzerner helfen Luzernern». Letztes Jahr konntet ihr 16’500 Franken spenden. Das Luzerner Fest machte zwar wegen des schlechten Wetters Verlust, konnte jedoch trotzdem 51’000 Franken direkt aus Beiträgen von Sponsoren spenden. Das Ertragsverhältnis scheint bei euch besser zu sein.

Benedetti: Ja, das ist tatsächlich so, wir konnten pro Besucher knapp 20 Franken der Stiftung übergeben. Dieses Jahr wollen wir noch mehr Gelder generieren. Bei uns funktioniert das unabhängig vom Wetter. Die Ur-Luzernerinnen und -Luzerner kommen auch – wie man so schön sagt –, wenn es Katzen hagelt.

Die Organisatoren des Lozärner Altstadt Fäscht übergeben mit Stolz einen Check in der Höhe von 16'500 Franken an Beat Züsli, Präsident der Stiftung «Luzerner helfen Luzernern».

Die Organisatoren des Lozärner Altstadt Fäscht übergeben mit Stolz einen Check in der Höhe von 16’500 Franken an Beat Züsli, Präsident der Stiftung «Luzerner helfen Luzernern».

(Bild: zvg)

zentralplus: Also wurde das Luzerner Fest einfach zu gross und damit auch anfälliger für Probleme?

Benedetti: Ohne die Kostenstrukturen des Luzerner Fests zu kennen, ist es schwierig, hierzu eine Aussage zu machen. Das müssten Sie die Organisatoren fragen. Sicher ist aber, dass für die Organisation eines Anlasses dieser Grösse auch das Risiko steigt. Unter anderem wohl auch durch die massiven verkehrs- und sicherheitsbedingten Ausgaben, welche durch die Sperrung der Verkehrsachsen um die Seebrücke entstehen. Da muss vieles zusammenkommen, damit alles funktioniert. Klar, jetzt ohne Feuerwerk ist man einen grossen Schritt vom Gigantismus weggekommen. Unser Ziel ist es, die Fixkosten vom Altstadt Fäscht durch Sponsoren und Gönner zu decken. Dazu gehören auch die Musiker, die nur für ein Trinkgeld kommen. Etwa Phil Dankner, Willy Tell oder die Estella Benedetti & Michael G Band. Sie finden den Gedanken hinter unserem Fest sexy und sind bereit, für den guten Zweck mitzuarbeiten und zu unterstützen.

Phil Dankner kündigt seinen Auftritt an:

 

zentralplus: Wie ist das Zusammenspiel mit dem Luzerner Fest generell?

Benedetti: Wir sind dieses Jahr zu Gast am Luzerner Fest. Es ist ganz klar, würde nicht das Luzerner Fest mit der Stiftung und der Stadt hinter dem Event stehen, ginge das nicht. Man kann nicht zwei solche Feste gleichzeitig durchführen. Das Ziel beider Anlässe ist ja im Endeffekt das gleiche, diesen Nenner zu finden, war nicht schwer. Diesbezüglich ist die Zusammenarbeit sehr gut.

zentralplus: Aber?

Benedetti: Man muss bedenken, dass wir konsequent dafür schauen, dass wir eigenständig sind und auch so wahrgenommen werden. Wir haben unsere eigenen Sponsoren und wollen diesen auch offen und ehrlich kommunizieren, wo unser Gewinn hinfliesst. Dasselbe schulden wir auch all den Besuchern und Freunden vom Altstadt Fäscht. Das ist extrem wichtig für uns, wir können unseren «Rohdiamanten» nach dem Erfolg vom letzten Jahr nicht einfach im Luzerner Fest aufgehen lassen. Die Zusammenarbeit ist zukunftsgerichtet, freundschaftlich und einvernehmlich, das kann ich unterschreiben. Aber man kann auch realistisch zugeben, dass es, wenn zwei zusammenarbeiten, an gewissen Punkten Reibung entsteht.

zentralplus: Ihr Verein hat eigene Sponsoren und ist damit, wie man auf Facebook mitverfolgen kann, sehr erfolgreich. Macht ihr euch diese gegeneinander nicht streitig?

Benedetti: Überhaupt nicht. Wir sind eigenständig und die Zielgruppe unserer Sponsoringaktivitäten hat nichts mit den Geldgebern des Luzerner Fests zu tun. In der Regel sind das bei uns Menschen, die explizit den Gedanken des kleinen Festes unterstützen. Die Beiträge bewegen sich grossmehrheitlich zwischen 20 und 500 Franken.

«Gelingt es uns durch unser Engagement, dass sich das Luzerner Fest in die von uns gewünschte Richtung bewegt, haben wir unser Ziel erreicht.»

zentralplus: Ihr habt alle ein grosses Netzwerk, etwa als bekannte Fasnächtler. Das ist bestimmt hilfreich.

Benedetti: Wir sind Stadtbuben. Wichtig ist auch: Wir wollen unkompliziert und klein bleiben und auf gegenseitige Unterstützung im Sinne der Sache zählen können. Das spüre ich bei jedem Kontakt. Viele finden es «rüüdig verreckt», was wir machen. Wir konnten die Sympathie auf unsere Seite ziehen.

zentralplus: Als Helferteam hat das Luzerner Fest eine Guggenmusig aus dem Aargau angeheuert. Was sagen Sie dazu?

Benedetti: Ist das so? Naja, Guggenmusigen haben wir ja in Luzern leider keine. Und als Ehrenpräsident der Vereinigten darf ich das sagen. (Lacht) Aber in aller Ernsthaftigkeit: Helfer für ein Fest in der Grössenordnung und der Struktur des Luzerner Fests nur in der Stadt zu finden, ist wahrscheinlich schon schwierig. Dass das OK hier neue Wege geht und den Horizont erweitert, ist nur logisch. Ob das nun eine Guggenmusig oder ein Jassverein ist – sie helfen mit für den guten Zweck und das ist zu begrüssen.

zentralplus: Wie langfristig plant euer Verein?

Benedetti: Überhaupt nicht langfristig. Wir warten jetzt diese Ausgabe ab und gehen dann über die Bücher. Dass das Luzerner Fest die Herzrondelle wieder eingeführt hat, macht uns schon rüüdig stolz. Gelingt es uns durch unser Engagement, dass sich das Luzerner Fest in die von uns gewünschte Richtung bewegt, haben wir unser Ziel erreicht. Es wäre schön, wenn wir uns auflösen und im nächsten Jahr als Besucher an einem Luzerner Fest in der Altstadt teilnehmen könnten.

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