Kultur
Es fehlen 97'000 Franken

Zuger Lesebühne Satz & Pfeffer ist existenziell bedroht

Ob es im Elfensaal von Satz & Pfeffer auch künftig noch Lesungen gibt, steht in den Sternen. (Bild: Satz&Pfeffer)

Die Enttäuschung ist bei den Verantwortlichen spürbar. Nachdem die Lesebühne umgebaut worden ist, fliesst kein Geld vom Kanton an das Haus. Und dies, obwohl die Zeichen vor dem Umbau gut gestanden haben. Die fehlenden 97’000 Franken sind für Satz & Pfeffer existenzbedrohend.

Corona hat die Zuger Kultur durchgerüttelt. Alleine für das Jahr 2021 haben Zuger Kulturschaffende 122 Gesuche um Ausfallentschädigungen eingereicht. Die meisten davon wurden bewilligt (zentralplus berichtete).

Damit sie für die kommende Zeit gerüstet sind, haben viele Kulturhäuser während der Pandemie in die Zukunft investiert. So auch die Satz-&-Pfeffer-Lesebühne in Zug, welche vom Verein Liveliteratur betrieben wird. Michael van Orsouw, Liveliteratur-Vorstandsmitglied und selber Schriftsteller erklärt: «Durch die Pandemie wurde klar, dass unser Publikum mehr Platz braucht. Die engen Verhältnisse im Elfensaal waren nicht mehr zeitgemäss. Und daher haben wir den Umbau geplant.»

Anfänglich erhielt Satz & Pfeffer überall Unterstützung

Der geplante Umbau kostete 130’000 Franken. Viel zu viel für das kleine Haus in Zug. Und so suchte Satz & Pfeffer Unterstützung. «Wir haben Gespräche mit dem Amt für Kultur geführt. Dieses hat uns gesagt, dass für solche Vorhaben die sogenannten Transformationsprojekte gedacht sind», sagt Orsouw. 

Das Amt für Kultur half dem Verein, dieses Vorhaben als «Transformationsprojekt» einzureichen. In einem solchen Projekt werden pandemiebedingte Anpassungen finanziell unterstützt. Dabei erhalten Kulturhäuser Gelder, die nicht direkt aus Zug stammen. Nur 50 Prozent der Gelder kommen aus dem kantonalen Lotteriefonds, die restlichen 50 Prozent finanziert der Bund.

«Im Normalfall ist es so, dass eine Entscheidung einer politischen Kommission gilt.»

Michael van Orsouw, Vorstandsmitglied Liveliteratur

Das Amt für Kultur teilte mit, dass die Lesebühne mit 97’000 Franken rechnen könnte und überwies das Geschäft an die politisch zusammengesetzte Kulturkommission des Kantons. Auch diese bejahte das Geschäft. «Nachdem uns das Amt für Kultur und die Kulturkommission positive Zeichen zu diesem Antrag gesendet haben, gingen bei uns die Umbauarbeiten los», sagt Orsouw. Wände wurden herausgerissen, weitere Türen für den Brandschutz eingebaut und auch eine neue Lüftung hat der Elfensaal erhalten.

Der Umbau wurde also gestartet, obwohl der Verein Liveliteratur noch keine schriftliche Bestätigung zur finanziellen Unterstützung des Kantons hatte. «Wir sind das Risiko eingegangen, da die Zeichen eigentlich klar waren», erklärt Michael van Orsouw: «Im Normalfall ist es so, dass die Entscheidung einer politischen Kommission gilt. Sonst bräuchte es eine solche Fachkommission ja gar nicht.»

Plötzlich kommt der Schock

Die Bauarbeiten gingen bei Satz & Pfeffer voran, bei den Behörden stockte es allerdings. Auch nach Monaten war der Entscheid über den Beitrag an das Transformationsprojekt nicht auf dem Tisch. Wider Erwarten kam danach der Hammer für den Verein Liveliteratur – der Zuger Regierungsrat lehnte den Antrag ab.

zentralplus wollte vom zuständigen Regierungsrat Stephan Schleiss wissen, warum der Antrag abgelehnt worden ist. «Zu abgelehnten Gesuchen und seinen Beweggründen kommuniziert der Regierungsrat nicht; die Gesuchstellenden sind diesbezüglich natürlich frei», sagt er.

«Das wäre ein Verlust.»

Regierungsrat Stephan Schleiss über ein mögliches Aus der Lesebühne

Wie der Verein Liveliteratur erfahren hat, sei das Gesuch abgelehnt worden, weil der Regierungsrat die Umbauarbeiten nicht als Transformationsprojekt sehe. Trotz gegenteiliger Einschätzung des Amts für Kultur und der Kulturkommission. «Wir haben mit dem Regierungsrat Kontakt aufgenommen und wollten, dass dieser eine Wiedererwägung macht», sagt Orsouw. Auch dieses Begehren stiess beim Regierungsrat auf taube Ohren. Mehr noch: Trotz neuen Argumenten und einem Eventualantrag sei der Regierungsrat gemäss Aussage des Vereins gar nicht mehr auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten.

Steht die Lesebühne nun vor dem Aus?

Der Satz-&-Pfeffer-Lesebühne fehlen nun 97’000 Franken in der Kasse. Dieses Loch ist laut Orsouw existenzbedrohend. Er geht vom Schlimmsten aus: «Wenn wir das Geld nicht erhalten, müssen wir den Laden schliessen.» Betriebswirtschaftlich kann sich das Haus nicht alleine über Wasser halten. Die Vorleseshows sind nicht kostendeckend.

In der Pandemie hat der Verein selbst keine Unterstützung bekommen. Geld sei lediglich an die selbstständige Liveliteratin Judith Stadlin für ihre schweizweiten Auftrittsausfälle geflossen. 

Pro Jahr fliessen 10’000 Franken vom Kanton an die Lesebühne. Zum zehnjährigen Jubiläum des Kulturhauses gab es zusätzlich 5’000 Franken. Geld, welches der Kanton anscheinend gerne bezahlt hat. Denn Regierungsrat Stephan Schleiss betont gegenüber zentralplus die Bedeutung der Lesebühne: «Sie ist ein geschätzter Teil der Zuger Kulturszene und wird deshalb von der öffentlichen Hand auch regelmässig unterstützt.» Zu einer möglichen Schliessung von Satz & Pfeffer sagt Schleiss: «Das wäre ein Verlust.»

Verwendete Quellen
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