Kultur
Ein neues Wandbild entsteht im Maihofquartier

Hommage an den verstorbenen Thurry Schläpfer

Evelyne Walker arbeitet für das Wandbild nach Thurry Schläpfer tagelang durch. (Bild: Nique Nager)

An der Maihofstrasse wird renoviert. Aber nicht nur das. Auf dem Gerüst treffen sich Maler und Künstlerinnen, um einem verstorbenen Luzerner Künstler ein Denkmal zu setzen.

Auf ganzen 280 Quadratmetern wird an der Maihofstrasse gerade ein Bild von Thurry Schläpfer aufgezogen. Der Luzerner Künstler verstarb im Oktober 2019 im Alter von erst 60 Jahren.

Man kannte Thurry Schläpfer in der Stadt. Er war ein Original ganz ohne den Güüggali-Zunft-Stadtoriginal-Stempel. Stets unterwegs mit seinem «Schamanenvelo», zwitschernd, behängt mit Kette und Figürchen und mit seiner Kunst im Koffer.

Fabelwesen auf Pastell

Sein Stil war unverkennbar, wer einen «Schläpfer» sein eigen nennt, wird nie einer Verwechslung zum Opfer fallen. Er fotografierte, schrieb Texte, zeichnete hunderte, eher tausende von Bildern in winzigen, aber auch grossen Formaten. Welten, in denen seltsame Wesen, Göttinnen, Vögel und Fische sich begegnen. Traumlandschaften aus wenigen Strichen, hinterlegt mit hellen, feinkörnigen Wolken.

Thurry Schläpfer war stets mit seinem Velo unterwegs. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

«Smalltalk-behindert» nannte sich Schläper selbst. Oder «verhinderter Professor». Er doziere gerne, was die einen mögen würden, den anderen fürchterlich auf die Nerven gehe, sagte er. Entweder oder. «So ist es auch mit meiner Kunst. Die einen finden es toll, die anderen unsinnig.»  (zentralplus berichtete)

Man traf Schläpfer oft in den Beizen der Neustadt, Alkohol trank er dort aber nie. «Nur sein Hirn flackerte ab und zu und beflügelte die Erregungskurven seiner Intuition», schrieb Pirmin Bossart zum Abschied. Und Fotograf Emanuel Ammon sagte nach Schläpfers Tod zu zentralplus: «Er war einer der wenigen, die Farbe in diese Stadt brachten.»

Spontanes Kunstschaffen

Nun bringen Galeristin Evelyne Walker und der Maler Röbi Haas Schläpfers Farbe zurück in die Stadt. Das nach langer Suche gewählte Bild, entstanden im Jahr 2019, wird auf die Fassade der Maihofstrasse 8 gemalt.

Röbi Haas bei der Detailplanung. (Bild: Nique Nager)

Entstanden sei die Idee durch Zufall, erzählt Walker. Ein Anwohner hatte bei der Ankündigung des Umbaus angemerkt, dass es doch nett wäre, den Nachbarn an der leeren Fassade eine etwas attraktivere Aussicht zu bieten – ein Wandbild vielleicht. Als Evelyne Walker mit der Idee an die Bauherrschaft gelangte, war diese begeistert. Sie legte dem Bauherrn einige Portfolios lokaler Künstlerinnen vor, merkte jedoch an, dass ihr Favorit Thurry Schläpfer sei. Und was sie vorschlug, das gefiel.

«Wir gingen voll auf Risiko. Auch finanziell.»

Evelyne Walker, Initiantin des Thurry-Schläpfer-Wandbildes

Mit der Vorarbeit hätten sie schon begonnen, als die Bewilligung noch gar nicht stand. «Wir gingen voll auf Risiko. Auch finanziell», sagt Evelyne Walker. Von der Bauherrschaft werde ein Teil finanziert, für den Rest rief Walker eine Aktion ins Leben, bei welcher man Gönnerin des Wandbildes – sogar darauf verewigt – werden kann. «Ich vermisse lieb Thury», schreibt Walker auf dem Flyer der Aktion. Sie würden ihm ein Denkmal setzen wollen.

Grosser Aufwand, wenig Zeit

Das Team arbeitet nun unter Hochdruck, denn das Wandbild muss stehen, wenn die Baustelle das Gerüst nicht mehr braucht. Dann wird abgebaut – wahrscheinlich bereits in Kürze. Nun seien sie zu viert praktisch täglich bei der Arbeit.

Rob Nienburg, Verena Renggli, Evelyne Walker und Röbi Haas malen mit. (Bild: Nique Nager)

Neben dem technischen Projektleiter Röbi Haas und Evelyne Walker stehen dabei auch der Fotograf Rob Nienburg und eine Freundin von Walker, die Künstlerin Verena Renggli, auf dem Gerüst. Walker, die eine der ersten Frauen war, die in Luzern die Lehre zur Malerin absolvierte, traut sich jedoch nicht mehr ganz rauf. «Als junge Frau bin ich aussen an den Gerüsten hoch- und runtergeklettert, damit es schneller ging. Heute bleibe ich lieber auf den unteren Stockwerken.» Gerade sei sie aber das erste Mal seit fast zwei Wochen einen Tag zu Hause, die Arme erholen.

«Es ist eine riesen Kiste.»

Evelyne Walker

Um Schläpfers Kunst präzise auf die Wand zu bekommen, hat das Team ein aufwendiges altes Verfahren gewählt. Denn ein Projizieren des Bildes war aufgrund der Lage und und Grösse der Fassade nicht möglich. Also wurden 250 Blätter à einem Quadratmeter bemalt, dann gelocht, anschliessend mithilfe kleiner Kohlesäcklein auf die Wand übertragen. Auch der typisch pastellig gesprayte Hintergrund, den Schläpfers Bilder haben, wird übernommen, hergestellt mit Lasurtechnik auf mineralischer Basis. «Es ist eine riesen Kiste», sagt Walker.

Dass seit einigen Jahren vermehrt neue Wandbilder die Stadt Luzern schmücken, ist nicht zu übersehen. Am Kaufmannweg die Klimawandel-Rakete, am Neubad der Wal und für ein paar Monate durften der Abfall jagende Junge bei der Real, die Dame vom Himmelrich oder der Bär von der Bernstrasse ihre Quartiere verschönern. Und doch sind noch immer genug Wände leer, die man aufbrezeln könnte (zentralplus berichtete).

Das Bild nimmt Gestalt an. (Bild: Nique Nager)
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