Luzerner Kirchenkritiker Hans Küng stirbt mit 93 Jahren
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Hans Küng im Sommer 2013. (Bild: Stiftung Weltethos / Erich Sommer)

Weltweit bekannter Theologe Luzerner Kirchenkritiker Hans Küng stirbt mit 93 Jahren

2 min Lesezeit 3 Kommentare 06.04.2021, 18:12 Uhr

Der gebürtige Surseer Theologe Hans Küng ist 93-jährig gestorben. Seine Gedanken und Schriften fanden auf der ganzen Welt Beachtung.

Der Schweizer Theologe Hans Küng ist 93-jährig gestorben, wie seine Stiftung Weltethos mitgeteilt hat. Küng, einer grössten Kritiker der katholischen Kirche, lebte im deutschen Tübingen. Bekannt geworden war der aus dem Kanton Luzern stammende Küng, weil er die katholische Kirche und die Macht des Papstes vehement kritisierte.

Er war zunächst Seelsorger. 1960 wurde er Theologie-Professor in Tübingen. Später wurde er Berater von Papst Johannes dem XXIII., zusammen mit dem späteren Papst Benedikt dem XVI. 1979 liess ihm Papst Johannes Paul II. die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen, unter anderem, weil Küng die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifelte.

Ein für die ganze Welt relevanter Theologe

Hans Küng äusserte sich auch immer wieder engagiert und pointiert zur Ökumene und zum Zölibat, wie die Stadt Sursee in einem Nachruf schreibt. Der Entzug der Lehrerlaubnis hätten für Küng die «schlimmsten Monate seines Lebens» bedeutet. Küng sei der «berühmteste Sohn» der Stadt Sursee.

«Doch Hans Küng bleibt an der Universität Tübingen, als fakultätsunabhängiger Professor für ökumenische Theologie. Vor allem forscht und schreibt er weiter zu den grossen Fragen der Kirche, des christlichen Glaubens, der Religion und der Weltethik», heisst es in dem Nachruf weiter. «Seine Bücher erscheinen in vielen Sprachen und werden auf der ganzen Welt von Millionen Menschen gelesen.

Ein Leitgedanke von Küngs Arbeit lautete: «Kein Friede unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.» Unter diesem Credo initiierte er letztlich das Projekt «Weltethos». Laut der Stadt Sursee dienten Küngs Schriften und Gedanken auch nach dessen Tod weiterhin als Grundlage und Anleitung für das Zusammenleben in unserer globalisierten Welt. «Mit Hans Küng verliert die Welt eine gewichtige Stimme für den Dialog und für den Weltfrieden», so die Stadt.

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3 Kommentare
  1. Arturo Romer, 13.04.2021, 15:24 Uhr

    Mit Hans Küng verliert die Welt den grössten Theologen des 20. Jahrhunderts. Er hatte den Mut und die Intelligenz, die sogenannten absoluten Wahrheiten zu hinterfragen. Immer mit konstruktivem Geist und mit konstruktiver Absicht. Er war kein Ketzer. Er war ein grundehrlicher Forscher. Hans Küng war eine der wichtigsten Stimmen des weltweiten Friedens des 20. Jahrhunderts (siehe z. B. die Stiftung Weltethos). Die katholische Kirche bräuchte unbedingt noch viele mutige und intelligente Menschen wie Prof. Dr. Hans Küng. Leider ist sie im Mittelalter stecken geblieben. Die ganze archaische und menschengemachte Dogmatik wäre sehr kritisch zu hinterfragen. Die Welt braucht ohne Zweifel religiöse und ethische Werte. Doch diese Werte müssen dem Wissen, der Entwicklung, der Erfahrung und der Zeit (Jahr 2021) Rechnung tragen. Es gibt keine absoluten Wahrheiten! Dies sage ich als theoretischer Physiker, der an einen Schöpfer/höhere Macht glaubt. Die Physik musste ihr Wissen dauernd erneuern, korrigieren und ergänzen. Die Welt braucht unbedingt ethische Werte. Es braucht viel mehr als nur den puren Materialismus. Wir sind Materie und Geist! Doch im Laufe von 2000 Jahren haben sich das Wissen und die Werte sehr stark verändert und entwickelt. Ein wichtiges Beispiel: die Frauen sind Menschen wie die Männer. Sie haben die gleichen Würden und die gleichen Rechte. Dies hat die katholische Kirche (der Vatikan) noch immer nicht verstanden und noch immer nicht akzeptiert. Ignoranz? weltliche Macht? Fanatismus? Blindheit? Wann kommt endlich ein Papst mit Mut, Intelligenz und Weitsicht?

  2. Wolfgang Grundmann, 07.04.2021, 17:33 Uhr

    Herrn Hans Küng und seine immer wieder engagiert und pointiert zur Ökumene und zum Zölibat wurde von den Oberen der Katholischen Kirche nie richtig verstanden, oder nicht anerkannt. Darum wohl auch der Verlust der Professur in Tübingen. Seine Gedanken, über den Weltethos wird sich wohl erst im 2100 verwirklichen. wenn alle Menschen gleich in ihrer Religion sein werden. So lange wird die Katholische Kirche die Falschinterpretation der Bibel weiter verkünden. Die Werke wird die Kirche nicht dementieren können.

  3. Michel von der Schwand, 07.04.2021, 12:44 Uhr

    Ein weiteres Beispiel für den Inquisitions-Fetischismus des Vatikans. Unglaublich! Hans Küng war der Zeit voraus! Zölibat und die Unfehlbarkeit des Papstes sind der Schabernack der katholischen Kirche, welche Küng zu recht kritisierte.

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