Johnny Burn fühlt sich von Bank rassistisch behandelt
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Johnny Burn will Rassismus in der Schweiz ein Ende setzen. (Bild: Facebook/Johnny Burn)

«Zu wenig schweizerisch» Johnny Burn fühlt sich von Bank rassistisch behandelt

3 min Lesezeit 3 Kommentare 17.08.2020, 19:22 Uhr

Der Luzerner Komiker musste sich für ein neues Geschäftskonto auf der Bank ausweisen. Die Mitarbeiterin habe gefunden, er sehe «nicht wie ein Schweizer» aus und akzeptierte seinen Führerausweis nicht. Nun hofft er, anderen die Augen zu öffnen.

In einem emotionalen Facebook-Post hat sich der Luzerner Komiker Johnny Burn an seine Community gewandt. Letzte Woche habe er in einer Bank seine persönlichen Daten aktualisieren wollen, weil er ein Geschäftskonto eröffnen will. Dafür hatte er seinen Führerausweis dabei.

Doch die Mitarbeiterin am Schalter habe diesen nicht akzeptiert. Ihre Erklärung: «Es klingt etwas rassistisch, aber Sie sehen nicht aus wie ein Schweizer und ihr Name klingt auch nicht schweizerisch.» Mav Bun, wie Johnny Burn mit bürgerlichem Namen heisst, habe «einen Moment innehalten und meinen Unmut zur Seite packen» müssen, schreibt er. Schliesslich habe er die Angestellte gefragt, «ob denn ein amtlich beglaubigter Führerausweis bei einem noch mehr schweizerisch Aussehenden mit einem noch mehr schweizerischen Namen denn gereicht hätte». Die Frau habe daraufhin ihren Vorgesetzten gerufen.

«Dieser Vorfall, ist nur der Gipfel eines riesigen Matterhorns voller solcher Vorfälle davor.»

Johnny Burn

Mit dem Chef sei er schliesslich ins Büro gegangen. Nach einer Weile der Stille habe er sich «für den Fauxpas» entschuldigt und versichert, dass so etwas nicht mehr vorkomme. Bun war irritiert, da diese Entschuldigung voraussetzen würde, dass der Vorgesetzte über alles im Bild ist. «Mir dämmerte, dass es sich um eine Floskel handelte.» Er habe darum gebeten, dass die Schalterangestellte sich bei ihm entschuldige, doch der Mann habe nichts erwidert.

Es sei nicht das erste Mal, dass ihm so etwas passiere. «Dieser Vorfall, ist nur der Gipfel eines riesigen Matterhorns voller solcher Vorfälle davor», schreibt Bun. «Es ist die schiere Menge und die Konstanz solcher Vorfälle, denen ich und wohl jeder andere äusserlich nicht ‹typisch schweizerische› Mensch ausgesetzt ist – in denen wir systematisch benachteiligt werden und das einfach hinnehmen müssen. Immer wieder. Tag für Tag.»

«Es ist allein schon die ‹falsche› Hautfarbe, die es dir verwehrt, als ein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen zu werden.»

Johnny Burn

Solche Vorfälle hinterlassen auch bei Bun Spuren: «Ich war im Zug, als mir die Tränen kamen. Ich dachte daran, dass ich seit 41 Jahren hier lebe, hier aufgewachsen, zur Schule gegangen bin, studiert, unterrichtet, gearbeitet habe, all meine Geburtstage hier gefeiert habe. Aber dass ich offenbar trotzdem noch immer nicht Schweizer genug bin», schreibt er auf Facebook. «Und das Schlimme ist: Man kann selbst gar nichts dagegen machen. Es ist allein schon die ‹falsche› Hautfarbe, die es dir verwehrt, als ein gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft wahrgenommen zu werden.»

Er wolle nicht, dass seine Kinder so etwas durchmachen müssen. «Ich will, dass meine kleine Tochter einmal in der Kita lernt, was uns verbindet, anstatt darüber, was uns trennt. Ich will, dass mein Sohn, welcher heute seinen ersten Kindergartentag hatte, in einem Land aufwachsen darf, in dem es keinen Unterschied macht, ob jemand schwarz oder weiss oder grün ist.»

Liebe Freunde, Fans und alle die zu mir stehen, jetzt esch gnueg Heu donde!Ich war im Zug, als mir die Tränen kamen….

Gepostet von Johnny Burn am Montag, 17. August 2020

Auf seinen Post erhält Bun viel Zuspruch. Auch ein Mitarbeiter der Bank wollte sich bei dem Komiker entschuldigten – telefonisch. Er sei aber nicht dran gegangen, sagt Bun gegenüber «20 Minuten». Gemäss der «Luzerner Zeitung» hat er sich stattdessen mittlerweile mit dem CEO der Bank in Verbindung gesetzt. Um welche Bank es sich handelt, sagt er nicht.

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3 Kommentare
  1. Raymond, 18.08.2020, 22:58 Uhr

    Die Reaktion der Bankangestellten ist unmöglich und geht gar nicht. Ich weiss nicht was sich die Angestellte überlegt hat. Vermutlich nichts. Schade, dass der Name der Bank nicht genannt wurde.

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  2. Erwin Lussi, 18.08.2020, 13:08 Uhr

    Hallo Herr Bun
    Leider stossen Sie, wie viele andere Ihrer Hautfarbe, immer wieder an Grenzen.
    Leider ist diese Abwehr immer noch in der DNA der Leute drin.
    Aber :
    Wenn Sie seit 41 Jahren hier leben, hier aufgewachsen, zur Schule gegangen sind, studiert, unterrichtet, gearbeitet haben, all Ihre Geburtstage hier gefeiert haben sollten Sie eigentlich wissen, dass der Führerschein als Personalausweis nicht erste Wahl ist.
    Weisen Sie sich doch in Zukunft mit der Schweizer-ID oder dem Schweizerpass aus, dann ist jede Diskussion überflüssig.
    Mit weiser Voraussicht kann man im Leben, egal welcher Hautfarbe man ist, manchen Konflikt gar nicht entstehen lassen.

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  3. CScherrer, 18.08.2020, 13:04 Uhr

    «Es klingt etwas rassistisch, aber Sie sehen nicht aus wie ein Schweizer und ihr Name klingt auch nicht schweizerisch.» Ende Zitat. Diese Äusserung – sollte diese tatsächlich so gemacht worden sein – ist nicht nur dumm sondern geht in keinester Art und Weise.
    In der Schweiz besteht weder eine Ausweispflicht noch eine Mitführpflicht, d. h. niemand muss eine Identitätskarte oder einen Pass besitzen oder bei sich tragen. Schaut man sich bei den Banken etwas um, bemerkt man, dass man Online ein Geschäftskonto eröffnen kann. Verstehe also nicht ganz, warum die Bank so kompliziert ist. Service- und Dienstleistungsqualität sieht tatsächlich vollkommen anders aus.
    Auf den schön designte Webseiten wollen uns Unternehmen von ihren Werten und Kultur überzeugen. In der Realität aber sieht es ganz anders aus.
    Gegen diesen latenten Rassismus und diese latente Diskriminierung ist entscheiden vorzugehen. Und bleibt die unbeantwortete Frage nach dem Namen der Bank.
    Wer mit prallen Eiern entschieden gegen solche Diskriminierungen vorgehen will, nennt das Ding beim Namen.

    Dennoch wäre es nett, wenn der Name der Bank genannt würde. Solche Diskriminierungen anzuprangern kann jeder. Die Eier dafür haben, dass dies nun endlich aufhört die Wenigsten.

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