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Hilfswerke mit Lob und Schelte für Glencore
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Hauptsitz von Glencore in Baar: Der Rohstoffkonzern erscheint in 30'000 Dokumenten der Paradise Papers. (Bild: pbu)

Ungenügende Note für die Zuger beim Luftschutz Hilfswerke mit Lob und Schelte für Glencore

3 min Lesezeit 27.11.2018, 13:34 Uhr

Die Schweizer Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» stellen in einem neuen Bericht fest, dass sich die Trinkwasserqualität im Umfeld einer Glencore-Mine im Kongo verbessert hat. Beim Schutz der Atemluft gebe es aber immer noch gravierende Mängel. Die Organisation zählt nun auf das Schweizer Stimmvolk. 

Für Joseph Ilunga* ist der Fall klar: «Es hat zu viel Staub in den Strassen». Der Krankenpfleger arbeitet in einem Gesundheitszentrum von Musonoi, einem Quartier der kongolesischen Minenstadt Kolwezi. Vor allem in der Trockenzeit behandelt er viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. So beschreiben die Hilfswerke «Fastenopfer» und «Brot für alle» die Zustände im Umfeld einer Mine des Zuger Rohstoffgiganten Glencore.

Auch die Quelle der Luftverschmutzung haterschnell identifiziert. «Es sind die vielen Lastwagen», die auf den unbefestigten Strassen zur nahe gelegenen Kamoto Copper Company (KCC) rollen. Die Kupfer – und Kobaltmine KCC gehört dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore mit Sitz in Baar.

Schadstoffmessungen von Fastenopfer und Brot für alle bestätigen die Wahrnehmung des Gesundheitspersonals von Musonoi. Ende Mai 2018 lag die
Staubbelastung im Quartier und im nicht weit entfernten Luilu zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Zufahrtsstrassen zur Mine sogar bei 500 Mikrogramm. Der Tagesmittel-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

Wiederholte Bodenverschmutzung

Die hohe Staubbelastung ist nur eines der Probleme im Umfeld von KCC und Mutanda Mining (MUMI), der zweiten grossen Glencore-Mine im Südosten der DR Kongo. In den letzten Jahren seien Felder von Bauern und Bäuerinnen in der Nähe der Minen wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt worden, so die Hilfsorganisationen. 

Glencore habe auf Druck von Partnerorganisationen  Opfer für den Ernteausfall entschädigt. «Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden,» monieren die Hilfswerke. Zudem habe Glencore die genaue Zusammensetzung der ausgelaufenen Substanzen in zwei Fällen nicht publik gemacht.

Erfreuliche Fortschritte erzielt

Die jüngste Studie ist der vierte Bericht der beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen über die Tätigkeit von Glencore in der DR Kongo seit 2011. Im Vergleich zum letzten Report von 2014 sind auch Fortschritte festzustellen.

So habe Glencore das Einleiten von Abwässern aus der Mine KCC in den Fluss Luilu inzwischen unterbunden. Und für einen Teil der BewohnerInnen des Quartiers Luilu sein ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt worden. «Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung hat Glencore verbessert», loben die Organisationen.

Konzernverantwortungs-Initiative als Ansporn?

«Trotz dieser Fortschritte macht der jüngste Bericht klar, dass Glencore in der DR Kongo seine Sorgfaltspflicht nur unvollständig wahrnimmt», kritisieren die Hilfswerke. Ausmass und Zahl der Luft- und Bodenverschmutzungen seien nach wie vor hoch.

Zudem habe der Konzern in einigen Fällen seine Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zuerst nicht anerkannt und erst auf anhaltenden Druck der lokalen Partnerorganisationen von Fastenopfer und Brot für alle Verbesserungen in die Wege geleitet.

«Erneut wird damit deutlich, dass freiwillige Massnahmen von Konzernen nicht genügen. Ohne den Druck von Nichtregierungsorganisationen und aus der Zivilgesellschaft geschieht wenig», beklagen die Organisationen. Probleme würden oft nur zögerlich angegangen und künftige kaum verhindert.

«Eine verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht, ist deshalb absolut notwendig», so die Botschaft an die Stimmbürger in der Schweiz. Nur so liesse sich die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Schweizer Unternehmen im Ausland konsequent einfordern.

Glencore nimmt Stellung

«Wir haben den jüngsten Bericht von Brot für alle und Fastenopfer zur Kenntnis genommen», sagt Sarah Antenore von Glencore in Baar. Enttäuscht habe man festgestellt, dass die Autoren weitgehend darauf verzichtet hätten, auf die Informationen Bezug zu nehmen, die Glencore ihnen bei mehreren Gelegenheiten bereitgestellt haben.

Glencore sei seit 2008 in der Demokratischen Republik Kongo vertreten und engagiere sich dafür, das Land bei seinem nachhaltigen Wirtschaftswachstum zu unterstützen. Antenore: «Seit 2007 haben wir signifikante Investitionen im Umfang von über 6,5 Milliarden US-Dollar vorgenommen, um Altlasten zu beseitigen und unsere betrieblichen Kapazitäten auszubauen und zu verbessern. In unseren Betrieben in der Demokratischen Republik Kongo sind fast alle Stellen mit kongolesischen Staatsangehörigen besetzt.»

Glencore unterstütze lokale Unternehmen, generiere beträchtliche Umsätze für lokale, regionale und nationale Regierungen und trage zur Entwicklung lokaler Infrastrukturen bei. «Mit unseren sozialen Investitionen unterstützen wir Bildungsangebote, Infrastrukturprogramme, Gesundheits- und Wasserinitiativen», so Antenore.

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