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Heisere Mickey Mouse und weisser Prince sorgen für heisse Party
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Will alle kennenlernen: Macy Gray am Samstag im Luzerner KKL. (Bild: hae)

Macy Gray betört am zweiten Blue-Balls-Abend Heisere Mickey Mouse und weisser Prince sorgen für heisse Party

3 min Lesezeit 23.07.2017, 09:57 Uhr

Kaltes Donnerwetter draussen, heisses Funk-Feuerwerk drinnen. Nach eher beschaulichem Eröffnungstag wurde das Blue Balls am Samstag richtig entflammt: Macy Gray sorgte mit berückendem Radiohead-Cover für grosse Gefühle, und auch Jamie Lidell liess die Fans tüchtig abtanzen. So muss ein Abend sein, dass man zufrieden nach Hause geht. Sogar durch überflutete Strassen …

Das Blue-Balls-Festival leidet unter Wetterpech, am Freitag ging der Sturm um 19 Uhr los, am Samstag um 22 Uhr. Gut, können wenigstens die Indoor-Feuerwerke des KKL in prächtigen Farben leuchten. Macy Gray, schwarze Diva im langen Schwarzen, hatte ein Leichtes, die rund 1200 Erschienenen in Stimmung zu bringen.

Mickey-Mouse-Stimme

Grays Band spielte wie aus einem Guss, war auch optisch eine Einheit: alle in frechen Burberry-Anzügen. Da störte man sich für einmal an ihrer gewöhnungsbedürftigen Stimme nicht allzu sehr: Schwächer als auch schon kam ihr heiserer Gesang – oft als Mickey-Mouse-Stimme verhöhnt – daher.

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«Ich will euch alle kennenlernen. Schreit mir auf drei laut Euren eigenen Namen entgegen. Eins, zwei, drei!»

Macy Gray, R&B-Sängerin

Was die Amerikanerin ihren Konkurrentinnen voraus hat: Sie kann ihr Publikum bestens animieren, etwa indem sie zur Begrüssung alle aufforderte: «Ich will jeden von euch kennenlernen. Schreit mir auf drei laut Euren eigenen Namen entgegen. Eins, zwei, drei!»

Kann ihr Publikum bestens animieren: US-Sängerin Macy Gray.

Kann ihr Publikum bestens animieren: US-Sängerin Macy Gray.

(Bild: hae)

Individualität und Selbstbewusstsein, das sind Themen, die Gray beschäftigen. Im Video zum neuen Song «White Man» geht’s auf berührende Weise um die Spannungen zwischen den Ethnien und Macy Grays Unwohlsein im modernen Amerika. 

Hier zeigt Macy Gray einen Tanz über die Kulturschranken hinweg:

Das kam gut an und wurde gefeiert, während andere R&B-Stars wie Lauryn Hill sich querlegen und verlauten lassen, dass sie lieber sterben würden, als davon zu leben, dass Weisse ihre Musik kaufen. Macy Gray hat da keine Berührungsängste, sie nimmt es auch locker, dass der Höhepunkt des Abends eine berührende Version von Radioheads «Creep» ist. Der Song dieser – weissen – Band wurde tüchtig mitgesungen und gefeiert.

Jamie Lidell rollt Tanzparkett aus

Politisch blieb der Abend also zum Glück unbedarft. Dafür gab es umso mehr zu tanzen. So rollte der Brite Jamie Lidell (43) mit seiner Band gleich mal den Tanzparkett aus. Als dem Keyboarder gegen Ende vor lauter Spielfreude fast sein Örgeli vom Sockel knallte, kam mächtig Stimmung auf. Die superknackige Band durfte sich funky ins Zeug legen, und Lidell, der auf Brillen-Nerd im schwarzen Fast-Pyjama machte, heizte so ein, wie man es sich von ihm früher gewohnt war.

Nerd mit Brille und Fast-Pyjama: der Brite Jamie Lidell, fast Prince-Erbe. 

Nerd mit Brille und Fast-Pyjama: der Brite Jamie Lidell, fast Prince-Erbe. 

(Bild: hae)

Jamie Lidell war vor ein paar Jahren noch auf der Überholspur, der neue Prince zu werden. Sein elektro-lastiger Funk machte die Industrie weltweit nervös, Eric Clapton und Paul McCartney holten ihn ins Studio, man legte ihm Millionenverträge vor.

Doch Lidell ging in sich, wurde Vater – und singt heute vermehrt tiefgreifenden Soul. Das macht er wunderbar mit betörender Stimme, denn hier kann er seine Seele entblössen. Stevie Wonder oder Marvin Gaye stehen heute Pate.

Prince-Erbe in weiter Ferne

Doch das Prince-Erbe ist in weite Ferne gerückt. Denn der vor einem Jahr verstorbene und sehr vermisste «Sexy Motherfucker» (so heisst einer seiner Songs) hatte allein im Zeigefinger mehr Musikalität als alle seine Epigonen. Daran rüttelt so manches Gewitter in keiner Weise.

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