Gesellschaft
30'000 Menschen machen schweizweit mit

Kurioser Trend: Bunte Steine erobern den Kanton Zug

Über 800 Steine haben Eveyln und Stefan Truttmann bereits bemalt und verteilt. (Bild: zvg)

Im ganzen Land bemalen und verstecken Menschen derzeit Steine. Zusammengeschlossen sind sie in der Facebook-Gruppe «CH rocks original», die innerhalb von knapp drei Monaten auf über 30’000 Mitglieder angewachsen ist.

Wie ein Lauffeuer breitet sich das neue Hobby aus: Um anderen Menschen eine Freude zu machen, bemalen nun auch Zugerinnen und Zuger Steine und legen diese in die freie Natur. Wer einen findet, darf ihn behalten – und mitmachen. Auf der Unterseite der Steine wird auf die Facebook-Gruppe verwiesen, wo sich Gleichgesinnte treffen und Bilder ihrer Werke austauschen.

«Ich wurde von einer Freundin in die Gruppe eingeladen. Sie wusste, dass ich sowieso gerne kreativ arbeite», erzählt Madeleine Fischer aus Unterägeri, die auch zu den begeisterten Steinemalerinnen gehört. «Die Idee, mit den Steinen etwas Farbe in die Welt zu bringen und Leute zum Lächeln zu bringen, hat mir sofort gefallen. Also habe ich gleich am Bach einige Steine geholt und mit der Farbe, die ich noch vom Maskenbau hatte, losgelegt.»

«Wenn ich den Stein loslasse, denke ich daran, dass das nächste Mal, wenn er angefasst wird, ziemlich sicher ein Mensch lächelt.»

Madeleine Fischer

Bisher habe sie immer nur mit Bleistift und Kugelschreiber gearbeitet. «Irgendwie war dann aber mein Kopf immer so leer wie das Blatt Papier. Bei den Steinen ist es anders ... Schon beim Sammeln habe ich Ideen, was darauf passen würde», so Fischer. «Ich male alles auf die Steine, was ich auch gerne finden würde. Von Drachen über Wichtelchen, Tiere und Muster. Manchmal scrolle ich auch durch Pinterest und lasse mich inspirieren.»

Steine werden so platziert, dass sie auch gefunden werden

Selber gefunden hat Fischer bisher zwei Steine. «Aber erst, als ich schon fleissig selber verteilte. Ich lege meine Steine meist gut sichtbar ab. Auf Bänken, Hydranten oder Bordsteinen.» Manchmal auch extra auf Schaukeln oder Ähnlichem – für die Kleinen.

Einige habe sie auch schon für liebe Menschen gemalt und ihnen bewusst vor die Tür gelegt. «Wenn ich den Stein loslasse, denke ich daran, dass das nächste Mal, wenn er angefasst wird, ziemlich sicher ein Mensch lächelt. Ich mag diesen Gedanken.»

Begonnen hat es mit einer Ferienreise in Florida

Ins Leben gerufen wurde die Facebook-Gruppe «CH rocks original» von Evelyn und Stefan Truttmann. Die beiden hatten im letzten April in Florida einen kleinen, mit einer Blume bemalten Stein gefunden. Auch dieser hatte einen Hinweis auf eine Facebook-Gruppe auf der Rückseite. Als sie aus den Ferien zurückkamen, wollten sie in der Schweiz etwas Ähnliches machen. Sie legten mit gut 250 Steinen los.

«Und ja, wir sind völlig überrascht worden», sagt Evelyn Truttmann zu dem grossen Erfolg. «Wir waren uns nicht sicher, ob das in der Schweiz auch funktionieren wird, der Schweizer ist ja doch sehr anders als der Amerikaner. Das «überrascht» steht für uns aber ganz klar im positiven Sinn. Wir hören, lesen, erfahren so viele unendlich schöne Geschichten und Ereignisse – wir hätten nicht im Traum daran gedacht, dass die Nebeneffekte so gross, berührend, positiv sind.» Offenbar habe man einen Nerv der Zeit getroffen.

Jemandem eine Freude zu machen, tut gut

Das Bemalen der Steine vereine vieles: «Man geht raus in die Natur, um Steine zu suchen, sie aber auch später wieder auszuwildern. Wenn man malt, ist man sehr bei sich und mal nicht am Handy.» Viele schreiben, dass es ihnen guttut.

Ein Gegentrend zur Digitalisierung sei die Bewegung aber kaum. Zumal ein Anteil ja klar digital ist, nämlich der Erfahrungsaustausch und die Fundmeldungen auf Facebook.  

Das Paar hat inzwischen über 800 Steine bemalt. Evelyn Truttman selber ist bislang in der Schweiz noch auf keinen Stein gestossen. «Aber Stefan, mein Mann, hat einen gefunden, als er selber einen deponieren wollte. Genau an dem Örtchen, wo er seinen ablegen wollte und das dann auch tat. So war es quasi ein Tausch.»

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