Freerider aufgepasst: Jetzt lockt der Neuschnee, doch die Gefahr ist gross
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Auch bei erheblicher Lawinengefahr liegen viele Skitouren drin – Erfahrung, Vorsichtsmassnahmen und eine gute Spuranlage vorausgesetzt. (Bild: Fabian Duss)

Schneefall birgt seine Tücken Freerider aufgepasst: Jetzt lockt der Neuschnee, doch die Gefahr ist gross

3 min Lesezeit 15.01.2021, 19:01 Uhr

Seit Donnerstag schneit es in Luzern und Zug beinahe ununterbrochen. Damit steigt auch die Lawinengefahr in der Zentralschweiz beträchtlich. Wer fernab der Pisten Skifahren geht, muss an diesem Wochenende besonders aufpassen.

Während Stunden schneite es in der Zentralschweiz beinahe ununterbrochen. Berge, Hügel, Täler und gar Städte wie Luzern und Zug versanken im weissen Zauber. Während er am Freitagmorgen noch für Chaos auf den Strassen sorgte, dürfte er am Wochenende zwar für viele ein Plausch im Freien werden, doch auch für eine massive Lawinengefahr sorgen.

Neuer Schnee trifft auf alten Schnee

Célia Lucas, Lawinenwarnerin am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) erklärt auf Anfrage: «Wir haben die Situation, dass eine neue Schneeschicht auf eine alte trifft. Und da die alte Schneeschicht optimal als Grundlage für eine Lawine dient, ist nun höchste Vorsicht geboten.» Auch in den Kantonen Luzern und Zug gilt derzeit grösstenteils die Warnstufe drei, also eine erhebliche Lawinengefahr.

«In den letzten Tagen kam es häufig sogar dazu, dass sich eine Lawine von selbst – also ganz ohne menschliche Einwirkung – löst», erklärt Lucas weiter. Zumindest diese Gefahr soll sich aber bis zum Wochenende hin wieder etwas reduzieren: «Sobald der Schneefall bis spätestens am Abend komplett nachlässt, werden Lawinen nur noch sehr vereinzelt von alleine ins Tal schlittern», führt sie aus.

Keine Entwarnung fürs Wochenende

Als Entwarnung ist das aber auch fürs Wochenende nicht zu verstehen: «Klar ist: Die Lage bleibt gefährlich, auch bei schönem Wetter.» Dies, weil Lawinen bei den aktuellen Bedingungen sehr einfach von Tiefschneefreudigen ausgelöst werden können.

Die Lawinenwarnerin empfiehlt deshalb Unerfahrenen das Winterwunderland am Wochenende besser auf der Skipiste oder gesicherten Winterwanderwegen am Zugerberg, Pilatus oder im Sörenberg zu geniessen. Wer sich dennoch fernab der Piste vergnügen will, brauche unbedingt eine entsprechende Ausrüstung. Dazu gehöre etwa ein Lawinenverschüttungsgerät, eine Sonde und eine Lawinenschaufel.

Grundsätzlich gilt aber: «Für die Einschätzung des Risikos auf Lawinenniedergänge an Hängen braucht man viel Erfahrung», so die Lawinenwarnerin. Häufig würden Lawinen nämlich schneller ausgelöst, als es sich so manche Skifahrerin vorstellen könne.

Derzeit ist dem SLF noch unbekannt, zu wie vielen Lawinenniedergängen es in den letzten Tagen kam, während Schnee fiel. «Wenn das Wetter nun wieder besser wird, zeigt sich, wo und wie viele Lawinen ins Tal gerasselt sind», heisst es. Es ist aber bereits eine grosse Anzahl von spontanen Abgängen bekannt.

Das aktuelle Lawinenbulletin. (Bild: Screenshot SLF)

Das tragische Unglück von 1970

In Luzerns Vergangenheit kam es schon zu mehreren Lawinenunglücken, die ihre Todesopfer forderten – und nicht nur in Skigebieten. Eines der tragischsten Beispiele: Die Lawine am Pilatus im Jahr 1970. Vier Tote und drei Verletzte hat das Unglück gefordert. Es handelte sich dabei um Männer, die am Pilatus ihre Arbeit verrichteten. Drei der Todesopfer konnten kurz nach dem Unglück ausgegraben, ein viertes erst nach 43 Tagen gefunden werden.

Lawinen – massive Schneemassen, die oftmals unterschätzt würden. Am kommenden Wochenende wird das gute Wetter so einige in die Höhe ziehen, um Spass und Vergnügen im weissen Schneegetümmel zu geniessen. Und wer sich gut vorbereitet und auskennt, dürfte sich auch ohne grossen Bedenken in den Schnee stürzen. Doch besonders am kommenden Wochenende gilt der Grundsatz wieder: Lieber einen Hang weniger in Angriff nehmen als einer zu viel.

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