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Er taucht in den Tümpeln nach den verlorenen Golfbällen
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Golfballtaucher Röbi Hari lässt sich die Laune trotz vorerst magerer Ausbeute nicht vermiesen. (Bild: sib)

Mit dem Pionier auf Tauchgang in Zug Er taucht in den Tümpeln nach den verlorenen Golfbällen

6 min Lesezeit 1 Kommentar 08.09.2019, 12:02 Uhr

Röbi Hari war der erste Golfballtaucher der Schweiz. Inzwischen steigt er seit zehn Jahren in die Tümpel der Nation, immer auf der Suche nach dem «weissen Gold». Wir haben ihn auf dem Golfplatz Holzhäusern begleitet.

Langsam taucht Röbi Hari aus dem Wasser auf. Der Kopf im schwarzen Taucheranzug ist immer noch bedeckt mit Seerosenblättern und Algen. Er nimmt den Atemregler raus: «Ich komme fast nicht vorwärts, so viele Seerosen hat es hier. Und wahnsinnig ergiebig ist es auch nicht», konstatiert er.

Röbi Hari ist seit fast zehn Jahren Golfballtaucher. In der Schweiz war er der Erste seiner Zunft. Inzwischen sind einige wenige seinem Beispiel gefolgt. In den USA ist es längst ein ungleich grösseres Geschäft und auch ein anerkannter Berufszweig.

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Röbi Hari mit seiner Ausbeute.

Hari taucht auf den verschiedensten Schweizer Golfplätzen ab. Da Wasserhindernisse zumeist fester Bestandteil eines Golfplatzes sind, hat er die Qual der Wahl. An diesem nasskalten Augusttag macht er seine Aufwartung auf dem Golfpark Holzhäusern und hofft auf viel «weisses Gold», wie die Bälle im Jargon genannt werden. Zuletzt war er vor knapp eineinhalb Jahren hier. Manche Golfplätze besucht er mehrmals pro Jahr.

Um halb vier Uhr aufgestanden

Getreu dem Motto «der frühe Taucher fängt den Ball», beginnt der Adelbodner seine Arbeit bereits vor sieben Uhr morgens. Aufgestanden ist er um halb vier. «Ich will den Golfern möglichst nicht ins Gehege kommen», erklärt er. Kommt es doch einmal zu einer Begegnung und der Taucher ragt plötzlich aus dem Tümpel, würden die Leute meistens mit einem Lächeln reagieren.

«Ich habe die Augen oftmals geschlossen.»

Röbi Hari, Golfballtaucher

Hari zwängt sich in seinen Trockentaucheranzug, um schön warm zu bleiben. Dann brausen wir mit dem Caddy auf den Platz hinaus. Teich Nummer eins wird angesteuert. Eine bleierne Wolkendecke hängt über dem saftigen Grün. Nieselregen hat eingesetzt. Von Golfern hat es für ein Mal keine Spur heute, obwohl die Holzhäusern eine äusserst rege frequentierte Golfanlage ist. «Normalerweise sind sie hier schon frühmorgens unterwegs, heimgesucht von der senilen Bettflucht», flachst Hari.

Kein Durchblick unter Wasser

Handschuhe, Flossen und Taucherbrille angezogen und schon geht es rein ins übel riechende Nass. Tritt man nahe genug ans Wasser heran, trifft einen der Gestank des stehenden Gewässers mit voller Wucht. Hari macht dies nichts aus. Allzu tief ist der Tümpel nicht, Sauerstoffflasche und Hinterkopf bleiben meist über der Wasseroberfläche. Ab und an spritzt es auf, wenn Hari mit den Flossen auf dem Wasser aufschlägt. Auf der Suche nach den Bällen muss sich der 52-Jährige auf seinen Tastsinn verlassen, denn mit Sehen kommt man hier nicht weit. Zu trübe ist das Wasser. «Ich habe die Augen oftmals sogar geschlossen», verrät Hari.

Hari in Aktion:

«Am besten erhalten sind jene Bälle, welche unter einer Schlick- und Algenschicht begraben sind, da sie so vom Sonnenlicht geschützt sind», erklärt der passionierte Golfer. Als Golfer fand Hari auch zu seinem exklusiven Nebenjob: «Als ich in Thun am spielen war und einen Ball in den Teich schlug, ärgerte ich mich. Ich fragte die Betreiber, ob ich hinabtauchen und ihn rausfischen dürfe.» Er durfte. Ein paar Tage später fischte Hari, der auch als Tauchlehrer arbeitet, nicht bloss seinen Ball heraus, sondern zahlreiche weitere. Eine Geschäftsidee war geboren.

Blick für die Ballqualität

Inzwischen hat er auch in Holzhäusern rund 40 Bälle gefunden, sammelt sie in einem an der Tauchausrüstung befestigten Netz. Doch was man für eine stolze Ausbeute halten könnte, stellt Hari nicht zufrieden. «Normalerweise finde ich in zehn Minuten so viele Bälle wie hier in einer Stunde», stellt er fest.

«Ich bin im Wasser auch schon eingeschlafen.»

Hari erkennt auf den ersten Blick, welche Bälle etwas taugen und welche «Billigware» sind. Dies erleichtert das anschliessende Sortieren. Über die Hälfte des «weissen Golds» kann er wiederverwenden. Er reinigt die Bälle zu Hause in einer speziellen Waschmaschine mit kreisenden Bürsten, damit sie wieder weiss erstrahlen. Hari verkauft die Bälle anschliessend sowohl in seinem Sportgeschäft in Adelboden als auch im Internet. Zwischen 20 Rappen und 2.50 Franken kostet ein Occasions-Golfball. Ein neuer Ball hingegen kann bis zu zehn Franken kosten.

Insidertipps von den Platzwarten

Hari lädt die Bälle von den mit Wasserpflanzen behangenen Netzen in Plastikkisten um. Dann geht es mit dem Caddy zum nächsten Teich. Doch im Gewässer bei Loch elf trifft Röbi Hari einzig auf ein paar Frösche. Er schüttelt den Kopf. Die Sauerstoffflasche ist schon beinahe zur Hälfte leer. Geht es so weiter, wird dieser Besuch auf einem der grössten Golfplätze der Schweiz zum Reinfall.

Nach einem Besuch im Teich ist Hari optisch fast ein Teil davon.

Immer wieder kommt Hari mit den Greenkeepern ins Gespräch, holt sich Tipps, wo die verborgenen Schätze lagern könnten. «Ihnen bringe ich manchmal eine Kiste Nussgipfel vorbei, wenn ich auf den Platz komme. Sie leisten vom frühen Morgen bis am Abend harte Arbeit und verdienen als Landschaftsgärtner nicht besonders viel», erzählt er.

Nachfolgerin steht schon bereit

Die Platzwarte schleusen uns in den hintersten Zipfel des Golfplatzes. Es regnet inzwischen in Strömen – für Hari kein Problem, dank seines Trockenanzugs sind Nässe und Kälte für ihn kein Thema. Bei diesem Tümpel sollen die Bälle regelmässig im Nass landen, wird uns versichert. Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit im Wasser taucht Hari auf und konstatiert: «Ok, jetzt läuft’s endlich.»

«Es ist keine schöne ‹Büez›.»

Er lässt sich nun Zeit, fischt Ball um Ball heraus, bis zwei, bald drei Netze voll sind. Er ist in der Regel mehrere Stunden auf einem Golfplatz unterwegs. Meist alleine, ab und zu ist seine Tochter dabei. «Auch sie ist Taucherin und macht ihre Sache schon sehr gut», sagt Hari. Alleine habe das Golfballtauchen etwas sehr Entschleunigendes an sich. Hari sagt lachend: «Ich bin im Wasser auch schon eingeschlafen.»

Auch schon ein Golfset gefunden

In der Regel fischt Hari ein paar Hundert Bälle heraus. Bälle, die sonst ewig auf dem Grund liegenbleiben würden. Auch heute bewegt sich die Ausbeute im dreistelligen Bereich. Andere Gegenstände sind dieses Mal nicht darunter. In der Vergangenheit fand Hari auch schon Fähnchen und Schläger in den Teichen, einmal gar ein ganzes Golfset.

Der Taucheranzug ist übersät mit Wasserpflanzen und Schlick und Röbi Hari kommt nach über vier Stunden langsam zum Abschluss. «Es ist keine schöne ‹Büez›», sagt er. Es ist inzwischen beinahe Mittag. Einige Unentwegte trotzen mittlerweile dem Wetter und wagen sich für eine Runde in den Regen. Für Röbi Hari bedeutet dies, dass ihm auch in Zukunft die Arbeit auf den Golfplätzen nicht ausgehen wird.

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1 Kommentare
  1. Gusti Pollak, 08.09.2019, 12:22 Uhr

    Wenn es noch mehr Golfer, Golfplatzteiche und Golfballtaucher gibt, ist das dann Wirtschaftswachstum oder eher wachsdumm ?