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Eine gute Idee ist noch keine Innovation
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2014 gewann die Firma Carag AG aus Baar den Zuger Innovationspreis für ein revolutionäres Herzimplantat. Der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (r.) übergibt symbolisch den Preis von 20'0000 Franken. (Bild: PD)

Wie innovativ ist die Zuger Wirtschaft? Eine gute Idee ist noch keine Innovation

6 min Lesezeit 12.08.2015, 12:54 Uhr

In Zug tut sich zwar einiges punkto Innovationsförderung. Es gibt zwei Preise für erfinderische Unternehmen, der Kanton beteiligt sich ausserdem am neuen Programm «Zentralschweiz innovativ». Doch das Interesse hält sich in engen Grenzen, die Bemühungen laufen oft ins Leere. Nun erhofft man sich einen neuen Innovationsschub.

Punkto Innovationsförderung ist Zug klein aber fein. Es gibt funktionierende Wirtschafts-Netzwerke und ein dynamisches internationales Umfeld, man redet miteinander. Doch wie innovativ ist die Zuger Wirtschaft? zentral+ sprach mit einigen Zugern, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen. Martina Böhm ist Geschäftsführerin des Technologie Forums Zug und Innovationscoach (siehe Kasten). In diesem Netzwerk sind 125 Zuger Firmen zusammen geschlossen. «Wer überleben will, muss heute innovativ sein», sagt Böhm. Eine gute Idee, stellt sie klar, sei noch keine Innovation. Erst wenn die Anwendung dieser Idee – das Produkt, die Dienstleistung, das Verfahren – sich am Markt bewähre und einen Mehrwert generiere, könne man von «Innovation» sprechen.

KMU das Rückgrat der Zuger Wirtschaft

Böhm beantwortet die eingangs gestellte Frage indirekt: «Wer die beiden Frankenschockwellen von 2010 und 2015 überlebt hat, muss innovativ sein.» Viele Firmen stünden momentan in einem harten Wettbewerb. Personalabbau im grösseren Stil sei jedoch nicht geschehen. Grosse Firmen wie Roche Diagnostics seien weiterhin auf Wachstumskurs. «Das beweist, dass sie innovativ sind», sagt die Geschäftsführerin. Das Rückgrat der Zuger Wirtschaft bilden aber laut Böhm die vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Martina Böhm: «Auch diese müssen sich jedoch anpassen und investieren. 200’000 Franken für eine neue Maschine mag im Vergleich zu den Millioneninvestitionen grosser Firmen wenig erscheinen, ist aber ein Batzen Geld für ein kleines Unternehmen», weiss Böhm.

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Martina Böhm, Innovationscoach und Geschäftsführerin des Technologie Forums Zug.

Martina Böhm, Innovationscoach und Geschäftsführerin des Technologie Forums Zug.

(Bild: Andy Bachmann)

Gianni Bomio, Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion, ist für den kantonalen «Zuger Innovationspreis» zuständig. Der Preis ist ebenfalls ein Gradmesser für Innovation im kleinen Kanton. Er ist mit 20’000 Franken dotiert und wird seit 1993 vom Regierungsrat jeweils an ein Zuger Unternehmen vergeben. Eine Fachjury aus Arbeitgeber- und einem Arbeitnehmervertreter, die von Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel geleitet wird, trifft eine Vorauswahl. Dieser Vorschlag wird der Gesamtregierung unterbreitet. «Er wird von dieser gut angenommen», sagt Bomio. Ziel des Preises: Bestrebungen von Zuger Firmen unterstützen, die «mit innovativen und volkswirtschaftlich, sozial und ökologischen Modellen» neue Arbeitsplätze geschaffen haben oder bestehende Arbeitsplätze erhalten konnten. Der Schwerpunkt des Preises liegt also auf den Arbeitsplätzen.

Zum Hintergrund des Preises: Der Kanton Zug habe eine Policy für die Wirtschaftspolitik, erklärt Bomio. «Wir bieten gute Rahmenbedingungen wie ein dynamisches Umfeld, Behörden, die möglichst schnell entscheiden und helfen sowie tiefe Steuern. Einzelbetriebliche Förderungen, Steuererleichterungen oder Prämien für geschaffene Arbeitsplätze von Unternehmen, wie in anderen Kantonen, kennt Zug nicht. Die einzige Ausnahme, wo Geld fliesst, ist eben der Innovationspreis.» Der Preis sei zudem geschaffen worden, um eine gewisse Aussenwirkung zu erzielen und den Platz Zug als innovativen Standort bekannt zu machen.

Anmeldeschluss am 14. August

Bis 14. August können sich Unternehmen noch für den Zuger Innovationspreis 2015 anmelden. Der administrative Aufwand hält sich in Grenzen: Eine Konzeptbeschreibung auf einem A4-Blatt reicht als Bewerbung. Kürzlich erfolgte ein Aufruf an die Medien. Melden sich denn zu wenige Firmen an? «Nein», sagt Gianni Bomio, «wir machen jedes Jahr zwei Aufrufe. Erfahrungsgemäss schneien die meisten Anmeldungen in den letzten Tagen vor dem Anmeldeschluss hinein.» Jährlich würden sich zehn bis zwanzig Zuger Unternehmen für den Preis bewerben. «Meine Vorgabe ist, mindestens 10 Bewerbungen zu bringen. Diese Vorgabe habe ich bisher immer erfüllt», erklärt Bomio. 2014 waren es 18 Bewerbungen. Wieviele Anmeldungen er für 2015 bisher erhielt, bleibt bis zur Preisverleihung vertraulich.

Gianni Bomio ist Sekretär der Jury, welche die Bewerbungen für den Zuger Innovationspreis beurteilt. Der Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion in seinem Büro.

Gianni Bomio ist Sekretär der Jury, welche die Bewerbungen für den Zuger Innovationspreis beurteilt. Der Generalsekretär der Zuger Volkswirtschaftsdirektion in seinem Büro.

(Bild: mbe.)

Wegen horrender Mietpreise nicht einfach

Was meint Bomio zur Innovationsfrage? «Man muss zwei Arten von Innovationen unterscheiden: Diejenigen der etablierten Unternehmen und diejenigen der neuen Firmen», sagt der Sekretär der Fachjury. Zug sei für junge Firmen kein einfacher Platz wegen der Grundstück- und Mietpreise. Die Alternative: Im Businesspark Zug, dem Zuger Gründerzentrum, können sie günstig Büros mieten und von zentralen Dienstleistungen profitieren.
Die lange ansässigen Firmen seien «hoch innovativ», findet Gianni Bomio. Er nennt als Beispiele V-Zug, Bossard, Siemens, Roche, Medela oder Schiller. «Sie müssen sich ständig verbessern, um ihre Stellung am Markt zu verteidigen. Das Gleiche gilt für unsere neuen Cluster wie Pharma und Medizinaltechnik.»

Martina Böhm ist Innovationscoach

Martina Böhm, Geschäftsführerin des Technologie Zentrums Zug, ist Innovationscoach. Ihr Schwerpunkt liegt in der Etablierung einer Innovationskultur in Unternehmen. «Ich zeige auf, wie man Ideen generieren kann und wie man diese anschliessend bewertet und nutzt.» Im Rahmen des neuen Programms «Zentralschweiz innovativ», an dem die sechs Kantone beteiligt sind, berät Böhm Unternehmen. Der erste Kontakt läuft über «Innovations Transfer Zentralschweiz» (ITZ) in Horw (siehe Link rechts). «Wir verteilen die Projekte nach Fachkompetenzen unter den Coaches. Ein Unternehmen hat 20 Stunden kostenlose Beratung zur Verfügung», erklärt Böhm. Zum Angebot gehören auch Machbarkeits- und Marktpotentialabklärungen sowie Rechtsfragen. Die Coaches helfen ausserdem bei der Suche nach Partnern, Förder- und Finanzierungsquellen.

Mit dem Zuger Innovationspreis würden häufig weniger bekannte Produkte etablierter Firmen ausgezeichnet. Siemens zum Beispiel erhielt den Preis im Jahr 2010 für das Brandmeldesystem Sinteso mit Echt-Alarm-Garantie. Rittmeyer wurde 2014 für ein Softwareprodukt zur Optimierung des Ressourcenverbrauchs in Kläranlagen ausgezeichnet. Einige der Unternehmen, die den Preis seit 1993 bekommen haben, existieren nicht mehr. Bomio: «Doch mehr als zwei Drittel unserer Preisträger sind noch aktiv, und es geht ihnen gut.»

«Kleiner Bruder des Zuger Innovationspreises»

Gianni Bomio bezeichnet den zweiten Preis im Kanton Zug, den Jungunternehmerpreis, als «kleinen Bruder des Zuger Innovationspreises». Der Jungunternehmerpreis wird von der Netzwerkorganisation «Technologie Forum Zug» zusammen mit dem Businesspark Zug organisiert und vergeben. Es gebe zwar wenige Doppelbewerbungen, weiss Bomio. «Aber die neuen Firmen haben, da sie noch nicht so viele Arbeitsplätze schaffen können, eher kleinere Chancen auf den Zuger Innovationspreis. Er ist in der Regel ein Dankeschön für Firmen, welche schon länger ansässig und dank Innovationen erfolgreich sind.» Übergeben wird der Preis jeweils am Zuger Innovations- und Technologietag, den das Technologie Forum Zug ausrichtet.

Nicht nur Youngsters bewerben sich

Für den Jungunternehmerpreis ist die Geschäftsführerin des Technologie Forums, Martina Böhm, verantwortlich. Die Preisvergabe ist als «Battle» gestaltet, bei dem jedes Unternehmen sein Produkt oder seine Innovation in bloss fünf Minuten vorstellen und auf den Punkt bringen muss. Dieser «Elevator Pitch» sei jeweils eine Herausforderung. Die Vorauswahl der Kandidaten nimmt eine Jury vor, die Endauswahl das Publikum. «Unsere Preisverleihung ist eine öffentliche Veranstaltung, an der alle Zuger teilnehmen und abstimmen können.» Mit dem Namen Jungunternehmerpreis assoziiere man, dass nur Youngster teilnähmen. Nur ein Teil der Teilnehmer seien aber kreative junge Leute, die mit einer Vision etwas Neues auf die Beine stellen wollten. «Die andere Gruppe sind Firmengründer mit Businesserfahrung, die sich selbständig machen und einen gewissen Pragmatismus mitbringen». Für den Preis würden immer sehr interessante Projekte eingegeben, sagt die Geschäftsführerin. Es bewerben sich jeweils acht bis zehn Firmen, es gibt drei Preise und zusätzlich einen Förderpreis zu holen.

Die Gewinner des Zuger Jungunternehmerpreises 2015 an der Preisverleihung vom 1. April.

Die Gewinner des Zuger Jungunternehmerpreises 2015 an der Preisverleihung vom 1. April.

(Bild: PD)

Acht Bewerber für Jungunternehmerpreis 2015

An der elften Verleihung des Preises am 1. April diesen Jahres traten acht Zuger Jungunternehmen gegeneinander an, um die rund 230 Zuschauer in der Chollerhalle von ihrem Unternehmen zu überzeugen. Die meisten Zuschauer konnte das Zuger Paettern Lightup Atelier für sich begeistern. Das Unternehmerduo Debora Bühlmann und Patrick Bützer gewann den mit 5‘000 Franken dotierten ersten Platz für ihr Geschäftskonzept. Der mit einem Preisgeld von 2’000 Franken dotierte zweite Platz ging an die Tropical Mountains GmbH, die Kaffeeliebhaber mit Kaffee von der eigenen Farm in Peru in Nespresso-kompatiblen und biologisch abbaubaren Kaffeekapseln versorgt. Der mit 1’000 Franken dotierte dritte Platz ging an die Equippo AG. Deren Online-Marktplatz überwindet Sprach- und Handelsbarrieren und ermöglicht es Baufirmen auf der ganzen Welt, gebrauchte Baumaschinen online zu bestellen.

Fintech-Firmen ein Zukunftsmarkt

Böhm prognostiziert einen grossen Innovationsschub durch das neue Informatikdepartement der Hochschule Luzern in Rotkreuz. Erfreulich sei auch, dass sich in Zug neue Firmen aus der so genannten Fintech-Szene angesiedelt hätten. Die Firma Monetas und Ethereum beispielsweise entwickeln neue dezentrale Plattformen für Finanz-Transaktionen. «Das ist ein Zukunftmarkt und wird die Zahlungswelt revolutionieren», sagt die Chefin des Technologie Forums Zug.

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