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Mit dem Einrad den Zugerberg hinunter

5min Lesezeit

Wir waren im Kinder- und Jugendzirkus Grissini von Zug und haben dort grinsende Zauberer, eine schwebende Person und eine auf Luft spezialisierte Artistin getroffen.

Der Kinder- und Jugendzirkus Grissini ist der wahrscheinlich älteste Zuger Zirkus. Ein ganzes Jahr lang probt die Crew, um dann vier Aufführungen zu bestreiten. Und dies bereits seit zehn Jahren. Die verhältnismässig lange Geschichte des Zuger Zirkus hat nicht nur seiner Bekanntheit gutgetan. Viel besser: Die ältesten Mitglieder können nun selber zu Trainern werden und den kleinen die artistischen Tricks beibringen.

Im Training vor der grossen Vorführung reihten die Teilzeit-Zirkusleute die Nummern bloss lose aneinander. Zu Probezwecken. Trotzdem schimmert unter dem Deckmantel der seriösen Vorbereitung bereits etwas von der speziellen Stimmung durch, die man nur im Zirkus findet. Das gewisse Etwas, das selbst Erwachsene zu staunenden Kindern macht.

Bälle wie an Fäden

Es gibt Artisten, Clowns und Zauberer im Zuger Kinder- und Jugendzirkus Grissini. Die Artisten drehen sich an roten Tüchern, die von der Decke bis an den Boden reichen, winden sich durch Ringe, die auf halber Höhe an Seilen im Raum schweben, und werfen Jonglierbälle wie an Fäden durch die Luft. Beeindruckend. Wie lernt man sowas?

Barbara Urfer hat den Grissini gemeinsam mit ihren Kindern gegründet und meint, es brauche wohl einfach Zeit und Übung. «Die artistischen Fähigkeiten der älteren Jugendlichen und auch einiger jüngerer Kinder sind beeindruckend. Es ist mittlerweilen nicht einfach geworden, genügend versierte Fachleute ausfindig zu machen, die dem hohen Niveau unserer Artisten gerecht werden», erzählt sie.

Mit dem Einrad über den holprigen Feldweg

«Einmal sind wir auf den Zugerberg und dann querfeldein, also wirklich über den holprigen Feldweg, wieder hinuntergefahren», erzählt Barbara Urfer. «Auf bloss einem wackeligen Rad», sie selbst habe sich aber eher darauf konzentriert, die Kleineren zu stützen. Trotzdem will sie es den älteren Artisten des Zirkus diesen Sommer gleichtun: «Diesen Sommer lerne ich auch richtig Einradfahren.»

Sara Steiner, die «erfahrene Zirkusfrau», wie sie Barbara Urfer vorstellt, ergänzt: « Es kommt natürlich drauf an, wie talentiert man ist. Mein Sohn hat so schnell jonglieren gelernt, dass ich mich beinahe ein bisschen geärgert habe.»

Sara Steiner ist seit vielen Jahren beim «Grissini» und hat die Zirkusschule mit heute rund 150 Artisten aufgebaut.

Barfuss scheint sie beinahe an den am Boden sitzenden Kindern vorbeizuschweben. Ihre Zirkus-Laufbahn nahm in Basel ihren Anfang: Sie wohnte in einem Zirkuswagen und studierte Bewegungspädagogik. Seither liess der Zirkus sie nicht mehr los. Unter anderem im Zirkus Nock oder im Broadway-Variété spezialisierte sie sich auf alles, was mit Luft zu tun hat: also Trapez, das Vertikaltuch, Jonglieren und Musik. Heute, im Zirkus Grissini, ist sie als Trainerin dabei.

Plötzlich Zauberer

Auch Zauberer gibt es bei «Grissini». Hörbi bringt ihnen dabei die Tricks und Illusionen bei, er ist Zauberlehrer aus Zürich. Er sei aus Zufall vor dreissig Jahren zum Zaubern gekommen. «Ich habe Theater gespielt und wollte aus einem Stock eine Blume machen», erzählt er und grinst dabei wie die Katze bei Alice im Wunderland. Viel mehr als das ist ihm auch nicht zu entlocken. Gibt es denn einfache Tricks? «Klar», antwortet er und grinst.

Bei der Zaubershow-Probe lassen die Nachwuchszauberer vom Zirkus jemanden in der Luft schweben. Sie legen ihn auf ein Brett, das zwischen zwei Stühlen steht, und bedecken ihn mit einem Tuch. Dann nehmen sie die Stühle fort.

Niemand versteht so genau, wie das funktioniert. «Das sind doch ganz normale Klappstühle von unserem Probelokal …», flüstert jemand verständnislos. Hörbi sitzt auf einem dritten solchen Klappstuhl in der hintersten Reihe, schaut gespannt seinen Lehrlingen zu und grinst verhalten.

Seit Anfang an dabei

Zora ist schon seit elf Jahren beim Zirkus Grissini dabei, also seit ganz am Anfang. Es ist sehr vielseitig, man kann von den vielen Disziplinen das aussuchen, was einem am meisten Spass macht, von Akrobatik über Hocheinrad,  Kunstrad, Seiltanz, Trapez, Vertikaltuch, Clownerie und vieles mehr», erzählt Zora Bauknecht und wirft ihre blonde Mähne in den Nacken. Heute ist sie nicht mehr nur Artistin, sondern gibt ihr Können auch als Trainerin weiter an die kommenden Generationen.

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