Nick Furrer alias «Haubi Songs» taufte am Freitagabend sein neues Album. (Bild: Marcel Hörler)
Kultur Rezension

Nick Furrer alias «Haubi Songs» taufte am Freitagabend sein neues Album. (Bild: Marcel Hörler)

5min Lesezeit

Nick Furrer hat was zu sagen. Soeben ist sein neues Album «Ergendwie Zäme» erschienen. Mit trashig-minimalistischer Lo-Fi-Attitüde erwärmte er am Freitagabend den Keller im Neubad.

Marcel Hörler

Langsam verklingen die Gespräche im ehemaligen Wasseraufbereitungsraum des Neubades. Ein Typ mit Trainingsjacke, Converse-Schuhen und blond gebleichten Haaren betritt die Bühne. Zwischen Synthesizer und Drum Machine steht er mit seiner Bassgitarre da und erinnert auf den ersten Blick an einen Jazzschüler. Einen der hippen. In der Regel trifft man sie rauchend und vorzugsweise in Gruppen mit mindestens drei Jazzschülern vor der Jazzkantine in der Luzerner Altstadt.

Nick Furrer steht an diesem Karfreitagabend mit seinem Soloprojekt «Haubi Songs» (hier geht’s zum Interview) alleine da und fragt, ob man ihm eine Zigi reichen könne. «Ich weiss, es isch tüür worde / Hesch mer ä chli Füür und so / Rauche chani sälber / Jojo». Wahrscheinlich gehört Nick Furrer zu jenen Jazzschülern, denen man in der Gruppe zuhört, weil sie etwas zu sagen haben.

Und falls ihm nicht zugehört wird, greift er nach der Taschenlampe und leuchtet dir ins Gesicht, so wie er das beim Song «Orange» tut. Aus dem Publikum hört man zunehmend Kichern und die Lacher am Ende der Strophen gleiten hallend durch den Raum.

Luzern ist schön, aber manchmal schwierig

Nick Furrer präsentiert eine bunte Palette an «Haubi Songs» der früheren Platten. Darunter «Bad Vibes», «Krane», in dem er die Renovierung des Pilatus thematisiert, oder «Piff Paff Puff». Ein Song, in dem der Luzerner über die lokalen Eigenschaften spricht: die Schlange am «Uferlos», die fahrenden Taxis am Bundesplatz, die Gäste im «Meyer» oder die Öffnungszeiten des «New Point». Ein Song, in dem nicht zuletzt ein Stück Zynismus mitschwingt. Die beschauliche Ruhe in Luzern trügt.

Seine Stimme folgt stets der Melodie seiner Songs. Sie gerät dadurch in den Hintergrund und wird fast nebensächlich. Es ist quasi das gebührende Aushalten, das seine Songs verdienen. Ein Besucher des Konzerts meint, dass es doch schade sei, eine solch gute Musik mit seiner Stimme zu paaren. Dass seine Stimme jedoch in erster Linie die Vermittlung und die Betonung seiner Texte bezweckt, ist Teil seines trashigen und minimalistisch gehaltenen Lo-Fi-Konzepts, das er seit der Entstehung von «Haubi Songs» konsequent verfolgt.

Steht zwischen Drum Machine und Synthesizer mit seiner Bassgitarre: Nick Furrer. (Bild: Marcel Hörler)

Auch die zehn neuen Songs aus seinem Album «Ergendwie Zäme», die er nach einer guten halben Stunde präsentiert, sind alles andere als langweilig. Zudem bekommt man live zusätzlich in den Genuss seiner Sprechgesang-Loops. Die Songs beinhalten langsame Beats und verspielte Texte, die zum Zuhören verleiten, sodass ein leichtes Wippen nicht auszuschliessen ist (insofern die Sympathie zum Musiker noch nicht mit einem Grinsen signalisiert wurde).

Die Lichter, die während drei Tagen vor Ort getestet wurden, bringen Farbe in den ziemlich dunklen Raum und kreieren eine Stimmung, die man zuweilen in den Dorfdiscos oder in den kleinen Clubs an der Baselstrasse findet. In denen sich die DJs noch DJs nennen und kein Geld für einen Türsteher ausgegeben wird.

Verpasste Zugabe

Die Songs auf dem neuen Album sind vielfältig. Sie reichen von «12:30» – ein Song, der beflügelt und gute Laune verbreitet – bis hin zu Songs wie «Näme I de Bäum» oder «Breng mi om», die zum Nachdenken anregen. Ausserdem landet Nick Furrer mit «Easy Jet» einen Hit, für den es sich lohnt, an den Flughafen Basel zu fahren.

Das Licht erinnert an Clubs, die noch kein Geld für Türsteher ausgeben. (Bild: Marcel Hörler)

Der einzige Kritikpunkt dieses Abends liegt demnach nicht am Album, sondern an der Zugabe. Diese wirkt ziemlich abgeklärt und platt. Nick Furrer performt einen Song, der die Flüchtlingsthematik thematisiert. Den Versuch, einen Song in die Zugabe zu verpacken, der den Pathos beschwört und ein komplexes Thema anspricht, wirkt gezwungen. Der Song passt nicht so recht in das Programm der minimalistischen «Haubi Songs».

Trotzdem, Nick Furrer ist mit «Haubi Songs» einer der momentan vielversprechenden Luzerner Mundartmusiker, für den es sich auf jeden Fall lohnt, den Easyjet-Flug zu canceln.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Kultur