Ein weiterer Leserbrief zum Hochhausreglement «Das Mass ist überschritten»

3 min Lesezeit 21.11.2017, 21:44 Uhr

Das Hochhausreglement beschäftigt die Stadt Zug. In seinem Leserbrief schildert CSP-Gemeinderat Ignaz Voser, wie das Reglement zustande kam und warum es seiner Ansicht nach in der vorliegenden Form nicht genehmigt werden sollte.

Der Leserbrief von Ignaz Voser:

«Der Stadt und der Landschaft Sorge tragen, das waren die Kernpunkte welche bei der über Monate geführten Beratungen in der Bau- und Planungskommission im Vordergrund standen. Sie führten dazu, dass man die Höhen, die Volumen und die Standorte zukünftiger Hochhäuser kritisch hinterfragte und das Hochhausreglement mit einer städtebaulichen Idee und Haltung mit 7 Ja- und 3 Nein-Stimmen verabschiedete.

Einzelne Exponenten im Grossen Gemeinderat wollten aber davon nichts wissen, obwohl die vorberatende Kommission PBK anderer Meinung war. Sie wollten es besser wissen und kippten diese städtebaulichen Rahmenbedingungen kurzerhand aus dem Reglement. Schlimmer noch: Sie wollten weder darüber diskutieren noch die Abänderungen von den dafür eingesetzten Fachgremien noch einmal überprüfen lassen. Auch die umliegenden Gemeinden, Baar, Steinhausen und Cham, welche beim letzten Hochhausreglement noch mitgewirkt hatten, liess man damit links liegen. So kann und darf Stadtplanung nicht funktionieren!

Bei einer derart wichtigen Weichenstellung in der Stadtentwicklung, ist auf jeden Fall Vorsicht geboten.

Damit Zug trotz anhaltendem Bauboom eine attraktive und lebendige Stadt bleibt, hat sich die Zuger Bevölkerung anlässlich der Revision der Ortsplanung in einem Leitbild vor 8 Jahren schon in weiser Voraussicht Gedanken gemacht und festgehalten: Was neu gebaut wird, soll vor allem hohen Qualitätsansprüchen genügen, und die Stadt soll sich in geordneten Bahnen entwickeln. So heisst es unter anderem in diesem Entwicklungskonzept: „Zug wächst massvoll und setzt Qualität vor Quantität.“ Entsprechend diesen Vorgaben wurde dann der 2009 und bis heute gültige Zonenplan der Stadt Zug festgelegt.

Mit diesem Hauruck-Reglement wird nun alles anders. Eine gewaltige Aufzonung ist dessen Folge. Was bisher galt, wird abgeändert und neubeschlossen. Von 6 Geschossen erhöht man auf 25 Geschosse und von 20 Meter hohen Gebäuden auf grossmehrheitlich 80 Meter Türme. Damit ist das Mass überschritten!

Dieses Regelwerk stellt in Form und Grösse alles was in letzter Zeit in Zug an Ein-, Auf- und Umzonungen beschlossen wurde im wahrsten Sinn des Wortes in den Schatten. Wie es scheint konnte es nicht hoch und gross genug gehen. Aber wo bleibt dabei der Nutzen für unsere Stadt?

Ein Wettrüsten mit 80 Meter Türmen von der Gotthardstrasse bis zur Stadtgrenze und einem unansehnlichen Wald aus Hochhaustürmen, die alles dominieren, scheint damit unausweichlich. Wollen wir das unserer Stadt und unserer Landschaft wirklich antun? Ich meine Nein.

Das Hochhausreglement sollte deshalb zurück zum Absender zur nochmaligen Überarbeitung und Prüfung. Zur Stadt und Landschaft Sorge tragen sieht für mich anders aus, vor allem, weil man weiss, dass es auch anders und für Zug und Umgebung passender gehen könnte!

Ich stimme aus folgenden Gründen Nein: Weil dieses Reglement unser Stadtbild nicht bereichert sondern beschädigt. Weil es nie auf dessen Folgekosten und Auswirkungen auf die Infrastrukturen überprüft werden konnte. Weil die Nachbargemeinden nicht miteinbezogen wurden. Weil es nichts mehr regelt als die Gewinnmaximierungen von ein paar wenigen Investoren. Weil im Abstimmungsbüchlein weder ein Vorher-, Nachher-Vergleich oder aber eine dreidimensionale Darstellung zu finden war.»

Ignaz Voser, Gemeinderat CSP, Stadt Zug, Mitglied der Bau- und Planungskommission

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