«Così fan tutte»: Für einmal als Komödie mit wenig Tiefgang
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Das Luzerner Theater hat wieder offen. Gespielt wird: «Così fan tutte». (Bild: Ingo Hoehn)

Mozarts Oper im Luzerner Theater «Così fan tutte»: Für einmal als Komödie mit wenig Tiefgang

3 min Lesezeit 1 Kommentar 26.04.2021, 14:01 Uhr

Am Sonntagabend konnte im Luzerner Theater erstmals wieder ein Publikum von fünfzig Opernfreunden Platz nehmen. Die Gelegenheit dazu gab Max Hopps komödienhafte Inszenierung von Mozarts «Così fan tutte». Während der Handlung etwas die Tiefe fehlte, gelang die musikalische Umsetzung umso besser.

Der Untertitel der Oper ist «La scuola degli amanti» (Die Schule der Liebenden) und die vier Protagonisten, die im Verlaufe der Oper diese Schule besuchen, sollten tatsächlich vieles lernen und einen Reifeprozess durchlaufen. Wenn aber alle komödiantischen Aspekte dieser Oper durch Regisseur Max Hopp (der für das erste Mal im Luzerner Theater inszenierte) grosszügig zum Vorschein gebracht wurden, dann aber sicher zu Ungunsten der psychologischen Tiefe. Eine psychologische Tiefe, welche schon in Lorenzo Da Pontes Libretto und umso mehr in der wunderbaren, unglaublich eloquenten Musik von Mozart deutlich gemacht wird.

Die Tiefe fehlte

Komponist und Librettist dachten es eigentlich ernst, und beabsichtigten, ein Werk nicht nur über Frivolitäten und Gemeinplätze betreffend Liebe und Liebesbeziehungen zu schaffen. Sondern auch über die Ängste der jungen Leute und die Ungewissheit deren Gefühle, über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und das Wahrnehmen der eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse.

Dass «Così fan tutte» nicht nur eine lustige Oper ist, merkt man aber in dieser Inszenierung kaum. Und dies, interessanterweise, trotz der strengen, sparsamen Ausstattung von Caroline Rössle-Harper: ein Tisch, ein paar Stühle, hohe, bewegliche Holzwände, einfache Kostüme und Perücken. Mit geringen Unterschieden zwischen dem ersten und zweiten Akt.

Musikalisch eine Wonne

Musikalisch sehen die Dinge anders aus. Dem Luzerner Sinfonieorchester (am Hammerflügel Jesse Wong) gelingt es unter Alexander Sinan Binder, alle Facetten der Partitur zu betonen und auch den durchaus typischen Mozart-Klang zu produzieren. Grossartig war auch die Leistung der Sänger. Besonders von Sydney Mancasola als Fiordiligi und Josy Santos als Dorabella, beide mit sehr differenzierter und immer sauber intonierter Stimme sowie mit viel Charme, zuerst als treue, dann als untreue Frauen.

Sehr gut waren auch Jason Cox als Guglielmo und Diego Silva als Ferrando, die Verlobten der jungen Frauen, sowie auch Vuyani Mlinde als zynisch philosophierender Don Alfonso. Dieser will seinen Freunden Ferrando und Guglielmo unbedingt beweisen, dass auch Dorabella und Fiordiligi – wie alle Frauen – ihnen untreu sein werden, wenn sich nur die Gelegenheit ergibt. Sehr sympathisch Diana Schnürpel als quirlige Zofe Despina. Den Chor des Luzerner Theaters (Mark Daver) hörte man mittels Tonaufnahmen.

Letztendlich ein angenehmer Abend

Seitens des zwangsläufig spärlichen, aber aufmerksamen Publikums gab es am Ende der Aufführung grossen Beifall für alle: besonders für die sechs Sänger, aber auch für Maestro Alexander Sinan Binder, das präzise Luzerner Sinfonieorchester und den Regisseur und sein Team. Es ist schade, dass die gerade begonnene Theatersaison schon fast am Ende ist, und dass es auch von den nächsten Neuproduktionen verständlicherweise leider nur wenige Aufführungen geben wird.

Alle Aufführungsdaten findest du in unserem Eventkalender.

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1 Kommentare
  1. Rudolf 1, 29.04.2021, 08:33 Uhr

    «Für einmal als Komödie mit wenig Tiefgang» – Weshalb wohl? Es handelt sich um eine Komödie ohne Tiefgang.

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