Arco Idaho – die erste Stadt mit Atomstrom
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Arco scheint stolz darauf, die erste Stadt auf der Welt zu sein, die Atomstrom für die Stadtbeleuchtung nutzte. (Bild: zvg. Max Huwyler)

«Z Japan händs e Bombe abegloo» Arco Idaho – die erste Stadt mit Atomstrom

2 min Lesezeit 25.03.2018, 10:54 Uhr

Orte kommen irgendwann zu heissen. Sie laden sich mit Geschichte auf, wenn es einen Grund gibt dafür. In der Stadt Arco fiel das Ereignis auf den 17. Juli 1955. Und es wurde in Arco als freudiges Ereignis gefeiert. Als erster Ort nutzte man Atomstrom für die Stadtbeleuchtung.

Orte kommen irgendwann zu heissen. Sie laden sich mit Geschichte auf, wenn es einen Grund gibt dafür. Aufmerksam auf Arco im nordwestlichen Bundesstaat Idaho machte mich eine Fotografie, die mir Sohn Ben auf den Computer schickte. Arco im US-Bundesstaat Idaho ist stolz darauf, die erste Stadt auf der Welt zu sein, die Atomstrom nutzte für die Stadtbeleuchtung. Das Ereignis datiert auf den 17. Juli 1955. Und es wurde in Arco als freudiges Ereignis gefeiert.

Der erste Name für die junge Stadt war «Junktion», denn hier trafen zwei Stagecoach-Linien zusammen. Dem Postmeister war das zu bieder und er beantragte den Namen Arco als Ehrung für eine Pioniertat, die «friedliche Nutzung» der Kernspaltung.

«Siehe im E-Lexikon unter Halbwertzeit. Und erschrick.»

Arco ist der Bogen, arco balleno der Regenbogen, das mysteriöse Himmelslicht. Eine Regenbogengeschichte erzählt, dass am Ort des Auftreffens des Himmelbogens auf die Erde ein Schatz begraben liege. Wer aufbricht, um den Schatz zu bergen, gerät in die Irre. Ich weiss nicht, ob die Menschen in Arco auch ihre Regenbogengeschichten haben.

Ein Kernkraftwerk ist mit 50 Jahren ein altes Werk. Das Leck sei behoben, steht in der Zeitung. Das Kernkraftwerk liefert wieder Strom. Hat das KKW ausgedient, bleiben die Brennstäbe. Die strahlen noch lange, werden strahlungssicher begraben. Siehe im E-Lexikon unter «Halbwertzeit». Und erschrick.

Im Sommer 1945 war ich im «Wilden Mann» in Buonas in den Ferien, dem Herkunftsort meiner Mutter. Ich teilte mit dem Knecht die Knechtekammer. Unvergesslich der Abend, als ich im Dunkeln den Knecht sagen hörte: «Z Japan händs e Bombe abegloo, won e ganzi Stadt kabutt gmacht hed. En äinzigi Bombe.» Das war am 6. August.

Neue Wörter kamen in die Welt: Atombombe und Hiroshima, drei Tage später Nagasaki. Ich war 14. Wir hatten in Zug am 8. Mai die Glocke des Kapuzinerturms läuten gehört, die Friedensglocke. Wir waren glücklich, dass dieser Krieg nun zu Ende war. Dass die Amerikaner mit den Japanern noch im Krieg waren, das hat man am Radio gehört vom Landessender Beromünster. Japan, das war ja so weit weg. Und jetzt diese Meldungen mit den neuen Wörtern drin. Es war einfach unvorstellbar. Man hat dann gesagt, dass die Atombombe «Little Boy» den Lauf der Weltgeschichte verändert habe. Der Knecht ist eingeschlafen an jenem Abend in der Knechtekammer im «Wilden Mann». Ich lag lange wach.

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