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(Anti-)Helden
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(Bild: Loredana Bevilacqua )

Jolanda Spiess-Hegglin über filmreife Szenen und bittere Realitäten (Anti-)Helden

4 Min 5 Kommentare 09.10.2017, 13:03 Uhr

Feuerwehrmänner sind Lebensretter, selbstlos, stark, nimmermüde – echte Helden. Nicht ganz. Der erste Beitrag von Jolanda Spiess-Hegglin über filmreife Szenen und bittere Realitäten.

Ich denke so oft an diese heroischen Bilder zurück. Vereinigte Staaten, kurz nach Nine Eleven, auf allen TV-Kanälen. Feuerwehrmänner, die sich mit Schweissperlen und Russ im Gesicht in den in sich zusammenfallenden Gebäuden den Flammen stellen und Kinder, Frauen und Männer vor dem sicheren Tod retten. Filmreife Szenen. So war das, im Herbst 2001. Ich lebte damals ein paar Monate in Kalifornien, Nine Eleven prägte den gesamten USA-Aufenthalt. Dieses nicht ganz gendergerechte Bild der Helden, der Feuerwehrmänner, Lebensretter, selbstlos, stark, nimmermüde, hat sich in meinem Kopf festgebrannt.

Der grosse Bruder

Mein Bruder ist seit Jahren bei einer Feuerwehr, in einem Dorf am Albis, wo er mit seiner Familie wohnt. Bei einer Übung explodierte mal irgendwas. Er erlitt Verbrennungen im Gesicht, noch heute erkennt man die Verletzung beim Ohr, die Hautpigmentierung ist weg, dies störte ihn offensichtlich nie, für ihn gehört sowas dazu. Ja, das finde ich gross. Ganz gross sogar.

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Ein paar Monate ist’s her, da schrieb einer auf Facebook über mich: «Wie doof ist sie eigentlich ???? Kann einfach nie ruhe geben und wundert sich noch das man nur noch von Ihr spricht und den zweiten vergessen hat weil er eben ruhig ist… (Vorteil Mann) sie ist die Piraten Lachnummer in unserem Kantonsrat !! !!»

Oder weiter: «…Es wird für die gute JSH sehr eng und sie verliert täglich mehr Sympathien durch ihre grosse Lügen aber es wird ans Licht kommen nur abwarten und Tee statt Alkohol trinken.» Weiter: «Hat mit Partei überhaupt nichts zu tun nur mit einer Frau welche dauernd lügt und den wirklichen Sachverhalt dreht und wendet weil die Wahrheit nicht zu Ihrem so heilen Familienleben passt…»

«Eifach kei rückgrad»

Einen Medienartikel, in welchem ich erstmals über meine Depression sprach, kommentierte er mit: «Ja ja immer noch das grosse Opfer wo nichts dafür kann und vollkommen unschuldig ist.»

Zu einer Meldung mit dem Inhalt, dass ich nicht daran denke, einfach so aus dem Kantonsrat zurückzutreten, schrieb er: «Eifach kei rückgrad»

Es heisst Rückgrat (Rück – grat, Substantiv, Neutrum). Allgemein stellt sich die Frage, ob er die vielen Komma- und Schreibfehler überhaupt bemerkt hat.

Rückgrat, sag ich doch

Ich kenne den Mann, welcher dies über mich schrieb, nicht persönlich, musste ihn erst googeln. Von daher weiss ich mindestens, wie er aussieht. Er ist kein Wutbürger. Er ist Feuerwehrkommandant einer Zuger Gemeinde.

Ich habe ihn angezeigt. Bei der Staatsanwaltschaft hat er alle Aussagen verweigert.

Vor ein paar Wochen stand er im Coop ebendieser Gemeinde hinter mir an der Kasse. Sein Blick war auf den Boden gerichtet. Minutenlang. Rückgrat, sag ich doch. Helden braucht das Land.

Déjà-vu. Im Winter 2015 und 2016 veröffentlichte das Styger Rettungscorps der Freiwilligen Feuerwehr Zug FFZ je eine Zeitung, die Autoren haben sich an mir festgebissen. Es wurden im «Feuerhorn», einem Fasnachtsblatt, wie sie es nennen, unzählige Ehrverletzungen begangen. Es war keine Satire mehr. Ich stellte deshalb, nach etlichen Telefonstunden mit dem Kommandanten und anderen Zuständigen der FFZ, von welchen niemand weder Verantwortung übernehmen noch sich entschuldigen wollte, Strafantrag gegen Unbekannt wegen Ehrverletzungsdelikten. Die Staatsanwaltschaft lud den gesamten Corps-Vorstand vor, wollte wissen, wer für die Ehrverletzungen verantwortlich ist. Alle Feuerwehrmänner verweigerten die Aussagen, das Verfahren wurde deshalb eingestellt.

«Warum nur ging ich davon aus, dass alle Feuerwehrmänner dieser Welt Helden sein sollten?»

Man begeht also mutmasslich Straftaten, Ehrverletzungen, erniedrigt eine Frau, mit welcher man noch nie ein Wort gesprochen hat, aber man aus irgendwelchen Gründen zum Teufel wünscht, um dann, wenn diese Frau sich wehrt, nicht dazu stehen zu können. Rückgrat. Nicht.

Warum nur ging ich davon aus, dass alle Feuerwehrmänner dieser Welt Helden sein sollten?

Mein Bild der heroischen Feuerwehrmänner, die sich mit Schweissperlen und Russ im Gesicht in den in sich zusammenfallenden Gebäude den Flammen stellen und Kinder, Frauen und Männer vor dem sicheren Tod retten, selbstlos, stark, nimmermüde…

Nicht in Zug halt. (Dieses Bild des starken Mannes ist ohnehin sexistisch.)

Die Welt hat Helden. Und Zug?

2001 in den USA verkleideten sich die Kinder für einmal an Helloween als Firefighter. Keine Gespenster und Hexen, nur kleine Feuerwehrleute. An der Dorfchilbi in Oberwil macht Familie Spiess einen grossen Bogen um den FFZ-Feuerlösch-Stand. Die Kinder akzeptieren das, weil sie den Grund kennen (ihn auch gern weitererzählen) und dürfen stattdessen bis zum Gehtnichtmehr auf die Schifflischaukel.

Die Welt hat Helden, Zug hat Anti-Helden. Natürlich nicht nur. Aber zugegeben, viel zuviele.

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5 Kommentare
  1. Rudolf Huber, 11.10.2017, 03:32 Uhr

    @Rudi, Klug zu fragen ist bekanntlich schwieriger als klug zu antworten. Ich versuche es somit mit Gegenfragen: In welcher Form habe ich Frau Spiess abgesprochen sie dürfe sich nicht wehren? Wo habe ich geschrieben man dürfe sie beleidigen? Die Staatsanwaltschaft steht gegenüber den Steuerzahlenden in der Pflicht, bei Einstellungen teil Kosten dem Kläger oder Klägerin in Rechnung zu stellen. Wieso soll das korrupt sein? Es kursieren im Netz viele Einstellungsverfügungen die enorme Kosten verursachten. Wie viele von den 150 Anzeigen wurden nicht an die Hand genommen? Mehrfach hat Frau Spiess um Ruhe für sich und ihre Familie gebeten. Warum zerrte sie dann jetzt ihr Bruder und seine Familie an die Öffentlichkeit? Wo habe ich ihrem Bruder gedroht so, dass er sich vor mir fürchten müsste? Haben Sie gestern in der Mittagszeit überhaupt etwas gegessen, oder waren Sie so dermassen empört über meinen wertfreien Kommentar, dass Ihnen der Appetit vergangen war? PS: Rechtsprechung schreibt man nur mit einem s, wir haben ja schliesslich keine Rechte / Sprechung.

  2. Ulrich Veraguth, 10.10.2017, 13:17 Uhr

    Diese Feuerwehrübung ist jetzt 2 1/2 Jahre alt. News aus der Mottenkoste würde ich das nennen. Spiess provoziert fast täglich mit irgendwelchen Aussagen und dann wundert sie sich, wenn ihr Kritiker auf die Pelle rücken. Mit über 150 Anzeigen (gemäss eigenen Angaben) belastet sie die Strafverfolgungsbehörden völlig unnötig. Vieles wird abgelehnt, der Steuerzahler muss diesen Unsinn berappen. Von Markus Hürlimann hört man nie mehr etwas, die Spiess lebt von alten Märchen, von Lügen und Rachegelüsten. Ja, Colombo hat Recht, man müsste diese Anzeigerei grundsätzlich einmal mit Kosten belasten. Wer gewinnt, erhält ja seine Parteientschädigung zurück. Bei einer Niederlage sind zumindest teilweise Kosten gedeckt. Um Tippfehler und Rechtschreibung gehts doch nicht, aber um Grundsätzte im Umgang mit Andersdenkenden. Und auch da ist Spiess beratungsresistent. Da nützt wohl nicht einmal mehr der gute Seelendoktor!

  3. Jonas Meier, 10.10.2017, 12:38 Uhr

    Ein paar Fragen an Columbo: Darf sich Frau Spiess nicht wehren, wenn sie beschimpft wird? Ist sie also aufgrund der Vorfälle an der Landammannfeier 2014 medial vogelfrei und jeder darf auf sie eintreten? Das wäre doch ein ziemlich seltsames Rechtsverständnis. Was bleibt ihr übrig, als eine Anzeige gegen unbekannt einzureichen, wenn sich niemand zu einer Zeitung bekennt, in der sie ihrer Meinung nach beleidigt wird? Ob eine Beleidigung vorliegt, muss doch ein Gericht klären, und nicht der Volkszorn in den Leserinnen- und Leserkommentaren. Und das die Rechtssprechung grundsätzlich von den Steuern finanziert wird, ist so schlecht nicht. Die Alternative dazu wäre ja Korruption. Oder sehen Sie das anders?
    Wer sich darüber aufregt, dass sich Frau Spiess gegen Beleidigungen äussert, denen sie ausgesetzt ist, und sich auch rechtlich zur Wehr setzt (was diese total enorm hohen Kosten für die Steuerzahler zur Folge hat), sollte in Erwägung ziehen, auf die Beleidigungen zu verzichten.
    Was wäre daran schlimm, wenn Frau Spiess‘ Bruder identifiziert würde. Hat er etwas zu befürchten? Muss er sich vor Ihnen fürchten?
    Und sollte man wirklich auf der Rechtschreibung rumreiten, wenn man Dinge wie: „[…] das er und seine Familie, von dritt Personen identifiziert werden könnten“, schreibt? (das, Komma, Deppenleerschlag, falls Sie sich fragen, was ich an dem Teilsatz auszusetzen habe)
    Gehen Sie in den frühen Morgenstunden doch lieber etwas die schöne Herbststimmung geniessen, anstatt empörte Kommentare auf dem Internet zu hinterlassen.

  4. Rudolf Huber, 10.10.2017, 04:51 Uhr

    Guten Tag Frau Spiess

    Einspruch: Sie erstatteten gegen unbekannt Anzeige. Nach einem aufwändigen Strafverfahren auf die Kosten der Steuerzahler, verfügte die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahmeverfügung. Nachdem Sie die rechtlichen Mittel ausgeschöpft haben, rechneten Sie medial, mit allen nicht involvierten Feuerwehrmännern aus dem Kanton Zug ab. Die von Ihnen beschrieben Informationen zu Ihrem Bruder, führen vielleicht zur Konsequenz, das er und seine Familie, von dritt Personen identifiziert werden könnten. Nach der heutigen Rechtschreibung 2004/2006 wird Strafantrag gegen „unbekannt“ klein geschrieben.

    MfG Columbo

  5. Manuel Späni, 09.10.2017, 21:03 Uhr

    Frau Spiess-Hegglin, jetzt reden Sie bitte mal nicht Antiheld_innen schlecht! Und ich kenne zumindest eine Heldin, die bei der Feuerwehr ist. 🙂