Landschaft soll stärker in Architektur einbezogen werden
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Dieter Geissbühler verabschiedet sich von der Architekturschule Luzern. (Bild: Gerold Kunz)

Dieter Geissbühler übergibt Luzerner Professur Landschaft soll stärker in Architektur einbezogen werden

3 min Lesezeit 31.10.2020, 11:01 Uhr

Nach 20 Jahren Lehrtätigkeit an der Hochschule Luzern übergibt Dieter Geissbühler seine Professur in neue Hände. In seiner Abschiedsvorlesung sprach sich der Architekt für einen stärkeren Einbezug der Landschaft in der Architektur aus.

Mit Vorträgen und einem Buch verabschiedet sich Dieter Geissbühler von der Architekturschule Luzern. Eine Auswahl handverlesener Gäste, darunter auch sein Nachfolger Lando Rossmaier, liess er im Rahmen seiner Abschiedsveranstaltung in seine Themenwelt eintauchen.

Diese ist geprägt vom festen Glauben an die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Schon vor seiner Berufung an die Hochschule Luzern hat Geissbühler für wichtige Projekte Fachgrenzen übergreifende Teams gebildet.

Im Dialog mit der Landschaft

In diesen Teams hatte er Vorschläge für die Gestaltung der Alpentransversale entwickelt, sich mit der Frage der Lärmschutzwände entlang der A2 im Stadtgebiet von Luzern oder, im Rahmen einer Studie der Hochschule Luzern, mit dem Weiler Kirchbühl bei Sempach beschäftigt. Über die Jahre ist für den Architekten die Landschaft zum zentralen Thema geworden. Im Dialog mit dieser sieht er das Betätigungsfeld der heutigen Architekten.

Mit dem Titel Durchdringung als Bedingung hatte Geissbühler den Vortragenden einen Teppich ausgelegt, den die Referentin und die Referenten unterschiedlich nutzten. In seinem Abschlussvortrag ging Geissbühler auf die Bedeutung der Landschaft ein, für ihn die wichtigste Voraussetzung für ein qualitätsvolles Architekturverständnis. Als Konstrukt des Menschen sei die Landschaft dauernden Veränderungen ausgesetzt, in Analogie zur menschlichen Existenz. Diese gilt es zu erkennen und für die Projekte wirksam werden zu lassen.

Vermächtnis an die kommende Generation

Die Gastbeiträge stellten unterschiedliche Bezüge zum heutigen Tätigkeitsfeld der Architekten her. Die beiden Architekten Christian Hönger und Uli Herres folgten in ihren Ausführungen den Herausforderungen der Praxis. Hönger widmete seinem Kollegen sogar einen Entwurf für eine Fensterstütze, von der er ein Modell als Geschenk mitbrachte. Herres berichtete vom Arbeiten in der deutschen Provinz, nicht ohne auf die speziellen Bedingungen der örtlichen Gegebenheiten zu sprechen zu kommen.

Andere Referenten wie Bernhard Klein oder Stanislaus von Moos suchten in der Bildwelt nach Durchdringungen. Einzig von Moos leitete seinen Beitrag mit einer Kritik am Selbstbewusstsein der Architekten ein. Die Sachlichkeit der Untersuchungen an Brandruinen einer zerbombten deutschen Stadt stellte er den Opferzahlen gegenüber und verwies damit auf ein Grundproblem des Architekturdiskurses, der oft abstrakt und ohne Einbezug des Menschen geführt wird.

Plattform für Recherchen

In Ergänzung zur Veranstaltung erscheint als sechster Band der Reihe Laboratorium im Quart Verlag die Publikation Durchdringung als Bedingung, mit dessen Vernissage das Kolloquium endete. Der emeritierte Professor gibt darin ehemaligen Studenten und Mitarbeitern eine Plattform, ihre Recherchen vorzustellen. Sie konkretisieren Geissbühlers Kapitelgliederungen, die auch die Schwerpunkte seiner Lehre waren. Eine schöne Geste und zugleich ein Vermächtnis an eine kommende Generation von Berufsleuten, die auf dem soliden Fundament «ihres» Professors aufbauen.

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