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Abenteuerferien für die ganze Familie in Sursee

Wir bauen nachhaltig: Sind Bauunternehmen gewappnet?

Wir bauen unser Haus um und setzen auf Nachhaltigkeit (Bild: Adobe Stock)

Wir sind im Besitz eines Einfamilienhauses aus den 50er-Jahren in Sursee. Nach langer Planungszeit konnten wir endlich das ganze Haus energetisch sanieren – die volle Dröhnung. Die Konsequenz war ein monatelanges Kommen und Gehen von Bauarbeitern – und ein Fazit, das wir so nicht erwartet hätten.

Es dauerte, bis wir genug Geld hatten für ein Umbauprojekt. Auch das Variantenstudium brauchte viel Zeit. Wir entschieden uns schliesslich, nicht auszubauen, sondern das bestehende Gebäude zu sanieren. Wir engagierten einen Architekten – ohne ihn wären wir komplett aufgeschmissen gewesen. Auch für die Einreichung der Fördergeld-Gesuche waren wir auf Hilfe angewiesen – unsere Umweltberatung und die Handwerker halfen uns. Sonst hätten wir uns in dem Dschungel hoffnungslos verheddert.

Beim Gerüstaufbau wurden gleich die Fensterläden entfernt. Von der Strasse konnte man nun in die meisten Räume sehen – Privatsphäre ade! Wir improvisierten und hängten überall Tücher auf – es sah furchtbar aus. Es passte aber zur Abdeckfolie am Boden, die sich schon durch das halbe Haus schlängelte. Ab und zu platzten Arbeiter am Morgen unangemeldet herein und hatten das zweifelhafte Vergnügen, uns verschlafen im Pyjama anzutreffen.

Hausumbau ist kein Ponyhof

Als Erstes wurde das Dach mit Zellulosefasern gedämmt, einem sehr umweltfreundlichen Material. Dazu musste der ganze Estrich geleert werden – eine überfällige Gelegenheit zum Entrümpeln! Die Caritas holte viele Sachen ab. Das Übrige verteilten wir im ganzen Haus. In jedem Zimmer stapelten sich Kisten und Material – eine Atmosphäre wie in einer Lagerhalle!

Danach wurden alle Fenster ersetzt. Die Freude war gross: Fabrikneue, dreifachverglaste Fenster, perfekt sauber wie noch nie! Einen Tag später kam der Gipser und spülte die Fassade und das ganze Gerüst ab. Die Fenster waren danach komplett mit Dreck bespritzt. Zum Trost: Der Lärm-, der Kälte- und der Hitzeschutz waren sofort spürbar! Bald darauf wurden die Holzfaserplatten für die Fassadendämmung geliefert, ein nachwachsendes und nachhaltiges Material. Als dann die Gipser erklärten, für sie sei das gänzlich unbekannt und sie hätten so etwas noch nie verarbeitet, schluckten wir erst mal leer. Immerhin hatte die Firma offeriert?! Jedenfalls nötigten wir sie, sich das fehlende Wissen in einer Art Blitz-Weiterbildung anzueignen. Sie arbeiteten dann auch gut und präzise.

Photovoltaik: Wer kann montieren?

Weil eine Wand im Geräteschuppen auch gedämmt wurde, räumten wir alles Gartenwerkzeug und die übrigen Sachen auf eine Seite – ein Berg Material, der so konzipiert war, dass alles zusammenbrechen würde, sobald etwas bewegt wird. So blieb es monatelang. Als Nächstes kam der mineralische Grundputz, der grad noch knapp vor Wintereinbruch fertig wurde. Für den Anstrich reichte die Zeit nicht mehr.

Ende Winter sollte dann die Photovoltaikanlage montiert werden. Es war fast unmöglich gewesen, eine Firma für den Auftrag zu finden – eine Folge des Ukraine-Krieges. Als uns der Architekt meldete, dass er den Unternehmer telefonisch nicht mehr erreichen könne, waren wir sehr beunruhigt. Glücklicherweise waren nur Umstrukturierungen im Geschäft der Grund für die Unsicherheit – eine Woche später war die Solaranlage auf dem Dach montiert.

Ein Baugerüst bietet eine gute Gelegenheit, um Vogelkästen für Mauersegler zu montieren. Gesponsert wurden sie von Birdlife im Rahmen des Projektes «Aufwind für die Luzerner Vögel».
Ups, da ist etwas «angeschmürzelt»! Ein Arbeiter verursachte einen Glimmbrand in der Holzfaserdämmung. (Bild: Marie-Louise Kieffer)

Im Vorfrühling kam auch der neue Balkon aus Holz. Die alte Betonplatte war eine enorme Kältebrücke gewesen und musste entfernt werden. Als ein Arbeiter die neue Abdichtung verschweissen wollte, verursachte er an zwei Stellen einen Glimmbrand, der sich in die Fassaden-Holzdämmung hereinfrass. Der Gestank war übel – und plötzlich sprangen diverse Männer mit Feuerlöschern herum. Zum Glück ist es glimpflich ausgegangen und sie konnten es stoppen – ein Fall für die Versicherung. Hätten wir uns für eine günstige Styropordämmung entschieden, wäre vielleicht die ganze Fassade weggeschmolzen.

Kampf um die richtige Farbe

Die Fassade ist unterdessen verputzt und neu gestrichen. Für die umweltfreundliche und qualitativ hochwertigere Silikat-Farbe mussten wir aber ziemlich kämpfen. Plötzlich war in der Offerte wieder eine Silikonharzfarbe, welche sogar noch Pestizide gegen Algen enthielt. Schlussendlich funktionierte es nun mit einer mineralischen Farbe. So konnten wir auf Gifte verzichten, weil es sie schlicht und einfach nicht braucht.

Unterdessen läuft auch die Wärmepumpe und das ganze Solarsystem arbeitet wunderbar. Wenn mir langweilig ist, habe ich nun eine neue Lieblingsbeschäftigung: Auf dem Handy nachschauen, wie viel Strom die Solaranlage produziert. Ich bin gespannt, ob wir übers Jahr unseren Energiebedarf selbst decken können.

Tierische Gesellschaft

Am Unterdach haben wir zehn Vogelkästen für Mauersegler montiert, diese erhielten wir kostenlos von «Birdlife». Auf der Hinterseite des Hauses montierten wir einen Fledermauskasten. Mal schauen, wie lange es geht, bis die Tiere sie entdecken.

Während ich diesen Blogpost schreibe, sind die Arbeiter gerade am Abbau des Gerüstes. Bald kommt die schönste Arbeit: Die Hausumgebung neu bepflanzen. Geplant sind viele einheimische Wildstauden, Wildsträucher und kleine Sandinseln für Wildbienen. Das Ganze wird dann noch mit Totholzstücken und einer Blumenwiese ergänzt. Danach wird man mich des Öfteren auf Insektensafari direkt vor der Haustür antreffen.

Ups, da ist etwas «angeschmürzelt»! Ein Arbeiter verursachte einen Glimmbrand in der Holzfaserdämmung.
Ein Baugerüst bietet eine gute Gelegenheit, um Vogelkästen für Mauersegler zu montieren. Gesponsert wurden sie von Birdlife im Rahmen des Projektes «Aufwind für die Luzerner Vögel». (Bild: Marie-Louise Kieffer)

Obwohl die Arbeiterinnen (es war auch eine Frau hier, die Natursteine verlegt hat) sehr gut gearbeitet und wir gerne mit ihnen Kaffee getrunken haben, freuen wir uns natürlich auch wieder auf ruhigere Zeiten. Wir sind glücklich, dass wir ein eigenes Haus besitzen und dieses sogar noch umbauen konnten. Die Wohnqualität ist massiv gestiegen – und notabene auch der Wiederverkaufswert.

Geld zurück statt Ausgaben für Heizöl

Die in die Jahre gekommene Ölheizung war uns schon lange ein Dorn im Auge. Beim Heizungswechsel hatten wir eine Woche lang keine Heizung, und die Aussentemperaturen lagen unter null. Doch dank der neuen Isolation fielen die Temperaturen im Haus trotz fehlender Heizung nicht unter 18°C. Dies war sehr erstaunlich. Wir spürten nun auch die kalten Aussenwände nicht mehr, was uns wohlig warme Winter und kühle Sommer beschaffen wird.

Der Heizenergiebedarf dürfte also massiv sinken: Wir freuen uns darüber, dass wir jährlich nicht mehr tausende Franken für Öl ausgeben müssen, sondern vielleicht sogar etwas Geld von der PV-Anlage zurückbekommen. Die zusätzlichen Fördergelder des Kantons nehmen wir gerne, auch die Stadt Sursee beteiligte sich finanziell.

Nachhaltiges Bauen – es gibt noch Luft nach oben

Was uns aufgefallen ist: Das Thema Nachhaltigkeit ist bei vielen Baufirmen noch nicht wirklich angekommen und entsprechende Beratung war kaum ein Thema. Wenn wir etwas Umweltfreundliches wollten, mussten wir uns oft selbst informieren und Überzeugungsarbeit leisten.

Dank Fachpersonen der Umweltberatung Luzern wurden wir aber frühzeitig auf die wichtigsten Punkte hingewiesen und konnten die Weichen in die richtige Richtung stellen. Seit ich gehört habe, dass im Kanton Luzern die Baubranche 17 Mal mehr Abfälle produziert als Siedlungsabfall eingesammelt wird, beschäftigt mich das Thema noch viel mehr. Hier liegt noch ein gewaltiges Potenzial für Verbesserungen.

Tipps für die energetische Haussanierung

  • Lass dich beraten: Vorgehen, Materialwahl, Haustechnik und Fördergelder – alle Details sind wichtig für das Gelingen. Im Kanton Luzern berät die Umweltberatung Luzern kostenlos.
  • Die Erstellung eines GEAK (Gebäudeenergie-Etikette der Kantone) liefert eine Gesamtschau und einen guten Überblick über den Zustand des Hauses.
  • Es gibt viele verschiedene Fördergelder von Bund, Kanton und einzelnen Gemeinden, beispielsweise für Wärmedämmung, Heizungsersatz, Solaranlage und weiteres.
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Ob in der Wirtschaft & Energie, Natur & Tiere in der Stadt, Abfalltrennung & Recycling, bewussteres Essen, faire Mode, Accessoires & Möbel – das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt heute Jung und Alt.
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