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Notwohnungen – auch für Dorforiginale
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Ruedi Meier und Markus Achermann stehen vor der Liegenschaft, in der bald schon bedürftige Menschen wohnen werden. (Bild: rob)

47 Zimmer für Hilfsbedürftige in Luzern Notwohnungen – auch für Dorforiginale

4 min Lesezeit 16.11.2015, 15:08 Uhr

Am Zihlmattweg entsteht Wohnraum für Menschen in Krisensituationen. Der Verein «Die Pension» will damit eine Lücke schliessen: Leute, die von der Psychiatrie oder vom Gefängnis kommen, finden oftmals keine Bleibe. Auch «schräge Typen» bekommen hier Unterkunft.

Nun wird es konkret: Am Zihlmattweg 9 und 11 wird bald umgebaut und renoviert. Der Blockbau aus den Fünfzigerjahren, der beim Schulhaus Hubelmatt steht, soll ab nächstem Sommer Wohnraum bieten für Menschen, die Probleme haben und in einer Notsituation stecken (zentral+ berichtete).

Dafür werden die heutigen Wohnungen angepasst. Für 2,1 Millionen Franken will der Verein «Die Pension» 47 möblierte Zimmer zur Verfügung stellen. Im Parterre wird es einen grossen Essraum geben, in dem die zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen ihr Frühstück einnehmen und wo sie sich selber ihre Mahlzeiten zubereiten können. Das Baugesuch liegt seit Freitag öffentlich auf, die Arbeiten sollen von April bis Juni erfolgen.

Breit abgestützter Verein

Für Menschen in Not, die niederschwellige Angebote ohne umfassende Betreuung benötigen, gibt es im Raum Luzern zu wenig Angebote. Deshalb wurde 2012 der Verein «Die Pension» gegründet. Nach längerer Suche hat der Verein die Liegenschaft am Zihlmattweg 9/11 gefunden: Die Besitzerin, die Brockenhaus-Gesellschaft Luzern, stellt dem Verein die Liegenschaft zu günstigen Konditionen zur Verfügung.

«Die Pension» ist ein breit abgestützter Verein. Nebst Ruedi Meier, ehemaliger Grüner Sozialdirektor Luzerns, und Betriebsökonom Markus Achermann sind unter anderen auch der SVP-Kantonsrat Werner Schmid, Sonja Döbeli Stirnemann (FDP, Grosser Stadtrat), Franziska Bitzi (CVP, Grosser Stadtrat) und Melanie Setz Isenegger (SP, Grosser Stadtrat) mit dabei. Im Begleitrat ist Julius Kurmann, Chefarzt Stationäre Dienste der Luzerner Psychiatrie.

Psychisch belastete Menschen

Ruedi Meier, ehemaliger Stadtrat Luzerns und Präsident des Vereins, betont, dass man mit diesem Angebot eine Lücke schliessen möchte. «Es ist für Menschen gedacht, die beispielsweise aus einer psychiatrischen Klinik oder aus dem Gefängnis kommen und weder eine Wohnung noch einen Job haben.» Oder es können Menschen sein, welche man im Volksmund als «Dorforiginale» bezeichnet: Leute mit psychischen Auffälligkeiten, die am Rande der Gesellschaft leben. Für sie fehle es an geeigneten Angeboten. «Da braucht es kurzfristig einfache, unkomplizierte Lösungen», so Meier.

Das Haus am Zihlmattweg ist weder für Drogensüchtige noch für Menschen mit schweren psychischen Störungen gedacht. «Für diese Leute gibt es andere Institutionen», so Meier. Für Drogenabhängige gibt es Unterkünfte, die vom Verein Jobdach betrieben werden, für Menschen mit psychischen Erkrankungen stellt das Netzwerk Traversa Wohnungen zur Verfügung.

Zimmer für 1’250 Franken pro Monat

Markus Achermann leitet die Geschäftsstelle des Vereins. Er zählt vier mögliche «Bewohnertypen» auf: «Ein Viertel sind Arbeitslose, ein weiterer bezieht Sozialhilfe, ein Viertel arbeitet und einer bezieht eine Rente.» Alle diese Menschen erhalten nur ein niederschwelliges Angebot: Es gibt ein Zimmer, das täglich gereinigt wird, Bettwäsche und ein Frühstück pro Tag. Betreut werden die Bewohner nicht. Deshalb kommt das Haus mit sehr wenig Personal – 320 Stellenprozenten – aus, was wiederum hilft, die Kosten tief zu halten.

 

Ruedi Meier (links) und Markus Achermann.

Ruedi Meier (links) und Markus Achermann.

(Bild: rob)

Ein Zimmer wird im Durchschnitt pro Monat 1250 Franken kosten. «Der Preis ist bewusst niedrig», sagt Ruedi Meier. So können sich das Menschen, die von der Sozialhilfe oder von einer Rente leben müssen, knapp leisten. Damit wird der Betrieb annähernd selbsttragend sein. «Wir profitieren zudem von Sonderkonditionen bei der Miete, welche von der Besitzerin, der Brockenhaus-Gesellschaft Luzern, ermöglicht werden», so Achermann.

«Wir stehen in gutem Kontakt sowohl zum Schulhaus wie auch zum Quartierverein. Wir beherbergen keine Drogensüchtigen, deshalb wird es keine Probleme geben.»

Ruedi Meier, ehemaliger Stadtrat Luzern

Es fehlt noch Geld für den Umbau

Noch sind die 2,1 Millionen Franken für den Umbau und die Einrichtung nicht im Trockenen. Trotzdem sei das Projekt nicht gefährdet, versichert Ruedi Meier. «1,4 Millionen sind bereits zugesichert, weitere mehrere 100’000 Franken wurden in Aussicht gestellt.» Falls bis zum Baubeginn noch Geld fehlt, bestehe die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen aufzunehmen. Geldgeber sind vor allem private Stiftungen.

Und die Nachbarn? Gibt es Ängste, dass die neuen Bewohner Unruhe ins beschauliche Wohnquartier bringen werden? Nein, meint Ruedi Meier. «Wir stehen in gutem Kontakt sowohl zum Schulhaus wie auch zum Quartierverein. Wir beherbergen keine Drogensüchtigen, deshalb wird es keine Probleme geben», versichert der ehemalige Sozialvorsteher. «Es kann höchstens sein, dass der eine oder andere Bewohner nicht immer höflich grüsst, weil er vielleicht ein wenig introvertiert ist. Ein anderer ist vielleicht etwas überfröhlich.»

Keine Mehrkosten für die Stadt

Die heutigen Bewohner sind vor einem Jahr informiert worden und haben im September die Kündigung erhalten. «Es gab keine Probleme mit den bisherigen Mietern», so Meier. Falls jemand Mühe habe, eine passende Bleibe zu finden, werde ihnen der Verein bei der Wohnungssuche behilflich sein.

Die Zimmer am Zihlmattweg stehen übrigens nicht nur Hilfsbedürftigen aus der Stadt zur Verfügung. Das Haus soll für Menschen aus dem ganzen Kanton offen sein. Ruedi Meier betont, dass für die Stadt dadurch keine Mehrkosten entstehen. «Wenn ein Willisauer hier wohnt, dann zahlt auch dessen Gemeinde seine Sozialhilfe und damit die Miete», so Meier.

Ziel ist es, dass die meisten Bewohner zeitlich befristet in der Pension unterkommen sollen. «Wir möchten, dass sie von hier aus wieder den Weg in ein normales Leben finden können», sagt Markus Achermann. Angst, dass die Zimmer dereinst leer stehen werden, hat er nicht. «Wir haben jetzt schon Anfragen. Die Nachfrage nach dieser Wohnform wird gross sein, weil es nicht genügend Angebote dieser Art gibt.»

 

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