Mit dem Segen der Korporation: In Baar wird ein weiterer Sexbetrieb legal
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Im Gebäude dieser Garage soll ein Sexbetrieb legalisiert werden. (Bild: Beat Holdener)

Etablissement statt Wohnung Mit dem Segen der Korporation: In Baar wird ein weiterer Sexbetrieb legal

2 min Lesezeit 2 Kommentare 15.02.2021, 19:50 Uhr

Das horizontale Gewerbe setzt in Zug immer mehr auf Legalität statt Untergrund. In Baar werden Sexarbeiterinnen bald ganz offiziell ihre Dienste an der Altgasse anbieten. Es ist bereits der zweite legale Sexbetrieb in der Gemeinde.

Auf dem Areal der Garage Reichlin in Baar werden bald nicht nur an den Hecks der Autos, sondern auch an den Fenstern des Gebäudes rote Lichter aufleuchten. Das geht aus einem Baugesuch hervor, das derzeit auf der Gemeinde aufliegt: Eine Wohnung an der Altgasse 56 soll zum gewerbemässigen Sexbetrieb umgenutzt werden. Vorausgesetzt die Einsprachefrist verstreicht bis am 3. März ungenutzt.

Gesuchsteller ist der Besitzer der Garage Reichlin. «Ein Baugesuch ist wegen der Umnutzung vorgeschrieben», heisst es seitens der Firma auf Anfrage von Zentralplus. Die Garage Reichlin sei aber lediglich Vermieterin der erwähnten Räumlichkeiten, betreibe die Etablissements also nicht selbst.

Die Mieter sind auf dem Baugesuch nicht ausgewiesen. Dafür aber ein neckisches Detail: Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, gehört der alteingesessenen Korporation Baar Dorf. Diese rühmt sich, für die Trinkwasserversorgung der Stadt Baar mitverantwortlich zu sein, einen Forstbetrieb mit Holzenergieproduktion zu betreiben. Auch Kapellen und Festlokale vermietet sie.

Zu ihren Tätigkeiten gehört aber auch die Vergabe von Baurechtsland für privaten und genossenschaftlichen Wohnbau, Gewerbe und die öffentliche Hand sowie die Verpachtung von Landwirtschaftsland. Und nun kommt also eine weitere Dienstleistung zu ihrem Portfolio hinzu, die im Kanton Zug noch nicht oft legal angeboten wird.

Jimmi Gärtner ist der Pionier der legalen Sexbetriebe

Der erste legale Sexbetrieb im Kanton war der Escort-Service an der Zuger Baarerstrasse von Christian «Jimmy» Gärtner (zentralplus berichtete). Anfang des vergangenen Jahres hat er ein nachträgliches Baugesuch eingereicht, wie das langsam zur gängigen Praxis wird. Als «historisch» bezeichnete der Unternehmer diesen Schritt, der helfen soll, das Gewerbe aus dem «zwielichtigen Graubereich» weg, hin zum akzeptierten Gewerbe zu hieven.

Im März meldete dann der zweite Betrieb im Kanton Zug im Baarer Industriegebiet an der Ruessenstrasse offiziell seine Dienste bei den Behörden an (zentralplus berichtete). Damals gab der Betreiber zur Auskunft, dass er dem Rat eines bekannten Zürcher Milieu-Anwalts gefolgt sei, mit dessen Hilfe er schliesslich das entsprechende Gesuch zur Umnutzung der Räumlichkeiten erfolgreich bewilligt erhielt.

Und nun also folgt ein nächster Betrieb. Auch hier handelt es sich um ein kleines Etablissement, und nicht um einen «Erotik-Tempel». Sechs Parkplätze sind vorgesehen, davon sollen zwei für die Besucher reserviert sein. Da es sich um ein nachträgliches Baugesuch handelt, ist der Umbau schon abgeschlossen – er ging im Dezember über die Bühne, wie aus den Unterlagen hervorgeht.

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2 Kommentare
  1. Phil, 23.02.2021, 12:31 Uhr

    Als Anwohner der Altgasse in Baar bin ich kein Befürworter dieses Betriebes. Der Verkehr, vorallem in den Abendstunden ist höher und es liegt vermehrt Abfall wie etwa Masken und Zigaretten auf der Strasse verteilt.
    Die Altgasse ist ein sehr familienfreundliches Quartier und für einen Sexbetrieb hat es definitiv keinen Platz.

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  2. Xaver Andermatt, Zimmerei, 17.02.2021, 14:48 Uhr

    Interessant, genau vor einem Jahr, nach langem Rechtsstreit, zwang mich die Gemeinde Baar aus meiner Loft zurück in die alte Wohnung. Ich musste genau zur «Locdaunzeit» in eine acht Personen WG, meine Exwohnung umziehen!!?! In den neuen Baurechtsverträgen mit der Korporation steht ausdrücklich, dass kein Sexgewerbe betrieben werden darf. Dass neue Kundschaft ins Gewerbegebiet kommt, bemerkt man an falsch markierten Autos, mehr Abfall (Leergut, Masken, etc.) in und auf Privatgelände. Einfach schade.

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