Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Eklat: Kanton stellt Leiter der Luzerner Asylzentren per sofort frei
  • Politik
Zahlreiche Anwohner und Mitarbeiter des Kantons besuchten die Eröffnung des Asylzentrums Grosshof im Herbst 2017. (Bild: giw)

Machtspiele und Szenen wie im Film Eklat: Kanton stellt Leiter der Luzerner Asylzentren per sofort frei

3 min Lesezeit 1 Kommentar 20.06.2018, 15:33 Uhr

Vor zweieinhalb Jahren hat der Kanton das Luzerner Asyl- und Flüchtlingswesen übernommen. Seither machen immer wieder Negativschlagzeilen die Runde. Nun der nächste Knall: Der Leiter der Asylzentren wurde freigestellt. Adrian Portmann musste seinen Arbeitsplatz in einer für ihn unwürdigen Aktion per sofort räumen. Selbst private Kontakte werden den Mitarbeitern vom Kanton untersagt.

Weniger als ein Jahr leitete Adrian Portmann die Abteilung Zentren in der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) im Kanton Luzern. Diese ist mit neun Asylzentren, der mobilen Sicherheitspatrouille und über 100 Mitarbeitern die klar grösste Abteilung. Am 7. Juni wurde Portmann per sofort freigestellt.

Portmann bestätigt dies auf Anfrage gegenüber zentralplus. Seine sofortige Freistellung und angekündigte Entlassung seien jedoch nicht nachvollziehbar. Portmann verweist auf die fortschreitende Konsolidierung, die im Zentrenbereich aufgrund einer konstruktiven Zusammenarbeit der Leitungspersonen bereits seit Längerem feststellbar sei.

Unterstütze Zentralplus

«Ich habe mir absolut nichts zuschulden kommen lassen, was diese unwürdige Behandlung auch nur in Ansätzen rechtfertigen würde.»

Adrian Portmann, Leiter Zentren DAF

Insbesondere sei man in den letzten Monaten und Wochen auf gutem Weg gewesen. «Diese Zusammenarbeit jäh zu unterbrechen, hat unter den Mitarbeitern und externen Partnern weitgehend Fassungslosigkeit und Unverständnis ausgelöst», macht der 44-Jährige geltend.

Portmann fordert Aufhebung der Freistellung

Gegen die vom Arbeitgeber unternommenen Schritte werde er sich zusammen mit seinem Anwalt zur Wehr setzen, kündigt Portmann an. Er fordert die umgehende Aufhebung der Freistellung und die Wiedereinsetzung ins Amt, in das er im Juli 2017 ordentlich gewählt worden ist.

Adrian Portmann, freigestellter Leiter der Luzerner Asylzentren.

Adrian Portmann, freigestellter Leiter der Luzerner Asylzentren.

(Bild: zvg)

Die gegen ihn durch die Leitung ins Feld geführten Kritikpunkte sollten Gegenstand einer externen Befragung der Mitarbeiter werden, verlangt er. «Es geht darum, möglichst viel Transparenz zu schaffen. Alle DAF-Führungspersonen sollten sich einer Mitarbeiterbeurteilung stellen.» Eine Mitarbeiterbefragung gab es bei der DAF bisher noch nie.

Portmann wird offenbar unter anderem vorgeworfen, es fehle ihm an selbstkritischem Denken und er habe einen direktiven Führungsstil. Nebst den für ihn grösstenteils absurden und vorgeschobenen Vorwänden für seine plötzliche Amtsenthebung werde zudem mit einer angeblich nicht mehr vorhandenen Vertrauensbasis argumentiert, sagt Portmann selbst. Details zur Situation in der Dienststelle und den internen Vorgängen will er unter Berufung auf das Amtsgeheimnis, welchem er als Kantonsangestellter unterliegt, nicht äussern. Aber er fügt hinzu: «Ich habe mir absolut nichts zuschulden kommen lassen, was diese unwürdige Behandlung auch nur in Ansätzen rechtfertigen würde.»

Portmann durfte sich nicht von seinem Team verabschieden

Am Tag der Freistellung, so ist aus dem Umfeld des Gesundheits- und Sozialdepartements zu vernehmen, wurde Portmann durch Departementssekretär Erwin Roos informiert. Die Eröffnung erfolgte pikanterweise ausgerechnet am letzten Arbeitstag vor Portmanns Ferien. Im Anschluss folgten Szenen, die eher an die Hire-und-fire-Kultur in den USA erinnern. Erst wollte man Portmann offenbar zu einer gegenseitigen Schweigevereinbarung verpflichten. Dem hat er sich jedoch unter Verweis darauf, es gäbe dafür keine Rechtsgrundlage, widersetzt.

«Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes und weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir uns dazu nicht äussern.»

Erwin Roos, Departementssekretär Gesundheits- und Sozialdepartement

Portmann wurde laut Informationen von zentralplus anschliessend von einem Mitarbeiter der Dienststelle Personal an seinen Arbeitsplatz geführt. Dort musste er, unter Aufsicht, seine Sachen in bereitgestellte Taschen legen. Bereits am Vormittag wurden auch sein Geschäfts-E-Mail abgestellt, Schlüssel und Badge entzogen. Seit ein paar Tagen ist auch seine Geschäftsnummer stillgelegt.

Kanton ächtet Portmann mit einem Schreiben

Von seinen direkt unterstellten Teamleitern und übrigen Mitarbeitern der Asylzentren durfte er sich nicht verabschieden. Selbst private Kontakte mit dem kurzerhand «abservierten» Abteilungsleiter sind für alle DAF-Mitarbeitenden der Zentren gegenüber der Dienststellenleitung meldepflichtig. Dies geht aus einem zentralplus vorliegenden Schreiben von Departementssekretär Erwin Roos vom letzten Freitag hervor.

Das kommt einer Ächtung von Portmann gleich. Dem Abteilungsleiter ist es ausserdem verboten worden, das Gelände der Zentren zu betreten. Die Zentrumsleiter erhielten die Anweisung, ihn bei allfälligem Auftauchen umgehend wegzuweisen.

Beim Kanton schweigt man sich zu den Hintergründen des drastischen Entscheids aus. «Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes und weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir uns dazu nicht äussern», sagt Erwin Roos, Departementssekretär des Gesundheits- und Sozialdepartements. Doch im Umfeld der Dienststelle brodelt es – Dienststellenleiterin Silvia Bolliger wird dabei scharf attackiert. Hinweis: In Kürze folgt ein Beitrag dazu auf zentralplus.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Peter Estermann, 21.06.2018, 06:10 Uhr

    Rayonverbote, Ein- und Ausgrenzungen haben im Asylwesen Tradition. Wegen der fehlenden Finanzen ist die DAF auf Freiwilligenarbeit angewiesen. Nicht genehme Helfer werden genauso mit Hausverboten belegt, genauso “geächtet”. DAF-Stil.