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Die «Zentrumslast» der besonderen Art
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30 Kilo Heroin: Die Zuger Polizei hat im August in Cham die grösste je im Kanton Zug ermittelte Menge an Drogen sichergestellt. (Bild: zvg)

Drogen in Luzern und Zug Die «Zentrumslast» der besonderen Art

6 min Lesezeit 29.12.2013, 06:00 Uhr

«Haschisch, Kokain, Heroin?» – an berühmt-berüchtigten «Hotspots» ist der Handel mit illegalen Drogen offenbar Normalität. Das Problem der Luzerner und Zuger Polizei: Die Dealer seien «sehr mobil» und würden «sich sofort den einzelnen Begebenheiten anpassen». Es sei deshalb schwierig, der Lage wirklich Herr zu werden, erklären die Fachkräfte.

Es ist ein ganz normaler Samstagabend in der Luzerner Baselstrasse. Kurz nach 21 Uhr geht eine junge Frau in schnellen Schritten an der Bushaltestelle «Gütsch» vorbei, den Hauseingängen entlang in Richtung einer bei Insidern bekannten Bar. Ihre schwarze Winterjacke mit Kapuze ist unauffällig. Ihre Augen sind starr, der Blick müde und ihre Sprache langsam. «Ich komme jeden Tag hierher», sagt sie und lächelt verschmitzt. Sie werde sich ihre «tägliche Ration» besorgen. Ein Gramm Kokain koste ungefähr 120 Franken.

Danach verschwindet sie in einer Tür. Zwei Minuten später ist der Deal offenbar erledigt. «In der Baselstrasse kriegt man eigentlich alles», meint sie, als sie wieder auf dem Trottoir steht. Dann verabschiedet sie sich, macht sich auf den Weg in die Nacht und wünscht: «Einen schönen Abend noch.»

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Die Brennpunkte in Luzern

Die berüchtigte Baselstrasse gilt nach wie vor als «Hotspot» für den Handel mit illegalen Drogen. Aber auch an anderen Orten in Luzern sei die Nachfrage wie auch das Angebot sehr gross, sagt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei auf Anfrage von zentral+. Speziell die Stadt habe in diesem Fall eine «Zentrumsfunktion».

In der Baselstrasse sowie in der weiterführenden Bernstrasse Richtung Littau bekomme man vor allem kleinere Mengen. «Sicherlich ist es nicht so, dass Betäubungsmittel nur auf der Strasse gekauft werden können. Viele Deals werden ruhig und diskret in Wohnungen abgewickelt. Das Ziel der einzelnen Dealer ist ja, von der Polizei beim Drogenhandel nicht entdeckt zu werden», sagt Wigger.

Regelmässig finde der Handel mit illegalen Drogen auch in öffentlichen Verkehrsmitteln statt. Im Sommer seien eher die Gebiete mit viel Publikum beliebt, wie beispielsweise das Areal der «Ufschötti» am Vierwaldtättersee oder der Bahnhofplatz. Auch im Bereich von Ausgehlokalen in der Stadt und in der Agglomeration von Luzern würden Drogen angeboten.

Das Problem sei in Luzern grundsätzlich sehr markant und würde von der Polizei im Rahmen der vorhandenen Mittel bekämpft, sagt Wigger. «Wir sind uns bewusst, dass alle illegalen Betäubungsmittel in mittlerer bis guter Qualität und zu aktuellen Preisen auf dem Schwarzmarkt auch in Luzern erhältlich sind.» Gleichzeitig sei die Szene aber sehr mobil und passe sich sofort den einzelnen Begebenheiten an: zum Beispiel nach Polizeikontrollen, öffentlichem Druck oder je nach Verfügbarkeit der Drogen.

Dominikaner und Afrikaner als Marktführer

Laut Luzerner Kriminalbericht gibt es auf Stadtgebiet vereinzelt Drogenküchen, in denen Designerdrogen in kleineren Mengen hergestellt werden. Die grossen Mengen kämen jedoch mit Schmugglern aus dem Ausland in die Schweiz, vor allem aus Spanien und den Niederlanden.

Typischerweise werde der Kleinhandel mit Kokain in Luzern – wie übrigens in anderen Schweizer Städten auch – von sogenannten «Kügeli-Dealern» beherrscht: Die Dealer verstecken kleine Drogenbällchen im Mund, um sie bei einer drohenden Polizeikontrolle sofort schlucken zu können. Laut den Fachspezialisten der Polizei seien vor allem Händler aus der Dominikanischen Republik sowie Schwarzafrikaner aus Nigeria und Guinea als Marktführer bekannt. «Interkantonale und internationale Zusammenarbeiten in Ermittlungsverfahren zeigen unmissverständlich auf, dass diese Ethnie im Kokainhandel weitaus stärker als erahnt vertreten ist», schreibt die Polizei in ihrem Kriminalbericht.

Cannabis am weitesten verbreitet

Welche illegalen Drogen in welchen Mengen von Luzernerinnen und Luzernern konsumiert werden, lässt sich nur vermuten. «Zu jeder Statistik gehört in diesem Bereich auch ein Dunkelfeld», so die Luzerner Polizei. Einen ersten Hinweis zum Konsum geben die erfassten Delikte. Die beliebteste illegale Droge ist demnach Cannabis. Knapp 1’000 Kiffer gingen der Polizei 2012 ins Netz. Danach folgen mit rund 200 Anzeigen Konsumenten von Stimulanzien – darunter Kokain und Amphetamine. Um Opiate  – inklusive Heroin – handelte es sich im letzten Jahr bei 100 Kontrollierten. Halluzinogene Drogen (wie LSD) wurden gerade mal in drei Fällen sichergestellt. Ein ähnliches Mengenverhältnis spiegelt sich in den Handelsdelikten.

Zweitens geben die Zahlen der kantonalen Sozialberatungszentren Aufschluss. Die Gespräche drehten sich im 2012 um folgende illegale Drogen: Cannabis neun Prozent, dann bei drei Prozent um Methadon, Kokain und Opioide und schliesslich bei zwei Prozentum um Medikamente. Vielfach würden gemäss Sozialberatungszentrum SOBZ auch mehrere Substanzen gleichzeitig konsumiert. Bei 86 Prozent aller Gespräche ging es zudem um Alkoholsucht.

In Sachen Kokain sorgte ferner eine Studie des Eidgenössischen Instituts für Wasserforschung (Eawag) für Aufsehen, das 2012 zusammen mit der Universität Bern die Spuren von Kokain im Abwasser analysierte. Die Stadt Luzern sei demnach mit den Städten Bern, Genf und Zürich auf hohem Niveau. «Die Kokainmengen im Abwasser lagen dort im gleichen Bereich wie bei jenen europäischen Städten mit dem höchsten Konsum», kommentierte der Eawag-Verantwortliche Christoph Ort die Ergebnisse. Kokain gilt als Lifestyle-Droge und als Aufputschmittel zur Leistungssteigerung.

Repression in Zug

Wie verhält es sich mit illegalen Drogen in Zug? Dort ist die Kokainsucht – gemäss den Beratungsgesprächen der Sozialdienste – offenbar ein wichtigeres Thema als in Luzern. Laut Judith Halter, Leiterin der kantonalen Suchtberatung, wurde Kokain in sieben Prozent aller Sitzungen als Suchtproblem angesprochen. Haschisch oder Cannabis waren in 19 Prozent aller Fälle das Thema, Heroin und Aufputschmittel bei je vier Prozent. Auch in Zug steht zuvorderst eine legale Droge: Alkoholprobleme hatten 56 Prozent aller Beratenen.

Insgesamt betrachtet dürfte sich der Drogenkonsum aber nicht erhöht haben, meint Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. Die Zuger Polizei verfolge die Geschäfte sowie den Konsum in letzter Zeit sehr konsequent. Und die Ergebnisse dieser Repression sind augenfällig: «Als Folge der höheren Präsenz» registrierte die Zuger Polizei im Jahr 2012 laut Kriminalbericht mit 453 fast doppelt so viele Betäubungsmittel-Delikte als noch 2011 (269 Fälle).

Umschlagplatz am See?

Bei den meisten sichergestellten Drogen handelt es sich um Cannabis. Ob das vor allem mit verschärften Kontrollen rund um das städtische Lokal «Podium 41» an der Chamerstrasse zusammenhängt, will Schlatter gegenüber zentral+ nicht verraten. Dennoch wird das alternative Lokal in der Szene immer wieder genannt. «Wir möchten die uns bekannten Örtlichkeiten nicht öffentlich machen», sagt er.

Oft seien abgewiesene Asylbewerber in den Handel involviert. «Der Markt ist flexibel, überregional und verändert sich stetig. Wir richten unseren Fokus primär auf den Handel.» Insgesamt sei es laut Schlatter der Zuger Polizei aber gelungen, eine offene Drogenszene zu verhindern.

Als prekär wurde die Szene im Kanton Zug kaum je wahrgenommen. Vor zwei Jahren beschrieb der Zuger Stadtrat die allgemeine Situation betreffend Drogenkonsum und Drogenhandel als eher ruhig. Dies nach Abklärungen von Fachpersonen als Antwort auf eine Interpellation der Zuger FDP.

Spektakulärer Heroin-Fund

Im Normalfall stellt die Zuger Polizei eher geringe Mengen an illegalen Drogen sicher. Im ganzen Jahr 2012 waren das knapp 10 Kilogramm Marihuana und Haschisch, rund 700 Gramm Amphetamine, 230 Gramm Kokain und 100 Gramm Heroin. «Betäubungsmittel-Straftaten aufzudecken und anzuzeigen, fordert die Polizei ganz besonders», sagt Marcel Schlatter. «Es kommen immer neue Substanzen auf den Schwarzmarkt, der Handel wird stets neu organisiert und die Herkunftsorte und Schmuggelwege wechseln fortlaufend.»

Im Sommer 2013 konnte die Polizei jedoch in Cham bei einer gezielten Aktion 30 Kilogramm Heroin beschlagnahmen. Es ist mit Abstand die grösste Menge an Drogen, die je im Kanton Zug sichergestellt worden ist. Zudem gelang der Polizei am Zuger Bahnhof im November 2012 ein spektakulärer Coup: ein Händler mit einem Kilogramm Heroin wurde überführt.

Im November 2012 wurde am Bahnhof in Zug ein Kilogramm Heroin sichergestellt.

Im November 2012 wurde am Bahnhof in Zug ein Kilogramm Heroin sichergestellt.

(Bild: zvg)

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