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«Bundesbern ist auch kein grünes Paradies»
  • Politik
Michael Töngi wird künftig Politik in Bern betreiben. (Bild: Jutta Vogel)

Luzern: Michael Töngi rückt in Nationalrat nach «Bundesbern ist auch kein grünes Paradies»

4 min Lesezeit 08.12.2017, 10:59 Uhr

Louis Schelbert tritt als Nationalrat zurück. Für ihn rückt der Krienser Kantonsrat Michael Töngi nach. Die Wandelhalle ist für ihn kein Neuland.

Was sich bereits letztes Wochenende ankündigte, wird nun bestätigt. Louis Schelbert (Grüne) tritt nach 12 Jahren im Nationalrat zurück (zentralplus berichtete). Mit dem Überschreiten des 65. Altersjahrs habe er sich für den Rücktritt entschieden, teilen die Grünen des Kantons Luzern mit. Die Partei bedauert den Entscheid.

«Nach fast 35 Jahren institutioneller Politik auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene und mit dem Eintritt ins Rentenalter ist es Zeit, neuen Kräften Platz zu machen und im eigenen Leben selbst ein neues Kapitel aufzuschlagen», sagt Louis Schelbert.

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Töngi übernimmt das Mandat im März

Den Sitz von Louis Schelbert wird Michael Töngi am 12. März, in der dritten Woche der Frühjahrssession 2018 übernehmen. Der Krienser hat sich im Kantonsrat als Finanzspezialist einen Namen gemacht. «Er wird sich mit seinem  anerkanntem Engagement und seiner grossen politischen Erfahrung rasch in die Geschäfte des Nationalrates einarbeiten», schreiben die Grünen.

Töngi ist im Nationalrat der einzige Vertreter der Grünen aus der ganzen Zentralschweiz (bis 2011 vertrat Jo Lang Zug, er wurde jedoch abgewählt). Töngi hat eine politische Ochsentour im Kanton Luzern hinter sich, politisierte im Krienser Einwohnerrat, seit 2007 im Kantonsrat, kandidierte für den Regierungsrat – Zeit ihm einige Fragen zu stellen.

zentralplus: Michael Töngi, darf man von der Krönung Ihrer politischen Karriere sprechen?

Michael Töngi: Krönung hat so etwas Monarchisches, das passt nicht zu mir. Aber klar, ich bin lange politisch aktiv und es ist eine grosse Ehre, dass ich jetzt das Nationalratsmandat übernehmen darf.

zentralplus: Hat man Louis Schelbert zum Rücktritt gedrängt, damit Sie genügend Zeit erhalten sich einen Namen zu machen, um dann 2019 mit dem Bisherigen-Bonus in den Wahlkampf ziehen zu können?

Töngi: Nein, Louis Schelbert hat diesen Entscheid völlig frei gefällt. Aber natürlich ist es für eine kleine Partei von Vorteil, den Wechsel während der Legislatur und nicht auf die Wahlen hin zu machen.

«Der Sitz der Grünen war schon immer wacklig.»

zentralplus: Die Grünen konnten den Luzerner Sitz 2015 nur knapp verteidigen. Sie setzen sich auf einen wackligen Posten. Sind Sie besorgt, dass es ein kurzes Intermezzo werden könnte?

Töngi: Der Sitz der Grünen war schon immer wacklig. Es brauchte stets einen besonderen Effort, das wird 2019 nicht anders sein und ich gehe dieses Wagnis ein.

Michael Töngi vor dem Bahnhof Luzern.

Michael Töngi vor dem Bahnhof Luzern.

(Bild: Jutta Vogel)

zentralplus: Sie arbeiten als Generalsekretär beim Schweizer Mieterverband. Das Nationalratsmandat ist etwa ein 50-Prozent-Pensum. Wie geht es für Sie nun beruflich weiter?

Töngi: Ich gehe von einem noch höheren Engagement aus, es kommen ja auch noch Aufgaben in der Partei und in Verbänden dazu. Deshalb werde ich kündigen, alles andere würde nicht funktionieren und nicht zu meiner Lebensphilosophie passen.

zentralplus: Hatten Sie in ihrem Beruf bereits einen Badge für die Wandelhalle? Sie waren ja sozusagen oberster Lobbyist für alle Mieter.

Töngi: Ja, ich hatte Zutritt. Ich kenne auch bereits viele Parlamentarier und die Grüne Fraktion. Von Lobbyist zu sprechen, wäre aber verfehlt. Der Badge hat mir vor allem erlaubt, eng mit dem Präsidium des Mieterverbands zusammenzuarbeiten.

«Ich verlasse meine Fraktionskollegen nur ungern.»

zentralplus: In welchen Themen möchten Sie Schwerpunkte setzen? Haben Sie schon eine favorisierte Kommission?

Töngi: Ansprüche zu stellen wäre etwas frech, zuerst wählen die bisherigen Fraktionsmitglieder. Aber die Themen liegen auf der Hand. Als Präsident des VCS Luzern setze ich mich für eine umweltfreundliche Mobilität, als Generalsekretär des Schweizerischen Mieterverbandes für eine aktive Wohnpolitik und als fundierter Finanzpolitiker für eine gerechte Steuerpolitik ein. Wichtige Weichenstellungen in der Klima- und Umweltpolitik werden in Bundesbern gestellt – da will ich im Auftrag umweltbewusster Wähler mitwirken.

zentralplus: Sie wechseln nun nach Bern. Sind Sie froh, sich künftig nicht mehr mit der Luzerner Finanzpolitik herumschlagen zu müssen?

Töngi: (Lacht). Wenn sich ein Kapitel schliesst, bin ich immer wehmütig. Ich verlasse meine Fraktionskollegen nur ungern. Und nein, mir ist die Kantonspolitik nicht verleidet, auch wenn es logischerweise für uns Grüne manchmal hart ist. Aber Bundesbern ist ja auch kein grünes Paradies.

zentralplus: Sie wussten ja seit den letzten Wahlen, dass der Wechsel nach Bern folgen könnte. Seit wann beschäftigen sich intensiv mit diesem Szenario?

Töngi: Vor meiner Regierungsratskandidatur 2015 hatte ich mir während einer Bedenkzeit intensiv überlegt, wohin der Weg führt und mich entschieden, politisch nochmals einen Zacken zuzulegen. Hier fliesst mein Herzblut, hier bin ich engagiert. Dass es nun mit dem Gang nach Bern klappt, freut mich umso mehr.

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