«Auch Abfall kann schön sein»
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Links ein köstliches Menu mit Fisch, rechts der entstandene Abfall. (Bild: zvg)

Luzerner Duo mit aussergewöhnlichen Foodfotografien «Auch Abfall kann schön sein»

4 min Lesezeit 10.01.2020, 12:30 Uhr

Ron Edwards und Rahel Rüttimann aus Luzern kochen gerne und stellen Bilder ihrer Menus ins Netz. Sobald Fleisch auf den Teller kommt, setzt es dabei zahlreiche Kommentare ab. Ab diesem Freitag werden Bilder der beiden an der «photoSchweiz» in Zürich gezeigt. Nebst den schön angerichteten Menus hat das Duo auch die Abfälle bildlich festgehalten.

Rahel Rüttimann (27) kocht sehr gern. Auch ihr Partner Ron Edwards (32) geniesst es, den Kochlöffel zu schwingen. Ihre von ihnen bekochten Freunde forderten sie auf, daraus etwas zu machen. «So entstand vor etwa drei Jahren die Idee, einen Foodblog zu starten», erinnert sich Rahel. Sie ist gelernte Polydesignerin 3D – also Dekorateurin, Edwards arbeitet als Online Marketing Berater. Während sie gerne kocht und das Essen schön inszeniert, zückt er lieber die Kamera, denn Fotografie ist schon lange seine Leidenschaft.

«So hat das langsam angefangen. Nach etwa einem Jahr kamen dann die ersten Foto-Anfragen von Restaurants und Produzenten, die zum Beispiel über unsere Beiträge auf Instagram auf uns aufmerksam wurden», sagt Ron Edwards. Sie seien da ziemlich reingerutscht und hätten das nicht von Anfang an geplant, schmunzelt seine Partnerin.

Genügend Zeit als Herausforderung

Das Paar, das gerade von Sursee nach Luzern zieht, nimmt seine Aufgabe sehr ernst. «Einige Kunden sind erstaunt, dass wir nicht einfach ‹schnell vorbeikommen und fötelen›, sondern uns mit ihnen treffen, uns Zeit nehmen, uns von ihnen ihr Konzept erklären lassen, ein Moodboard machen und möglichst viel definieren und festlegen, bevor das erste Bild geschossen wird», erklärt der Fotograf. Genug Zeit zu haben sei die grösste Schwierigkeit, sagt Rahel Rüttimann.

Rahel Rüttimann und Ron Edwards haben anfänglich hobbymässig begonnen. Mittlerweile verdienen sie Geld mit ihrer Arbeit.

«Uns ist Ehrlichkeit in unseren Bildern wichtig, da wird nicht geschummelt.» So werde kein künstlicher Dampf erzeugt, damit das Essen länger dampfend aussieht. «Wir wollen das nicht, deshalb ist das richtige Timing wichtig. Wenn ein Teller aus der Küche kommt, sieht er in diesem Augenblick super aus. Doch wenn er etwas rumsteht, nimmt die Attraktivität oft ab – es muss also schnell gehen», weiss sie.

Geht’s um Fleisch, hagelt’s Kommentare

Die beiden waren keine Profis, als sie mit ihrem Blog anfingen, sondern lernten vieles durch Ausprobieren. «Wir haben immer Bilder erst dann gepostet, wenn wir als Perfektionisten dahinterstehen konnten», sagt Edwards. Manchmal hätten sie dann halt entschieden, ein Bild nicht zu posten, wie etwa das von der Blumenkohlsuppe, die auf den Fotos einfach zu grau aussah. Oder sie warfen unterschiedliche Gegenstände in einen Milchshake, bis dieser auf die gewünschte Art spritzte.

In Zeiten, in der es den Begriff «Foodporn» gibt und auf Social-Media-Kanälen überall Essen fotografiert wird, wo positionieren sich die beiden? «Bei unseren eigenen Projekten wollen wir Lust aufs Kochen und Geniessen machen. Man soll sich für beides Zeit nehmen. Echtheit und Nachhaltigkeit liegt uns am Herzen. Das heisst für uns: Regionale, saisonale Produkte. Aber Foodtrends versuchen wir zu ignorieren», betont Rüttimann. Wenn die beiden Bilder von Fleischgerichten posten, wird es rasch hitzig in den Kommentarspalten. Dem versuchen sie nicht zu viel Beachtung zu schenken.

Gemeinsames Arbeiten stärkte die Beziehung

Inzwischen haben die zwei ihr Arbeitspensum reduziert und könnten sich vorstellen, in Zukunft sogar noch mehr als Selbständige zu arbeiten. Auch, um etwas Freizeit zurückzuerobern, denn sie haben nur noch theoretische Hobbies wie Yoga oder Golf, zu denen sie neben ihrem Beruf und ihrem Projekt nicht mehr kommen.

Die beiden bieten Firmen nicht nur Fotografie an, sondern managen auch deren Social-Media-Auftritt und kreieren Webseiten. «Mit der Kombination Styling, Fotografie, Kommunikation und Werbung beziehungsweise Marketing können wir ein schönes Päckchen für unsere Kunden schnüren. Wir haben eine Nische gefunden, die uns sehr grossen Spass macht», sagt Edwards. Dass es als Paar schwierig sein könnte, zusammenzuarbeiten, finden sie nicht. «Im Gegenteil. Ich finde, unsere Diskussionen, wenn wir uns nicht einig sind, haben uns eher einander näher gebracht. Wir können ehrlicher sein zu einander», betont Rüttimann.

Auch hier wurden ein Menu und der entstandene Abfall bildlich festgehalten.

Zum zweiten Mal wurden Rahel Rüttimann und Ron Edwards nun ausgewählt, ihre Bilder an der Schweizer Fotowerkschau photoSchweiz in Zürich auszustellen. «Neben unseren Aufträgen für die Kunden sind uns unsere eigenen Projekte schon auch wichtig. Wir überlegen uns gern Geschichten, entwickeln Ideen und setzen sie mit einem künstlerischen Zugang um. So auch bei den Bildern, mit denen wir uns hier beworben haben», erläutert Rüttimann. Auf einem Bild zeigen sie ein Gericht, auf dem gegenüberliegenden ein zweiter Teller, auf dem der Abfall vom Gericht schön angerichtet ist. «Wir wollen damit weniger über Nachhaltigkeit und Foodwaste diskutieren, sondern zum Schmunzeln anregen: Auch Abfall kann schön sein», sagt Ron Edwards.

An der Ausstellung kann man die Bilder des Duos auch kaufen. «Fotografie hat eine Zeit lang an Wert verloren – jeder denkt, er könne fotografieren, wenn er auf ein Gericht das Handy richtet. Doch unsere Kunden merken den Qualitätsunterschied schnell. Deshalb denke ich, dass der Wert professioneller Fotografie im direkten Vergleich eher steigen wird», ist der 32-Jährige überzeugt. Wer sich auch davon überzeugen will, kann noch bis nächsten Dienstag die photoSchweiz in Zürich besuchen.

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