Asylsuchende in der Psychiatrie
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Wird für acht Monate zur Asyl-Notunterkunft: Das baufällige Gebäude für die Alterspsychiatrie auf dem Areal der Luzerner Psychiatrie in St. Urban. (Bild: Kanton Luzern)

Notunterkunft in St. Urban Asylsuchende in der Psychiatrie

3 min Lesezeit 15.07.2015, 12:32 Uhr

Not macht erfinderisch: Die Luzerner Psychiatrie in St. Urban stellt dem Kanton Luzern eine befristete Notunterkunft zur Verfügung. Im Gebäude der ehemaligen Alterspsychiatrie werden von nun an bis zu 70 Asylsuchende platziert. Widerstand werde keiner erwartet, sagt der Flüchtlingskoordinator.

Zusätzliche Plätze sind dringend nötig, wie der Kanton Luzern am Mittwochvormittag mitteilte. Die Unterbringungssituation im Asyl- und Flüchtlingsbereich habe sich in den letzten Wochen drastisch verschärft. Gemäss Prognose des Bundes sei es nicht unrealistisch, dass der Kanton Luzern monatlich bis zu 190 neue Asylsuchende aufnehmen müsse. Dazu komme, dass es infolge der hohen Schutzgewährungsquote kaum Abgänge aus den Unterkünften gebe. Die kantonalen Asylzentren sowie die bestehenden Notunterkünfte seien bereits überbelegt, bis Ende Juli werde die oberste Auslastungsgrenze erreicht sein.

Psychiatrie stellt Gebäude zur Verfügung

Nun eilt die Luzerner Psychiatrie (Lups) in St. Urban dem Kanton zur Hilfe. Die Unterkunft der ehemaligen Alterspsychiatrie kann aufgrund ihres baulichen Zustandes für den Betrieb der Lups nicht mehr genutzt werden. «Das Gebäude wird für den Klinikbetrieb nicht mehr gebraucht und steht leer. Wir können es ohne Räumung übernehmen», sagt Simon Gerber, stellvertretender Asyl- und Flüchtlingskoordinator von der Dienststelle Soziales und Gesellschaft (DISG). Bauliche Massnahmen seien nicht nötig. «Wir statten die Unterkunft lediglich mit Kajüten-Betten und Kochnischen aus.» Die Asylsuchenden würden sich selbst verpflegen.

Gemeinde unterstützt Zwischenlösung

Auch der Gemeinderat von Pfaffnau-St. Urban unterstützt die befristete Lösung. Gemeindepräsident Thomas Grüter: «Das Asylwesen ist eine Verbundaufgabe, zu der auch die Luzerner Gemeinden ihren Beitrag leisten müssen.» Die direkt betroffene Bevölkerung wurde durch den Kanton Luzern mit heutiger Post schriftlich über die befristete Notunterkunft informiert. Eine öffentliche Informationsveranstaltung ist nicht geplant.

Nach Abschluss aller Vorbereitungen bietet die Unterkunft ab kommendem August bis zu 70 Personen Platz. Laut Simon Gerber handelt es sich um ein Asylzentrum mit gemischter Unterbringung. «Frauen, Männer, Familien und Jugendliche leben in getrennten Räumen unter einem Dach.» Nach acht Monaten muss das Haus dann allerdings bereits wieder geräumt werden. Im Frühjahr 2016 wird das Gebäude abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein Ersatzneubau für die Alterspsychiatrie.

Kein Widerstand erwartet

Was sich der Kanton das Gastrecht bei der Luzerner Psychiatrie kosten lässt, darüber hält sich die DISG bedeckt. «Über die Kosten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Angaben machen», so Gerber. Der Aufwand werde sich aber «in einem dafür üblichen Rahmen» bewegen. Grösste Kostenpunkte sind laut Gerber der Mietzins für die Unterkunft, der Betrieb durch die Caritas und die Sicherheitsmassnahmen.

Wie die DISG weiter berichtet, hätten die guten Erfahrungen als direkter Nachbar zum Asylzentrum Hirschpark in Luzern die Lups dazu bewogen, das Haus als temporäre Notunterkunft für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen. «Beim Asylzentrum Hirschpark, das von der Art her mit demjenigen in St. Urban vergleichbar ist, haben wir keine negativen Rückmeldungen erhalten. Der Betrieb läuft problemlos», betont Gerber. Gleiches erwartet er auch in St. Urban. Klar, es gebe immer welche, die mit einer Asylunterkunft im Dorf etwas Mühe bekunden. Grosser Widerstand aber werde nicht erwartet.

Unterkunft wird rund um die Uhr betreut

Das temporäre Asylzentrum St. Urban wird in einem 24-Stunden-Betrieb geführt. Bis Ende 2015 nimmt die Caritas Luzern diese Aufgabe im Rahmen des noch laufenden Leistungsauftrages wahr. Ab Januar 2016 stellt der Kanton Luzern die Betreuung in Eigenregie sicher.

Sicherheitsdienst sorgt für Ordnung

Für die Sicherheit rund um die Notunterkunft wird in Koordination mit der Luzerner Psychiatrie (Lups) ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt. Eine Gruppe von Vertretern der Lups, der Gemeinde Pfaffnau-St. Urban, des Kantons sowie der Bevölkerung wird den Betrieb der Notunterkunft begleiten. Sie trifft sich regelmässig und kann bei allfälligen Problemen Massnahmen für den weiteren Betrieb definieren. Das angrenzende Schulareal sowie das Klinik- und das Klostergebäud – nicht so aber die Kirche – sind als sensible Zonen definiert. Die Hausordnung schreibt den Asylsuchenden vor, sich von diesen Zonen fernzuhalten.

Feste Tagesstrukturen

Um den Asylsuchenden Tagesstrukturen zu bieten, sind laut Kanton gemeinnützige Arbeitseinsätze wie Umgebungspflege, Instandstellung von Wanderwegen, Wald- und Bachufersäuberungen zugunsten der Lups sowie der Gemeinde Pfaffnau-St. Urban geplant. Für die gemeinnützigen Einsätze werden die Asylsuchenden mit einem Motivationsbeitrag von maximal 10 Franken pro Tag über die wirtschaftliche Sozialhilfe entschädigt.

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