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Zwischennutzung: Zug stellt Raum gratis zur Verfügung
  • Gesellschaft
Von Damian Müller und Franz Knopflin 1711 bis 1721 als erstes Zuger Schulhaus errichtet: Das künftige Haus des Lernens an der Oswaldsgasse 20. (Bild: mam)

Wie Haus des Lernens Konturen erhalten soll Zwischennutzung: Zug stellt Raum gratis zur Verfügung

5 min Lesezeit 11.09.2019, 19:07 Uhr

Nach dem Umzug der Zuger Stadtverwaltung aufs Landis-&-Gyr-Areal werden im Zentrum der Stadt eine Menge Liegenschaften umgenutzt. Am südlichen Ende der Altstadt, im ehemaligen Gebäude des Baudepartements, gibt es für bildungsaffine Leute ein echtes Schnäppchen.

Ungefähr zwei Jahre lang wird sie nach dem Willen der Zuger Stadtregierung bestehen: die Zwischennutzung an der Sankt-Oswalds-Gasse 20, einem mächtigen Bau im Süden der Zuger Altstadt.

Hier war im 18. Jahrhundert das erste Schulhaus der Stadt entstanden. Hier war zuletzt das städtische Baudepartement untergebracht – bevor es beziehungsweise seine Angestellten Anfang Sommer ins ehemalige Landis-&-Gyr-Gebäude an der Gubelstrasse zog.

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Proberäume für laute Instrumentalisten

«Wir befinden uns hier inmitten eines Bildungsclusters», sagte Stadträtin Vroni Straub (CSP) am Mittwoch, als sie im Haus eine Ausstellung über die Stadtzuger Bildungslandschaft eröffnete. Neben der Bibliothek Zug und neben dem Dokumentationszentrum Doku-Zug sowie unweit der Pädagogischen Hochschule soll künftig ein «Haus des Lernens» entstehen.

«Wir möchten einen Treffpunkt für Leute aus dem Süden von Zug schaffen.»

Vroni Straub, Schulvorsteherin (CSP)

Bereits fest steht, dass der Musikschule der Stadt Zug, die in Raumnot ist, zusätzlicher Platz zur Verfügung gestellt wird. «Es braucht Proberäume für Musikschüler, die zu Hause nicht üben können», sagt Straub.

Gratis und franko

Ausserdem wird die Bibliothek Zug im Haus eine Niederlassung errichten und Kurse abhalten. Auch finden heute schon Deutschkurse für Migranten in den Räumlichkeiten statt, wie Straub sagt.

Vroni Straub: «Bin froh, dass mir der Zuger Stadtrat ermöglicht, dieses Haus zu besetzen».

Wie das Haus des Lernens ansonsten genau aussehen wird, ist noch offen. «Wir möchten hier einen Treffpunkt für Leute aus dem Süden der Stadt Zug schaffen», sagt Straub. Ausserdem wird Leuten, die Veranstaltungen, Schulungen oder Kurse im Bildungsbereich durchführen, Raum in den nächsten zwei Jahren gratis und franko zur Verfügung gestellt.

Bedürfnisse klären

Feste Platzzuteilungen an Vereine oder Einrichtungen mit Bleibegarantien will Straub vermeiden. «Die Zwischennutzung soll bewusst offen gehalten werden», so die Schulvorsteherin.

In rund zwei Jahren will die Stadtregierung dann mit einem Kreditbegehren ans Stadtparlament treten. «Wir brauchen Geld für einen Lift», sagt Straub. Denn die Räumlichkeiten sollten hindernisfrei ausgebaut auch für Menschen mit Beeinträchtigung erreichbar sein. Bis dann, glaubt Straub, werde auch klar, wie man das Haus des Lernens im Interesse der Öffentlichkeit am besten ausgestalte. «Ich bin aber jetzt schon froh, dass mir der Stadtrat ermöglicht, dieses Haus zu besetzen.»

Stadtplan mit allen Bildungsorten: Ausstellung «Bildungslandschaft Zug – säen, pflegen, ernten».

Ersatzpläne fürs Haus Zentrum

Der grösste Teil der Stadtverwaltung war bis im Frühjahr im Haus Zentrum an der Münzgasse untergebracht, wo einst das Hotel Hirschen stand. Diese Liegenschaft hat die Stadt Zug bekanntlich gegen ein Stück Land eingetauscht und an die Korporation Zug abgetreten.

Das Haus (mit Nase) liegt derzeit dunkel und verlassen da. Pläne für einen Neubau mit altstadtgerechterer Architektur als bisher hegt die Korporation bereits seit 2017. Damals wurde ein Gestaltungswettbewerb für den «Hirschen» und das dahinterliegende Geissweid-Quartier vorgestellt.

Haus mit Nase: Das von den Stadtzugern ungeliebte Haus Zentrum soll bald durch einen Neubau ersetzt werden.

Baugesuch noch im September

Das Projekt ist mittlerweile überarbeitet und auf guten Wegen: «Wir wollen noch im Verlaufe des Septembers die Baueingabe machen», sagt Korporationsschreiber Daniel Schwerzmann.

Auch die Zukunft weiterer Liegenschaften der Stadt ist nunmehr geklärt. Das Zollhaus ist an den Kanton vermietet worden, das ehemalige Stadthaus am Kolinplatz wird derzeit «mietergerecht» umgebaut, und mit verbessertem Brandschutz ausgestattet, wie Finanzchef André Wicki (SVP) sagt, der bis Ende 2018 das Baudepartement geleitet hatte. 

Bekanntlich wird das Stadthaus per Dezember an die Seba Crypto AG vermietet, eine Firma aus dem Crypto Valley (zentralplus berichtete).

Stadtschulen soeben umgezogen

Die letzte Abteilung der städtischen Verwaltung, die auf dem Landis-&-Gyr-Areal eingetroffen ist, ist die Schulverwaltung. Die Leute von den Stadtschulen Zug haben ihre Sachen erst nach den Schulferien gepackt und die Ägeristrasse 7 verlassen.

Auch hier hat die Stadt Zug mittlerweile eine Nachmieterin gefunden. Am Mittwoch präsentierte sie die Azenes GmbH. Das bereits heute in Zug ansässige Unternehmen ist im Bereich der versicherungsmathematischen Beratung tätig und beschäftigt rund zehn Mitarbeitende.

Erleichterter Finanzchef

Den Verkauf der eigenen Liegenschaften hatte der Zuger Stadtrat kategorisch ausgeschlossen. «Ich bin deshalb froh, dass wir auch für den Standort an der Ägeristrasse eine wirklich gute Firma gefunden haben», so Wicki. Das Nachnutzungskonzept für die städtischen Liegenschaften in der Altstadt habe so umgesetzt werden können.

«Das Nutzungskonzept beweist, wie stark dem Zuger Stadtrat die Altstadt am Herzen liegt.»

André Wicki, Zuger Finanzvorsteher (SVP)

Der Umzug der Stadtverwaltung aufs Landis-&-Gyr-Areal folgte aus der Unmöglichkeit, das Haus Zentrum umzugestalten. Die Stadtregierung hatte vor 10 Jahren mit einem Neubauprojekt an der Urne Schiffbruch erlitten. Der Verkauf des Haus Zentrum/«Hirschen» an die Korporation stellte das Zerschlagen eines gordischen Knotens dar.

Neue Wohnungen an der Münzgasse

Dennoch wurde der Umzug und der Kauf des Landis-&-Gyr-Areals an der Gubelstrasse politisch heftig bekämpft. Dagegen sprach etwa das Gefühl, die Stadtverwaltung lasse die Zuger Altstadt im Stich – verrate quasi ihre Wurzeln.

Wohl deshalb betont André Wicki im Gespräch, wie die Altstadt mit dem Nachnutzungskonzept aufgewertet wird. Die Korporation Zug wolle mit ihrem Neubauprojekt «Hirschen/Geissweid» Wohnungen und Alterswohnungen erstellen.

«Mehr Mitarbeitende als wir»

Das Haus des Lernens verschaffe beengten Institutionen mehr Platz und eröffne neue Möglichkeiten. Und die beiden Firmen an Kolinplatz und Ägeristrasse würden die Altstadt beleben.

«Seba Crypto hat etwa 50 Mitarbeitende», sagt Wicki. Das sind viel mehr Leute, als wir im Stadthaus untergebracht hatten.»  Insgesamt so Wicki, «beweist dies, wie stark dem Zuger Stadtrat die Altstadt am Herzen liegt.»

Altes Zuger Stadthaus in der Mitte: Es wird vor der Vermietung umgebaut. (Bild: mam)

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