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Zwischen Industriebrache, Eisfeld und Liebe bleibt der Knall aus
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Freilichtspiele. EWL (Bild: zvg)

Luzerner Freilichtspiele laden aufs EWL-Areal Zwischen Industriebrache, Eisfeld und Liebe bleibt der Knall aus

3 min Lesezeit 12.06.2019, 13:20 Uhr

Mit Shakespeares Liebes-Wirrwarr-Stück «Was ihr wollt» laden die Freilichtspiele irgendwo zwischen Sommer und Winter auf ein Eisfeld auf dem EWL-Areal. Die Kostüme sitzen, das Publikum kichert, alles läuft rund – vielleicht zu rund.

«Dass mer niemert ohni Schlittschueh ufs Ys gohd», begrüsst Eismeister Sargtoni das Publikum der Luzerner Freilichtspiele und führt sie damit in die Szenerie aufs Glatteis.

Denn im Gegensatz zu Luzern herrscht auf der Insel Illyrien Winter, genauer gesagt die «zwölfte Rauhnacht», eine Nacht zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Die Bühne: eine riesige Eisfläche, die sich inmitten des EWL-Areals befindet (zentralplus berichtete).

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Auf der künstlichen Eisfläche wird das Shakespeare-Original «Was ihr wollt» aufgeführt. Dieses wurde eigens für die Freilichtspiele von Autor Thomas Hürlimann umgeschrieben. Regie führt Barbara Schlumpf.

«Bald nachtets i und alles wird andersch si», kündigt die Hexe an. Und tatsächlich: Langsam, aber sicher verschwindet die Sonne hinter dem Eisfeld und dem «Roten Haus». Die Szenerie aus Industrie und grauer Brache wird zur Theaterkulisse.

Die vorbeifahrenden Busse und sogar der aus der Ferne zu vernehmende Ed-Sheeran-Song stören nicht. Im Gegenteil: Sie gehören dazu.

Wo die Liebe hinfällt …

Durch farbiges Licht oder Projektionen auf die Fassade des ehemaligen Industriebaus wird die jeweilige Stimmung verstärkt, bis schliesslich die Nacht hereinbricht und nur noch der Scheinwerfer und das Licht aus dem «Roten Haus» die Bühne erhellen.

Bis zum Nachteinbruch ist bereits so einiges geschehen: Ein Delfin ist an Land zur Ente mutiert, die Gräfin Olivia feierte ihre Hochzeit, falsche Liebesbriefe wurden verfasst und andere genossen schlichtweg ihren Urlaub auf Illyrien. Alles rund um die im Zentrum stehenden Figuren Viola und Gräfin Olivia – beide Schauspielerinnen überzeugen.

Freilichtspiele. EWL

Sargtoni führt im Stück der Freilichtspiele Luzern «Was ihr wollt» durch seine Werkstatt und den Abend.

(Bild: zvg)

Verkleidet, verwandelt, verwechselt, verknallt, verwirrt finden Paare zueinander, um sich später zu trennen und in einer anderen Konstellation wiederzufinden. Stets mit Shakespear’schen Fragen unterwegs, wer hier wen liebt oder nicht, wird die wahre Liebe gesucht. Die Schauspieler gleiten dabei – mal mehr, mal weniger elegant – über die künstliche Eisfläche hinweg.

Infos zur Aufführung «Was ihr wollt»:

Aufgeführt wird das Stück «Was ihr wollt» von William Shakespeare noch bis am 13. Juli auf dem EWL-Areal in Luzern. Die Aufführung findet zwar draussen, aber mit gedeckter Tribüne statt und dauert rund 90 Minuten.

Das 1602 uraufgeführte Stück wurde für die Freilichtspiele Luzern von Autor Thomas Hürlimann umgeschrieben und mit neuen Figuren und schweizerdeutscher Sprache mit einer eigenen Handschrift versehen. Regie führt Barbara Schlumpf.

Der grosse Knüller lässt auf sich warten

Alles wirkt flüssig, man merkt: Jeder Gang übers Eisfeld wurde aufeinander abgestimmt. Symmetrisch und im Takt der Musik gleiten die Schauspielerinnen aufeinander zu, aneinander vorbei. Holperer auf der Eisfläche gibt es zwar, darf es aber auch haben.

Denn in all der «Geplantheit» wartet man vergebens auf das grosse Tohuwabohu, auf das heillose Durcheinander, wo die eine oder der andere mit dem einen oder der anderen verwechselt wird. Wo man die Bäume vor lauter Wald nicht mehr sieht, das Wirrwarr seinen Höhepunkt findet, und schliesslich in einem grossen Knall aufgelöst wird.

Viel eher werden die im Stück zentralen Verwechslungsmomente in einer eher romantischen, ruhigen Situation geklärt und dem Stück so eine gewisse Komik geraubt.

Toby Junker rettet die Show

Die ganz grossen Lacher in Schenkelklopfmanier bleiben deshalb leider aus. Dies, obwohl die Schauspieler mit Situationskomik durchaus überzeugen. So sind unter anderem der Delfin beziehungsweise die Ente, aber auch «der Junker, Toby» Publikumslieblinge.

Besonders das Ehepaar Junker, welches auf der Insel Illyrien ihre Ferien geniesst, bringt dem Stück eine weitere, ironisch-komische Ebene, mit der es sich auch im 21. Jahrhundert identifizieren lässt. Mit solchem Aktualitätsbezug hätte man noch mehr spielen dürfen, um dem Publikum mehr Tiefe zu bieten.

Weitere Eindrücke der diesjährigen Freilichtspiele Luzern:

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