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Zweiter Wahlgang – es bleibt kaum Zeit für taktische Spielchen
  • Politik
Die beiden Ständeratskandidatinnen Barbara Gysel und Tabea Zimmermann Gibson freuen sich über ihren Achtungserfolg. (Bild: sib)

Hektik um Zuger Ständeratswahl Zweiter Wahlgang – es bleibt kaum Zeit für taktische Spielchen

5 min Lesezeit 3 Kommentare 21.10.2019, 15:00 Uhr

Der zweite Ständerat für den Kanton Zug wird in knapp vier Wochen gewählt. Die Frist für erneute Kandidaturen ist extrem knapp. Ob die Parteien mit ihren Entscheidungen den Ausgang des zweiten Wahlgangs noch beeinflussen können, ist deshalb fraglich.

Bereits am Dienstag müssen die fünf nicht gewählten Zuger Kandidatinnen und Kandidaten für den Ständerat entschieden haben, ob sie für den zweiten Wahlkampf nochmals antreten wollen. «Das ist ein kurzer Zeitraum», sagte Landschreiber Thomas Moser am Sonntag.  «Aber die Parteien sind davon schon vor langem in Kenntnis gesetzt worden.»

In der Tat geht nun die grosse Diskussion los: Wer soll den wiedergewählten Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin ins Stöckli begleiten? Und was könnte einem der beiden praktisch gleichauf liegenden Mitbewerber Matthias Michel (FDP) und Heinz Tännler  (SVP) den entscheidenden Vorteil im Ausstich verschaffen?

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Werben um Wähler der CVP

Für FDP-Wahlkampfleiter Jürg Portmann ist klar: «Wir zählen auf die Unterstützung der CVP.» Schliesslich waren die Freisinnigen mit den Christdemokraten bei den Nationalratswahlen eine Listenverbindung eingegangen. Die den Sitzverlust der FDP freilich nicht verhindern konnte.

Laura Dittli, Präsidentin der CVP des Kantons Zug, will sich jedoch nicht festlegen: «Das werden wir im Parteipräsidium noch besprechen.» Ohnehin ist die mögliche Hilfestellung durch die CVP-Spitze limitiert.

Wer geniesst mehr Sympathien bei der CVP?

Der zweite Wahlgang der Zuger Ständeratswahlen wird zur Ausmarchung zwischen zwei oder drei Personen. Peter Hegglin von der CVP ist schon gewählt und weitere gemeinsame Wahlplakate mit dem freisinnigen Kandidaten sinnlos. Bleibt also noch die Möglichkeit einer offiziellen Empfehlung.

Zwar hatte eine Meinungsumfrage der «Zuger Zeitung» im Vorfeld der Wahlen gezeigt, dass Michel grössere Sympathien bei den CVP-Wählern geniesst als Tännler. Aber ob dies nun in einem zweiten Wahlgang dem Zuger Freisinnigen einen entscheidenden Vorteil bringt, ist unsicher. Schliesslich hatte einst auch Tännler seine Politkarriere bei der FDP  begonnen – und in der aktuellen Wahlkampagne auf Parteizuschreibungen so weit wie möglich verzichtet.

Hoffen auf die Grünliberalen ist vergebens

Eine andere Hoffnung der Freisinnigen liegt bei den Grünliberalen und ihrer Wählerschaft. Sie könnten zugunsten der Liberalen das Zünglein an der Waage spielen.

«Eine Empfehlung für einen der beiden Kandidaten wird es nicht geben.»

Daniel Stadlin, Co-Präsident, GLP Kanton Zug

Doch die Parteiexponenten denken gar nicht an eine Bevorzugung einer der beiden aussichtsreichsten Kandidaten.

«Beide sind tüchtig, beide sind wählbar», findet Daniel Stadlin, Co-Präsident der grünliberalen Kantonalpartei. «Eine Empfehlung für einen der beiden Kandidaten wird es vermutlich nicht geben», sagt Stadlin. «Ebenso wenig werden wir selber antreten.» Was ja auch beim ersten Wahlgang nicht der Fall war.

Linke beratschlagt sich

Bezüglich der Unterstützung einer grünen Kandidatur müssen sich die Grünliberalen ebenfalls nicht aus dem Fenster lehnen. Denn ob die ALG-Kandidatin Tabea Zimmermann Gibson nochmals antritt, ist noch nicht bekannt.

«Wir setzen uns am Montag mit der SP zusammen», sagt Andreas Lustenberger, Parteipräsident der Alternative – die Grünen des Kantons Zug. Sowohl Zimmermann wie auch SP-Kandidatin Barbara Gysel hatten im ersten Wahlgang einen Achtungserfolg eingefahren. Aber um Wahlchancen zu haben, müssten beide ihre Kräfte bündeln.

Grün ist im Vorteil

Für eine allfällige Kandidatur in aussichtsreicherer Lage sind die Grünen, weil sie national viele Sitzgewinne vorweisen können und in den Zuger Nationalratswahlen weit mehr Wähleranteile auf sich vereinen konnten als die Sozialdemokraten. Auch bei den Zuger Ständeratswahlen konnten sie mehr Stimmen für sich verbuchen.

Auf der anderen Seite hat die ALG bei den Nationalratswahlen schon einen Sitz für sich gewonnen. Und Barbara Gysel (SP) hat bereits bei den Regierungsratswahlen vor einem Jahr kandidiert. Sie hat also schon mal geübt, als glaubwürdige Standesvertreterin aufzutreten.

Linke schielen auf Tännlers Sitz im Regierungsrat

Für die Linke sind drei Aspekte von Bedeutung. Erstens: Kann sie wirklich glaubwürdig bleiben, wenn die linksgrünen Kräfte in der Folge der Klimabewegung national so viel Aufwind erfahren, aber dann in Zug doch nicht zur Ständeratswahl antreten?

«Wenn die FDP überhaupt kein eidgenössisches Zuger Mandat mehr hat, würde das dem Gedanken einer angemessenen politischen Vertretung zuwiderlaufen.»

Barbara Gysel, SP-Präsidentin des Kantons Zug

Zweitens: Wenn Tännler in den Ständerat gewählt würde, käme es zu einer Ersatzwahl für den Regierungsrat, bei der die Linke versuchen könnte, ihren im Vorjahr verlorenen Sitz zurückzuerobern. Ob und wie dies gelingen kann, ist eine andere Frage.

Fragt sich drittens, ob die linke Wählerschaft die Gedankenspiele der Politprofis mitmacht und aus taktischen Überlegungen wirklich Heinz Tännler nach Bern und damit wohl auch aus dem Regierungsrat wegwählt. 

Zumal im Zuger Regierungsrat nicht die SVP übervertreten ist, sondern theoretisch am ehesten die CVP einen Sitz an die Linke abzugeben hätte – was bei einer Ersatzwahl für Heinz Tännler jedoch nicht passieren wird.

Angemessene Vertretung

Für die FDP und Matthias Michel wird die Unterstützung der linken Wählerschaft im zweiten Wahlgang wichtig sein. Auch Funktionäre tragen dem zumindest ideell Rechnung: «Wenn die FDP nun überhaupt keines der fünf eidgenössischen Zuger Mandate mehr hat, würde das dem Gedanken einer angemessenen politischen Vertretung der Zugerinnen und Zuger in den eidgenössischen Räten ebenso zuwiderlaufen wie der Ausschluss der Linken während zweier Legislaturperioden», sagt SP-Präsidentin Barbara Gysel.

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3 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 21.10.2019, 22:42 Uhr

    Tännler und Michel sind für Linke nicht wählbar, nicht nur deshalb, weil sie eine bürgerliche Politik betreiben, sondern auch wegen der Plakataffaire, in welcher sie sich sehr intolerant und skrupellos gegenüber jungen Opponenten gezeigt haben. Deshalb sollte Tabea Zimmermann unbedingt nochmals antreten. Sie ist als kluge grüne Frau nicht chancenlos gegen die beiden ausgelaugten Patriarchen!

    1. Heinrich Vogelsang, 23.10.2019, 18:42 Uhr

      Natürlich ist sie chancenlos. Wer die «kluge grüne Frau» wählt, verhilft der SVP zu einem weiteren Ständeratssitz.

  2. mebinger, 21.10.2019, 16:13 Uhr

    Die GLP kann nicht anders, wenn sie ihre Werte nicht verraten will als Michel zu unterstützen. Tännler widerspricht so ziemlich allem, was sie vertreten. Ich gehe davon aus , das die GLP-Wähler sinnvoller entscheiden sind als ihre Leitung