Luzern hat jetzt einen der modernsten Musikcampus Europas
  • Regionales Leben
In mehreren Unterrichtsräumen gibt es eingebaute Orgeln. (Bild: bic)

Neubauten beim Südpol eröffnet Luzern hat jetzt einen der modernsten Musikcampus Europas

4 min Lesezeit 2 Kommentare 26.08.2020, 14:07 Uhr

Der Kampus Südpol wird mit noch mehr musikalischem Leben gefüllt: In den zwei Neubauten der Hochschule und des Sinfonieorchesters warten auf die Studenten und Berufsmusiker ganz neue Möglichkeiten, um ihre Kreativität auszuleben. Auch im eigenen, topmodernen Konzertsaal.

Mit gleich fünf Institutionen hat sich der Kampus Südpol in einen kulturellen und vor allem musikalischen Hotspot verwandelt. Nebst dem Kulturzentrum Südpol, dem Luzerner Theater und der Musikschule der Stadt Luzern sind neu auch das Luzerner Sinfonieorchester und die Hochschule Luzern – Musik auf das Areal gezogen.

Am Mittwoch wurden die beiden Neubauten, in denen die Neuzuzüger seit diesem Sommer beheimatet sind, vorgestellt. Auch wenn die meisten der 67 Räume im rustikal gehaltenen Neubau der Hochschule aus Beton noch leer standen, liess sich bereits erahnen, wie das Gebäude aussehen wird, wenn die Studentinnen am 11. September ins neue Semester starten.

Die offizielle Eröffnung des Hochschul-Gebäudes findet vom 11. bis 13. September statt. Unter dem Motto «Ouvertüren» wird mit musikalischen Führungen den Besuchern der Neubau vorgestellt.

Eine kleine «Salle Modulable»

Und der neue Kampus hat es in sich. So gibt es neben einem grossen und einem kleinen Konzertsaal auch eine Halle mit dem Namen «Blackbox». Der Name rührt daher, dass in diesem akustisch speziell konzipierten Raum neue Arten von Performances entwickelt und getestet werden sollen. Zudem ist die Halle für diverse weitere künstlerische Aktivitäten ausgelegt. «Damit haben wir unsere eigene kleine Salle Modulable erhalten», freute sich Valentin Gloor, Direktor der Hochschule Luzern – Musik.

Und auch architektonisch sowie bezüglich der Infrastruktur ging man im Gebäude neue Wege. So sind sowohl die Konzertsäle als auch sämtliche Musikzimmer über Kabel mit einer Art zentralem Tonstudio verbunden. Dadurch wird es möglich, professionelle Aufnahmen von Konzerten, Proben und anderen Veranstaltungen zu machen.

«Wir haben nun einen der besten Probesäle Europas.»

Numa Bischof, Intendant Luzerner Sinfonieorchester

Hinzu kommen drei Klangtürme, die sich vom Parterre bis zum Dach wie Liftschächte vertikal durch das Gebäude ziehen. «Damit wollen wir den Studierenden die Möglichkeit geben, klanglich zu experimentieren», erklärte Valentin Gloor. Insbesondere in der sogenannten «Neuen Musik» werde dies heutzutage immer wichtiger.

Auch Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann liess sich die Gelegenheit nicht nehmen, alle Ecken der beiden neuen Gebäude genauer anzuschauen: «Die Musik- und Kulturstadt Luzern braucht gut vernetzte Institutionen aus diesen Bereichen, die über die Region hinausstrahlen», sagte er zum 81-Millionen-Projekt. Unter anderem, um das Wort «Kultur» in dessen Namen einfliessen zu lassen, wird es mit einem «K» statt wie üblich mit einem «C» geschrieben.

Gebaut und bezahlt wurde das Hochschulgebäude von der Luzerner Pensionskasse im Sinne einer Geldanlage. Die Hochschule und somit der Kanton Luzern mieten also das Haus.

Eindrücke vom neuen Kampus gibts im Video:

Über 1’200 Personen an einem Hochschul-Standort

Dass die fünf Institutionen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander lägen, trage zu einem «fruchtbaren Zusammenarbeiten» bei und berge ein «enormes Potenzial», so Schwerzmann weiter. Allein für die Hochschule Luzern – Musik sei der Umzug ein Fortschritt: Aus den vier bisherigen in der Stadt Luzern verteilten Standorten wurde nun einer. Die Institute für Klassik und Kirchenmusik, für Jazz und Volksmusik, für Neue Musik sowie Komposition und Theorie und das Institut für Musikpädagogik befinden sich nun alle am selben Ort.

«Dass die vier Institute nun unter einem Dach vereint sind, verkürzt nicht nur die Wege, sondern bietet Mitarbeitenden und den Studierenden die Möglichkeit, Synergien zu schaffen und den stilübergreifenden Austausch zu vertiefen», ergänzte Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern.

Endlich ein angemessener Proberaum für das Orchester

Auch für das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) hat sich der Umzug nach Luzern Süd gelohnt. Bisher hatte das älteste Sinfonieorchester der Schweiz, das international Anerkennung geniesst, keinen «räumlich und qualitativ geeigneten» Proberaum, wie Intendant Numa Bischof es ausdrückte. Das habe sich jetzt geändert. «Wir haben nun einen der besten Probesäle Europas», zeigte er sich stolz. Unter anderem deshalb habe man auch Chefdirigent James Gaffigan, trotz dessen internationalen Bekanntheit, in Luzern halten können.

Viel erhofft man sich auch von der Aussenwirkung der beiden neuen Gebäude. «Was wir hier machen, ist Stadtentwicklung», betonte Numa Bischof. Und Philipp Fischer, einer der Architekten des Orchesterhauses, hielt wenig bescheiden fest: «Damit wurde die Arsenalstrasse zur Musikstrasse Europas. Luzern hat ein Ausbildungszentrum erhalten, das auf der europäischen Musiklandkarte seinesgleichen sucht.»

Neue Möglichkeiten

Rund zehn Millionen Franken kostete die Realisierung der neuen Heimat des LSO. Die Kosten wurden zu 90 Prozent von privater Hand beglichen. Einen grossen Brocken stemmte auch der Lotteriefonds des Kantons Luzern. Hinzu kam ein schweizweites Crowdfunding.

«Nach zwei Jahren Bauzeit kann das Orchester nun endlich einziehen und Projekte entwickeln, die vorher wegen der räumlichen Bedingungen kaum möglich waren», so Bischof. Das Interieur wurde aus Eichenholz gefertigt. Damit wolle man dem an den Kampus angrenzenden Eichwald Rechnung tragen.

Weitere Bilder findest du in der Bildergalerie:

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2 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 28.08.2020, 20:55 Uhr

    Der «Kampus»? Und dann nicht als einmaliger Verschreiber, sondern konsequent kreuzfalsch? Aua. Da bluten meine Augen, aber sowas von!

    1. Redaktion Claudio Birnstiel, 01.09.2020, 12:07 Uhr

      Vielen Dank für den Hinweis. Es ist tatsächlich so, dass das Projekt jeweils mit einem «K» geschrieben wird. Die Verantwortlichen wollen damit unter anderem auf die dort stattfindende Kultur anspielen. Wir haben das im Text entsprechend ergänzt.

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