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Zurück in die 20er: Luzern soll eine verbotene Bar erhalten
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In der Cocktailbar Karel Korner wird Werbung gemacht für das allfällige neue Luzerner Lokal «Jacob». (Bild: jal)

Lokale Idee schwingt bei Online-Voting obenaus Zurück in die 20er: Luzern soll eine verbotene Bar erhalten

4 min Lesezeit 08.08.2017, 10:02 Uhr

Die Luzerner Cocktailbar Karel Korner hat sich mit einem neuen Projekt für das Finale eines Wettbewerbs qualifiziert. Sticht man bis Ende August die Konkurrenz aus, entsteht in Luzern temporär eine Bar im Stile der 20er-Jahre – inklusive Cocktails und dem verruchten Image aus Zeiten der Prohibition.

«Speakeasy» – zu Deutsch Flüsterkneipe – nannte man in den 1920er-Jahren illegale Bars in den USA. Während der Prohibition, als der Alkoholverkauf verboten war, schenkten sie Bier und Drinks aus – und erlebten einen regelrechten Boom in dieser scheinheiligen Zeit. Der Name deutete darauf hin, dass in den Lokalen leise gesprochen wurde, zumindest in der Theorie, damit niemand was vom lustigen Treiben bemerkte. Wo sie sich befanden, war oft ein stadtbekanntes Geheimnis.

Der Geist dieser 20er-Jahre soll bald durch Luzern wehen. Die Betreiber von «Karel Korner», der Cocktailbar in der Neustadt, planen Luzerns erste Speakeasy-Bar namens Jacob. Sie haben mit ihrem Konzept dafür den Einzug ins Finale eines Online-Votings geschafft. Wenn sie bis Ende August ihre vier Gegner – darunter so bekannte Zürcher Szenebars wie Raygrodski, Kasheme oder Klaus – ausstechen, winken ihnen 20’000 Franken sowie eine Pop-Up-Location für einen Monat.

Und es sieht gut aus für die Luzerner. Nach der ersten Woche der laufenden Abstimmung liegen sie an oberster Stelle.

Schleichweg durch die Telefonzelle

Sollte das bis Ende Monat andauern, eröffnet im November oder Dezember für 30 Tage mit «Jacob» eine neue Bar in der Region. Wo «Jacob» Gäste empfangen würde, ist zurzeit noch offen. Das Lokal wird nämlich von der Wettbewerbsbetreiberin, der Firma Schweppes, gesucht und zur Verfügung gestellt.

«Das kann eine Industriehalle, eine Autogarage oder ein Pneuhaus sein», sagt Hedy Salamat, einer der Geschäftsführer von «Karel Korner». Natürlich wünscht er sich etwas möglichst Zentrales. Doch er schliesst auch Standorte in Littau oder Emmen nicht kategorisch aus. «In erster Linie muss das Lokal an sich überzeugen.»

Für die Gäste wird die Adresse sowieso ein Geheimnis bleiben. Wie in den 20er-Jahren üblich, soll der Standort von «Jacob» nur im Stadtgespräch bekannt werden – und im Idealfall einen ebenso heimlichen Eingang haben. Dabei orientieren sie sich an Speakeasy-Bars im Ausland, wo man beispielsweise eine Telefonkabine betreten oder einen Barber-Shop durchqueren muss, um in die Bar zu gelangen. Ganz im Sinne des Reiz des Verbotenen – wiewohl natürlich alles legal ablaufen wird.

Das Bewerbungsvideo von «Jacob»:

 

Auch die Karte soll geprägt sein von den «Roaring Twenties», als – glaubt man den Legenden – Drinks wie French 75 oder Old Fashioned erfunden wurden. «Wir möchten diese historischen Drinks mit modernen Einflüssen mischen.»

Geleitet würde «Jacob» von Judith Lauber und Janosch Marini, die Barmixer und Gesichter von «Karel Korner». Doch was im «Jacob» ausgeschenkt wird, entscheiden nicht nur die Luzerner. Während der 30 Tage soll jede Woche ein anderer Cocktailmixer aus dem Ausland, aus Barcelona, Wien oder Berlin, hinter dem Tresen stehen. Und ihre Drinks auch mal in einem tabakpfeifenförmigen Glas oder einem Kaugummiautomaten servieren.

Doch wieso der Name «Jacob»? Das ist eine Reverenz an den Gründer von Schweppes, die den Wettbewerb veranstaltet. Der deutsche Bijouteriemeister Jacob Schweppe gründete 1790 in Genf eine Sodawasser-Fabrik.

Ein Probelauf?

Zurück nach Luzern. «Karel Korner» hat nun Werbeflyer drucken lassen, die diese Woche in Umlauf gelangen. Das Ziel: Möglichst viele Luzerner zum Abstimmen zu bewegen. Denn die Zürcher Konkurrenz schläft nicht. «Realistischerweise müsste man sagen, dass wir in Luzern nur eine kleine Chance haben. Aber wir haben das Konzept auch gemacht, um endlich mal ein solches Projekt nach Luzern zu holen», sagt Salamat. Viel zu oft würden neuartige Konzepte in Städten wie Basel und Zürich lanciert.

Wären auch Gastgeber im «Jabob»: Janosch Marini und Judith Lauber, die Cocktailmixer im Karel Korner.

Wären auch Gastgeber im «Jabob»: Janosch Marini und Judith Lauber, die Cocktailmixer im Karel Korner.

(Bild: zvg)

Damit will er aber nicht sagen, dass die Leuchtenstadt zu wenig innovationsfreudig ist. «In den letzten Jahren ist viel gegangen», sagt er mit Blick auf die schnelllebige Gastro- und Barszene. «Aber es hat trotzdem noch Platz für Neues und Innovatives.»

«Wir sind leidenschaftliche Barbesucher und Alkoholtrinker – so was auf die Beine zu stellen, macht Spass.»

Hedy Salamat, Betreiber «Karel Korner»

Selbst wenn «Karel Korner» nun das Voting gewinnen sollte: Die Pop-Up-Bar wäre nur während eines Monats in Betrieb. Lohnt sich dieser Aufwand für vier Wochen überhaupt? «Nein, das lohnt sich nicht», sagt Salamat und lacht. «Aber wir sind leidenschaftliche Barbesucher und Alkoholtrinker – und selber so was auf die Beine zu stellen, macht halt Spass.»

Er schliesst nicht aus, dass die geplante Bar in anderer Form und an einem anderen Ort für mehr als 30 Tage einziehen wird. «Wir sind unabhängig von diesem Wettbewerb daran, eine Location für sowas zu suchen. Man könnte also sagen: Wenn wir gewinnen, wäre das ein Probelauf.

Vom Ansturm überrascht

Im November 2015 eröffnete an der Winkelriedstrasse die Cocktailbar Karel Korner (zentralplus berichtete). Das kleine Lokal ist am Anfang überrannt worden. «Nach einigen Monaten mussten wir einiges überdenken, weil wir vom Erfolg so überrascht waren», sagt Betreiber Hedy Salamat. Dadurch habe man auch die teils langen Wartezeiten an der Bar abfedern können.

Trotz vergleichsweise stolzen Preisen macht «Karel Korner» gemäss eigenen Angaben rund 80 Prozent des Umsatzes mit Cocktails. Nach wie vor ist man daher überzeugt, dass die Luzerner für spezielle Drinks bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Der Erfolg hat übrigens auch eine – wenn nicht ganz so dunkle – Schattenseite: «Bei uns kommen sehr viele Gläser weg, an einem guten Abend fehlen bei Betriebsschluss rund zehn», sagt Salamat. Viele Drinks werden in speziellen Gläsern serviert.

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