Kultur

Ein Blick in die Eingeweide der Zuger «Perle»
Zurlaubenhof: ein Anwesen wie eine Aschenbrödel-Kulisse

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
Der Salle Blanche des Zurlaubenhofs. Schicke Sache.
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Der Salle Blanche des Zurlaubenhofs. Schicke Sache. (Bild: wia)

Am Donnerstag durften geladene Gäste einen raren Blick in die Räume der 400-jährigen Gebäude des Zuger Zurlaubenhofs werfen – und damit auch in die Geschichte der Familie Zurlauben. Diese begann zwar glamurös, endete jedoch ziemlich elend. Den gediegenen Festsälen sieht man das jedoch nicht im Geringsten an.

Wir alle sind underdressed. Die Journalistinnen und Politiker, die mit uns das Innere des altehrwürdigen Zurlaubenhofs ansehen, sind nicht gepudert, nicht in Korsetts gezwängt, opulente Perücken tragen sie auch nicht. Dabei wurde hier, im «Salle Blanche» mit seinen blauen Rokoko-Malereien, früher schön gefeiert. So, wie es sich halt für Adlige gehörte. Und zu diesem Stand zählten sie, die Zurlaubens.

Kunsthistoriker Heinz Greter erzählt: «Sie wundern sich, woher die Familie das Geld für ein solches Anwesen hatte? Zumal dies nur einer von zwei Stammsitzen der Zurlaubens war.» Er verrät sogleich: «Die Zurlaubens verdienten ihr Geld mit dem Anheuern von Söldnern, welche sie dann zu einem höheren Preis insbesondere nach Frankreich weitervermieteten. Diese Gelder wurden Pensionen genannt. Daneben waren die Zurlaubens in Insidergeschäfte involviert.»

Kunsthistoriker Heinz Greter erklärt im Video die Besonderheiten des Zurlauenhofs:

Dass die Patrizierfamilie insbesondere mit Frankreich handelte, wird beim Blick an die Decke offensichtlich: An der prangen Dutzende heraldische Lilien. «Von den Franzosen erhielten die Zurlaubens nicht nur den Adelstitel und durften sich «Baron» nennen. Auch diese Lilie – ein grosses Statussymbol – durfte von nur von wenigen Geschlechtern verwendet werden.» Greter spricht von einer «korrupten Oligarchie», welche zu dieser Zeit in der Schweiz geherrscht habe, und von «Mauschelpolitik». Denn wer Geld hatte, hatte auch politisch das Sagen.

Die Französische Revolution kam den Zurlaubens gar nicht gelegen

Bloss: Kein Glück währt ewig und so ging es denn auch mit den Zurlaubens irgendwann bergab. Fidel Zurlauben war der letzte Vertreter des Zuger Adelsgeschlechts. Er hatte keine männlichen Nachkommen gezeugt. Als die Französische Revolution anbrach, blieben auch die Pensionszahlungen aus Frankreich aus. Fidel Zurlauben verarmte und musste den Zurlaubenhof verkaufen.

Nach dem weissen, geht’s weiter in den braunen Saal, der sich zwar nicht wie der erste im Pächterhaus befindet, jedoch – ganz ohne nasse Füsse – über eine Gebäudebrücke erreichen lässt. Hier dominiert Holz. Es handelt sich, so Greter, um ein waschechtes Renaissance-Zimmer, an dem praktisch nichts verändert wurde seit dem Bau 1620.

«Dieser ganze Raum sollte eigentlich ins Landesmuseum verfrachtet werden. Als der Museumsarchitekt der Besitzerfamilie Bossard diesen Vorschlag machte, lehnte diese ab. Dies mit der Begründung, dass sie ja in diesen Räumen lebe!» Dass Gustav Gull das Zimmer gern in seinem Landesmuseum gesehen hätte, ist verständlich. Denn es ist ein sehr besonderes. In der Ecke steht ein prächtiger, verzierter Kachelofen. Auch an der Decke befinden sich Lilien, die im sternförmigen Holztäfer platziert wurden. Die Sterne widerspiegeln sich im Boden.

Ein Saal, der zum Tanz lädt

Und weiter gehts über eine diskret knarrende Holztreppe in den zweiten Festsaal. «Es handelt sich dabei um den grössten Festsaal, der sich in der Zentralschweiz in privatem Besitz befindet», sagt der Kunsthistoriker. An allen Wänden reihen sich die Gesichter von Vertretern aus den Königshäusern. An den Decken treiben dicke Engel (sogenannte Putten) Unfug. In der Tat könnte man hier ganz ordentliche Partys feiern.

Aus seinem Gemälde blickt Bruder Klaus mahnend in den Saal. «Es ist das grösste auf Holz gemalte Bild von Bruder Klaus. Die Familie Bossard weiss, dass es das Erste ist, was sie im Fall eines Brandes retten muss», sagt Greter.

Der Zurlaubenhof wird vermutlich in naher Zukunft der Stadt Zug gehören (zentralplus berichtete). Noch ist nicht klar, was dereinst aus diesen, vermutlich bald öffentlichen, Räumen wird. Man darf gespannt sein.

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1 Kommentare
  1. Hegard, 10.12.2021, 13:49 Uhr

    Das ist mal ein denkmalwurdiges Gehöft das eine interresante Geschichte hat und verdient es zu erhalten.
    Nicht wie die Luzerner die ein Betonklotz für die Hay Soceity in schöner Landschaft kaufen wollen und kaum zur Luzerner Geschichte beiträgt.

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