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Zunfthaus Kreuz ist für den EVZ ein Verlustgeschäft
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Das Zunfthaus Kreuz mit seiner Terrasse am Zugersee. (Bild: PD)

Oberwiler Restaurant in den roten Zahlen Zunfthaus Kreuz ist für den EVZ ein Verlustgeschäft

4 min Lesezeit 21.09.2017, 15:26 Uhr

Der EVZ beendet im April nächsten Jahres seine Gastronomietätigkeit im Gasthaus «Kreuz» in Oberwil. Trotz der idealen Lage am Zugersee schreibt das Restaurant, das früher der Stadt Zug gehörte, rote Zahlen. Experten ziehen ein durchzogenes Fazit.

Was längst nicht jeder weiss: Der Eissportverein Zug ist auch ein Beizer. Der EVZ führt neben der eigenen Gastronomie im Stadion auch zwei externe Restaurants in Zug (zentralplus berichtete). Das «Pier 41» an der Baarerstrasse, und seit Mai 2013 auch das «Zunfthaus Kreuz» an der Artherstrasse in Oberwil.

Offenbar hängt dort der Haussegen schief: «Der Pachtvertrag im Zunfthaus Kreuz wird nicht verlängert», teilte die EVZ Medienstelle kürzlich mit.

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Der Vermieter und der EVZ hätten sich «im gegenseitigem Einvernehmen» darauf geeinigt, den Pachtvertrag per Ende April 2018 aufzulösen. «Obwohl beide Parteien grundsätzlich Interesse zu einer Weiterführung bekundeten, konnten wir uns über die Rahmenbedingungen nicht einig werden», sagt Giedo Veenstra, der Geschäftsführer der EVZ Gastro AG.

Betrieb schreibt rote Zahlen

Wollte der Vermieter dem «Kreuz» vielleicht die Pacht erhöhen? Angesichts der schönen Lage des Lokals mit Terrasse am See würde das nicht erstaunen. Doch das ist hier nicht der Fall: Laut Veenstra war der Betrieb für den EVZ nicht rentabel. Zahlen gibt er keine heraus, die seien intern. Die anderen Gastrobetriebe des EVZ liefen gut, sagt der Geschäftsführer.

Gebäude privat, Grundstück gehört der Stadt

Die Besitzesverhältnisse beim «Kreuz» sind kompliziert: Vor 30 Jahren musste die Stadt Zug den damaligen Besitzern das Gasthaus abkaufen wegen einer bestrittenen Umzonung. Zug hatte das Restaurant der «Zone für öffentliches Interesse» zugeteilt, die Besitzer gingen vor Gericht und gewannen. Die Stadt zahlte damals 2,13 Millionen Franken fürs «Kreuz». 2003 veräusserte die Stadt die Liegenschaft wieder: Die Gastro Oberwil AG bot 945'000 Franken für die Liegenschaft (inklusive Grundstück). Doch die Stadt wollte das Grundstück behalten. Der gelöste Preis fürs Gebäude betrug deshalb bloss 140'000 Franken. Das Gebäude gehört heute der Gastro Oberwil, das Grundstück der Stadt. Die Gastro Oberwil ist Baurechtsnehmerin. 

Der EVZ hat einen 5-Jahres-Vertrag mit den Besitzern, der Ende April 2018 ausläuft. «Hätten wir den neuen Pachtvertrag 1:1 übernommen, wäre es wirtschaftlich nicht aufgegangen», sagt Veenstra.

Der Grund fürs Defizit in Oberwil sei «die extreme saisonale Abhängigkeit dieses Betriebs sowie die hohen Kosten», erklärt Veenstra. Will heissen: In der schönen Jahreszeit läuft es rund. Das Restaurant ist aber ganzjährig geöffnet. «Das Restaurant ist für viele Gäste auch zu weit weg vom Zentrum von Zug, als dass die Leute nach Oberwil zum Mittagessen kommen würden.»

Warum läuft Restaurant nicht rund?

Gibt es vielleicht weitere Gründe für den Misserfolg? Hört man sich um, ist das Echo auf den Service und die gastronomische Qualität im «Kreuz» durchzogen. Der Zuger Gastroberater Michael Hostmann machte einmal eine negative Erfahrung, als er mit seiner Frau im «Kreuz» ass. «Ein Wechsel der Beilage von Reis auf Nudeln wurde vom Service abgewiesen. Es gibt nur das, was auf der Karte steht, beschied man uns.» Auch auf Tripadvisor ist der Service neben den Preisen der häufigste Kritikpunkt.

Ein langjähriger Oberwiler Einwohner, den wir befragten, möchte namentlich lieber nicht genannt werden. «Am Anfang lief es gut im Kreuz», sagt er. «Ich habe das Gefühl, dem Restaurant ist nach einigen Jahren der Schnauf ausgegangen. Die Karte wird immer einfacher», sagt er.

In Oberwil gebe es viele Gourmets – oder solche, die sich dafür hielten. Er habe gehört, dass man den Stammgästen wenig Sorge trage.

Blick von der Restaurantterrasse auf den See.

Blick von der Restaurantterrasse auf den See.

(Bild: PD)

Zuger Gastronomen waren zufrieden

Barbara Schneider, Präsidentin des Wirteverbands Gastro Zug, berichtet dagegen Positives. Und sie ist Expertin und wirtet selbst im «Rössli» in Oberägeri. «Wir hatten kürzlich einen Anlass von Gastro Zug im Kreuz. Die Vorberatung war sehr freundlich, der Service am Anlass ebenfalls, und wir haben sehr gut gegessen.»

Die Kritiken am «Kreuz» weist der Geschäftsführer der EVZ Gastro als ziemlich pauschal zurück. Giedo Veenstra: «Ich höre zum ersten Mal, dass wir nicht gut kochen sollen. Ich erhalte ganz andere Rückmeldungen.» Das Zunfthaus Kreuz habe viele Stammgäste, die zufrieden seien. Es habe auf Tripadvisor zudem einen Spitzenplatz (Nummer 4 von 105 Zuger Restaurants).

Wirtepersönlichkeit nötig?

Gastroexperte Michael Hostmann findet, es bräuchte an einem so traditionsreichen Ort wie dem «Kreuz» eine Wirtepersönlichkeit. «So wie im Restaurant Rigiblick in Oberwil. Der Neue macht es gut», findet er.

Die Österreicherin Romana Fink (vorne) und ihr Team. Fink leitet den Betrieb seit dem Anfang 2013.

Die Österreicherin Romana Fink (vorne) und ihr Team. Fink leitet den Betrieb seit dem Anfang 2013.

(Bild: PD)

Im Zunfthaus Kreuz ist eine Frau die Chefin. Mangelnde Konstanz kann man der «Kreuz»-Führung zumindest nicht vorwerfen. «Ich bin seit dem ersten Tag da», sagt Romana Fink auf Anfrage. Die Österreicherin aus der Steiermark führt das Restaurant seit 2013. Natürlich bedauerten sie und ihr Team das Ende des Engagement, sagt sie. Für weitere Auskünfte verweist sie an den EVZ.

Wie geht es weiter für die Mitarbeiter? Der Chef der EVZ Gastro Veenstra zerstreut allfällige Ängste. «Wir finden einen Platz im Unternehmen für das Superteam. Wegen der Auflösung des Pachtvertrags wird keinem Mitarbeiter gekündigt.»

Verhandlungen mit Nachfolgern laufen

Besitzerin der Liegenschaft ist die Gastro Oberwil AG. Hinter der Firma steht eine Gruppe von Oberwilern, welche die Liegenschaft 2003 der Stadt Zug abkaufte (siehe Kasten). Präsident des Verwaltungsrats ist aktuell Daniel Blank, VR-Mitglieder sind Rahel Walker-Speck, Carmen Banzer-Graf und Daniel Keiser.

Treuhänder Urs Banzer sass ebenso wie Albert Speck im Verwaltungsrat, beide sind aber laut Handelsregister ausgeschieden. Doch Banzer zieht im Hintergrund die Fäden: Laut seiner Auskunft ist die Oberwil Gastro AG in Verhandlungen mit verschiedenen Pächtern als Nachfolgern des EVZ. Sobald man jemand gefunden habe, werde der Verwaltungsrat informieren. «Momentan geben wir keine weiteren Auskünfte gegenüber der Presse», sagt Banzer.

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