Zum Schreien: Ein Deutscher hält uns den Spiegel vor
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Einer redet, alle lachen: Kaya Yanar bei seinem Auftritt im Luzerner Saal. (Bild: lfr)

Komiker Kaya Yanar im KKL Luzern Zum Schreien: Ein Deutscher hält uns den Spiegel vor

3 min Lesezeit 10.02.2017, 15:52 Uhr

Am Donnerstagabend präsentierte Kaya Yanar im Luzerner Saal des KKLs vor ausverkauften Rängen sein Tourprogramm 2017 «Der Reiz der Schweiz». Darin karikiert er uns aus deutscher Sicht treffend, liebevoll, mit einem Auge fürs Detail und von Anfang bis Ende äusserst unterhaltsam.

Das Konzept von Live-Comedy ist seltsam. Das mochte man sich denken, als man sich zu Yanars Show einfand. Ein Saal voller Menschen versammelte sich, um über einen einzelnen Mann auf der Bühne zu lachen. Oder eben über das, was er sagt. Eine recht grosse Verantwortung für besagten einen Mann.

Aber einer wie Kaya Yanar ist dieser Verantwortung mehr als gewachsen. Fast schon ein alter Hase im Geschäft, sprühte er vor Begeisterung für seinen Beruf, für seine Pointen und für das Publikum – die Begeisterung und Yanars Leichtigkeit sprangen über, und im Nu hatte er den Saal vollständig abgeholt. Die Tatsache, dass er mit grosser Natürlichkeit über sich selber lacht, ermöglicht es ihm erst, über alle anderen zu lachen. Das macht den perfekten komödiantischen Mix aus.

Kaya Yanar weiss, wie die Schweiz tickt

Yanar spricht in «Der Reiz der Schweiz» darüber, wie er sich in Land und Leute hier verliebt hat. Und zwar durchaus wortwörtlich, denn seine Freundin ist Schweizerin und er lebt selbst seit Jahren in Zürich. Daher auch die Feinheit seiner Observationen, was die Eigenheiten unseres Volkes angeht: Yanar kann aus Erfahrung sprechen, die nur einer hat, der hier sein Leben verbringt und weiss, wie es anderswo ist.

So liess er sich über die piekfeinen Altpapier-Bündeli hierzulande aus oder darüber, dass wir in etwas gehen, was paradoxerweise «Ausgang» heisst. Er persiflierte unseren Hang zur Verniedlichung mit einem angehängten «-li», der grundsätzlich weder Regeln noch Grenzen kennt, das fortgeschrittene Niveau unserer dreijährigen Skifahrer und den Umstand, dass Fussgänger bei uns Vortritt haben.

Ein Ausschnitt kürzlich aus Basel:


 

120 auf der Autobahn, auch nachts, wenn keiner da ist

Vieler der Dinge, die er im Programm als spezifisch schweizerisch beschreibt, war man sich vorher gar nicht so bewusst – oder in anderen Worten. Etwa: Wie in aller Welt kommen andere Länder ohne A- und B-Post aus? Laut Yanar ganz gut, und auch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn fehlen ihm im Ausland nicht zwingend. Wie so viele Deutsche hat auch er sich an letzteren die Zähne ausgebissen und schilderte seine Begegnung mit der Schweizer Polizei schlicht köstlich.

Die Zuschauer konnten sich zeitweise kaum mehr erholen, Applaus brandete immer wieder auf und Yanar musste warten, bis man ihn wieder hörte. Die Schweizer geniessen es offensichtlich, wenn man ihnen den Spiegel vorhält, ganz besonders, wenn das in so zuneigungsvoller Weise wie bei Yanar geschieht.

«Reiz der Schweiz» heisst Kaya Yanars aktuelles Programm, mit dem er durchs Land tourt.

«Reiz der Schweiz» heisst Kaya Yanars aktuelles Programm, mit dem er durchs Land tourt.

(Bild: lfr)

Yanar fühlt sich wohl in der Schweiz, sein ganzes Programm kommt gänzlich ohne Tauchgänge unter die Gürtellinie aus, was bemerkenswert ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Komiker im deutschen und englischsprachigen Raum ohne das Steckenpferd «Sex» gar nicht mehr zurechtkommen. Yanar kann es, und er kann es gut. Der Alltag ist seine Inspirationsquelle, und der Alltag ist es auch, der bei genauerem Hinschauen die grössten, komischsten Absurditäten birgt.

Die Schweizer lieben Kaya

Während zwei Stunden (mit Pause) unterhielt Yanar den Luzerner Saal ohne Abbruch abwechslungsreich, interagierte mit seinem Publikum und liess es spüren, dass er sich richtig freute, da zu sein. Dass das umgekehrt auch der Fall war, steht ausser Frage. Sein Programm erfreut sich derzeit national grosser Beliebtheit, ganze 20 Mal spielt er auf seiner aktuellen Tour in der Schweiz.

Wer sich beeilt, kann noch Tickets für die folgenden Shows in der Region ergattern: Freitag, 10. Februar nochmals im KKL Luzern, am 3. März im Lorzensaal Cham, 8. März im Mythenforum Schwyz und am 19. März wiederum im KKL Luzern.

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