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Marktplatz für Kunst und Handwerk Zukunft ungewiss: Spektrum in Luzern sucht neue Kräfte

Ist ab 2022 auf sich alleine gestellt, weil sich Noëmi Gamma und Lilian Loos auf ihre Kunst fokussieren: Markus Kanthack, Geschäftsführer von Spektrum Luzern und dem Bitsro Krienbrüggli.

Ist ab 2022 auf sich alleine gestellt, weil sich Noëmi Gamma und Lilian Loos auf ihre Kunst fokussieren: Geschäftsführer Markus Kanthack. (Bild: esa)

Mit viel Enthusiasmus ist Spektrum als Laden für lokales Kunsthandwerk gestartet. Nach einem aufreibenden ersten Jahr sind die Kraftreserven aufgebraucht: Das Spektrum Luzern steht vor ungewisser Zukunft

«Es gab von Anfang an eine grosse Nachfrage, von der wir überrascht waren», erzählt Lilian Loos. Sie ist Mitbegründerin des Spektrum Store in Luzern. Eine Ladengemeinschaft für lokale Kunstschaffende, in der sie auf einfachen Regalen gemeinsam Verkaufsfläche mieten können (zentralplus berichtete).

Sie hätten im September 2020 ins Blaue hinaus eröffnet, «weil wir nicht wussten, wie der Laden bei den Leuten ankommen wird», sagt Loos. Die Idee für das Spektrum gab es schon vor der Corona-Krise – jedoch keine passenden Mietflächen. Umso glücklicher war man über den gefundenen Platz an der Pfistergasse.

«Das hier ist eine super Lage und ein super Quartier», sagt Geschäftsführer Markus Kanthack. «Jeder unterstützt dich, wo er kann.» Das sei der Hauptgrund für die Standortwahl gewesen, auch angesichts möglicherweise günstigerer Varianten. Mit der Verkaufsflächenvermietung könne ein grosser Teil der Ladenmiete gedeckt werden. Den Rest sollte die Kommission aus dem Verkauf decken – so die Idee.

Für den Krienbrüggli-Betreiber ist Laden ein Hobby

«Das hier ist ein Hobby. Ich habe mein Hauptaugenmerk da drüben», sagt Markus Kanthack und deutet die Pfistergasse rauf zum Bistro Krienbrüggli, das er führt. Der Ausbruch der Pandemie habe für den Gastronomen «wahnsinnig viel bürokratischen Aufwand» erzeugt. Es habe «immer wieder neue Hürden gestellt», erzählt er und deutet in den Laden: «So bleibt immer weniger Zeit für das.»

Vor allem die Lockdown-Phase in der besten Verkaufszeit sei sehr hart gewesen. «So mussten wir das komplette Sortiment online hochziehen», erklärt Kanthack. Das war eine notgedrungene Aktion, denn er möchte viel lieber den physischen Standort entwickeln. «Die Künstler haben selbst ihre Kanäle und Onlineshops.»

Das Geschäft an der Pfistergasse ist im Herbst 2020 eröffnet worden.

Ausserdem sei es ein Unterschied, ob man etwas physisch vor sich habe statt es nur auf dem Screen zu sehen. Gerade wegen der starken Entwicklung hin zum Onlinehandel sei es wichtig, sagt Lilian Loos, «dass der Laden mehr ist, als nur ein Ort, an dem man seine Sachen bezieht».

Zur Weihnachtszeit läuft das Geschäft sehr gut

Markus Kanthack freut sich auf das Weihnachtsgeschäft. «Wenn du nächsten Monat hier reinschaust, dann sind wir pumpenberstenvoll.» Im Spektrum werden keine Werke kuratiert – ausser sie sind nicht handwerklich und lokal entstanden oder politisch inkorrekt. Was davon ins Schaufenster kommt, wird im Team besprochen, denn dieser Platz kann nicht gemietet werden. «Wenn wir uns am Mainstream-Markt orientieren würden, könnten wir gewisse Sachen hier gar nicht ins Sortiment aufnehmen», sagt Lilian Loos. «Da sind wir ein Stück weit offener.»

«Ich will nicht einfach nur irgendwas verkaufen, sondern Kontakt zwischen Hersteller und Konsumenten schaffen.»

Markus Kanthack, Geschäftsführer

Das Spektrum werde immer wieder mit unterschiedlichen Ansprüchen konfrontiert. Viele kämen herein und meinen, es sei ein Pop-up-Store. Bei manchen erkennt Loos einen Widerspruch: «Leute, die zwar sagen, sie möchten Nachhaltiges unterstützen, selbst aber grosse Erwartungen haben.» Gleichwohl gebe es in der Stadt durchaus Interesse an dem Laden, sagt Kanthack. «Luzerner entdecken gern», und es gebe viele wiederkehrende Entdeckende.

Coronakrise machte Team zu schaffen

«Wenn es wegen Corona nicht so schwierig wäre, würden wir mehr Netzwerke bauen», erkärt Lilian Loos. Angedacht wären Vernissagen, Konzerte oder Workshops. «Am Anfang haben wir das auch oft gemacht und es kamen viele unterschiedliche Leute zusammen. Als man immer weniger durfte, blieb das auf der Strecke.»

Mit den Corona-Reglementierungen, so Kanthack, sei «der Spielraum immer kleiner und enger» geworden. Mittlerweile wäre wieder mehr möglich, aber die Ungewissheit mache dem Ladenteam zu schaffen und man wurde vorsichtiger. Zudem seien die Kraftressourcen beschränkt.

Momentan werden im Spektrum Werke von 130 bis 135 Kunstschaffenden ausgestellt und verkauft. Im Verkauf werden Loos und Kanthack zur Not von zwei bis drei Freiwilligen unterstützt. Jedoch sei es nicht einfach, ohne Hintergrundwissen ins Verkaufsgespräch zu gehen. Nachfragen und Informationsbedarf gebe es ständig. «Manchmal wissen es die Künstler selbst nicht oder es ist schwierig zu formulieren», erzählt Kanthack.

Der Frühling war eine schwierige Zeit

Als das Spektrum nicht öffnen durfte, habe man den Kunstschaffenden die Verkaufsflächenmiete erlassen. Der Laden selbst erhielt eine geringfügige Mietreduktion der Vermieterin. Ansonsten habe Kanthack für sein Empfinden zu wenig Unterstützung erhalten – auch staatlich. «Wir sind einfach zu klein. Da springt man halt über die Klinge.»

Als kommerzielle Einrichtung ohne ausgebauten Onlineshop waren auch Stiftungsgelder für das «Spektrum» ausser Reichweite. So überbrückten sie das Frühjahr mit privaten Mitteln. «Anfang März war eine ziemlich schwere Zeit», erzählt Kanthack.

Zu den Verkaufsschlagern im Spektrum gehören Kleider. «Was wirklich in grossen Mengen rausgeht, sind Socken und T-Shirts», erzählt Kanthack. Ladenhüter seien tendenziell aufwendige Stücke, wobei es schwer sei, die Verkaufsfähigkeit eines Werkes abzuschätzen.

Mit Freude erzählt er von einem grossen Baumstamm, der nach langer Ausstellungszeit tatsächlich für gutes Geld einen neuen Besitzer fand. Zusammen mit dem Künstler brachte Kanthack das Werk zur Kundschaft nach Hause und teilte die Geschichte dahinter bei Kaffee und Kuchen. «Ich will nicht einfach nur irgendwas verkaufen, sondern Kontakt zwischen Hersteller und Konsumenten schaffen, sodass eine Brücke da ist und du verstehst, was es braucht, um ein Kunstwerk zu produzieren.»

Spektrum Luzern steht vor ungewisser Zukunft

Es gibt auch Produkte für 5 oder 15 Franken. «Es ist gar nicht so teuer, wie manche vielleicht meinen», sagt Lilian Loos. Für die Zukunft sei angedacht, das Angebot noch mehr mit lokalen Getränken anzureichern. «Irgendwie passt Alkohol und Kunst recht gut zusammen», sagt Markus Kanthack und lacht.

Er selbst sei gerne an beiden Orten, im Bistro und im Laden. Nichtsdestotrotz hofft der Geschäftsführer darauf, dass sich Menschen finden, die das Spektrum übernehmen. «Ich bin bereit, das Ganze weiterzugeben an jemanden, der Power hat und das praktisch führen will.»

«Ob wir den Laden weitermachen, steht auf jeden Fall auf der Kippe.»

Markus Kanthack, Geschäftsführer

Um Kräfte zu sparen und effizienter einzusetzen, beschränkt sich der Laden bei den Öffnungszeiten mittlerweile auf Nachmittage und das Wochenende. Im Dezember aber gibt es dank der Weihnachtstage ständigen Betrieb. Was danach passiert, sei offen. «Ob wir den Laden weitermachen, steht auf jeden Fall auf der Kippe», gibt Kanthack zu.

Das Ende des Mietvertrages sei aber noch nicht in Sicht, weshalb es vorerst sicher weitergehen wird. Spektrum in Luzern sucht neue Kräfte. Die Energie vorerst weiter zu machen, zieht Markus Kanthack vor allem aus positiven Rückmeldungen der Leute, die Freude hätten, «dass es uns noch gibt».

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