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Meister überwindet alle Widerstände
Zukunft beim EVZ: Kommt Bachofners Hattrick zu spät?

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Der zweite Streich von Jérôme Bachofner im pinken EVZ-Dress: Er erwischt SCB-Goalie Philip Wüthrich in der hohen Ecke, derweil Calle Andersson zu spät kommt.
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Der zweite Streich von Jérôme Bachofner im pinken EVZ-Dress: Er erwischt SCB-Goalie Philip Wüthrich in der hohen Ecke, derweil Calle Andersson zu spät kommt. (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Wenn ein Team personell auf dem Zahnfleisch läuft, zeigt es sich, wer in der Lage ist, über sich hinauszuwachsen. Beim Meister EV Zug heisst der Mann der Stunde Jérôme Bachofner. Er hat den SC Bern mit einem Hattrick und einem Assist auseinandergeschraubt. Dennoch ist eine weitere Zusammenarbeit über diese Saison hinaus unsicher.

Als das 5:2 in trockenen Tüchern war, wollten die EVZ-Fans auf der Stehrampe ihren Helden feiern. Sie forderten den Dreifach-Torschützen Jérôme Bachofner dazu auf, mit ihnen die Welle zu machen. Also legte der 25-jährige Stürmer das in einem weissen Plastiksack verpackte Präsent für den besten Zuger der Partie kurzerhand aufs Eis der Bossard Arena und fuhr auf die Fanrampe zu.

Aber damit hatte es sich noch nicht. Nicht im Geringsten. Die eigenen Mitspieler verwehrten ihm den Zutritt zur Garderobe und forderten ihn auf, sich für seinen perfekten Abend nochmals mit einer Welle feiern zu lassen.

«So viele Tore und Punkte sind mir in meiner Karriere noch nie gelungen», sagte Jérôme Bachofner später. Er steht in seinem dritten und letzten Vertragsjahr mit den Zugern. Vor diesem Freitagabend sind ihm insgesamt 16 Tore für seinen aktuellen Arbeitgeber gelungen.

Nicht schon wieder dieser Bachofner!

Es sei ein schönes Signal, wenn nicht so hoch eingestufte Spieler mehr Verantwortung im eigenen Team übernehmen können, befand Zugs Meistermacher Dan Tangnes nach dem zehnten Sieg im 14. Meisterschaftsspiel. Es könnte sich im Hinblick auf eine erfolgreiche Titelverteidigung auszahlen. «Mich freut es sehr für Jérôme Bachofner», ergänzte der 42-jährige Norweger.

Die Galavorstellung seines Flügelstürmers kam wie gerufen. Der EVZ brachte nach dem jüngsten Corona-Ausbruch, der Captain Jan Kovar, Stürmerkollege Fabrice Herzog und Verteidiger Dario Wüthrich erwischte (zentralplus berichtete), und den Langzeitverletzten Sven Senteler und Yannick Zehnder nur noch eine «Lightversion» seines besten Aufgebots aufs Eis.

«Dieser Check hätte nicht sein müssen, aber zum Glück ist nichts passiert.»

Zugs Dreifachtorschütze Jérôme Bachofner

Neun Tage nach dem letzten Wettkampf gegen Red Bull München brauchte der Gastgeber das Startdrittel, um den Rhythmus wiederzufinden. Aber dann hatte der SC Bern nichts mehr zu bestellen. Jérôme Bachofner beendete nach der ersten Drittelspause die Ladehemmung der Zuger, beide Male auf Vorarbeit des schwedischen Offensivverteidigers Christian Djoos.

Im Berner Lager mochten sie sich gedacht haben: Nicht schon wieder dieser Bachofner! Denn das Highlight des EVZ-Stürmers bestand in der letzten Saison darin, dass er im sechsten und letztlich entscheiden Playoff-Viertelfinalspiel der letzten Saison das entscheidende 1:0 in Bern geschossen hatte.

Gerber jagt EVZ-Stürmer kopfvoran in Torumrandung

Vielleicht musste der Zürcher deshalb mit Fortdauer der ersten Partie an diesem Wochenende noch einiges einstecken. Es war geradezu heimtückisch, wie ihn SCB-Verteidiger Beat Gerber nach dem dritten Tor von hinten kopfvoran in den Torpfosten stiess.

«Dieser Check hätte nicht sein müssen, aber zum Glück ist nichts passiert», urteilte Jérôme Bachofner. Für seine gesundheitsgefährdende Aktion ist der Berner Rekordspieler der National League mit einem Restausschluss bestraft worden.

«Ein solcher Auftritt spielt mir natürlich in die Karten.»

Jérôme Bachofner

Für den EVZ-Stürmer steht in diesen Tagen und Wochen die berufliche Zukunft auf dem Spiel. Sein Vertrag mit den Zugern läuft am Ende dieser Saison aus. «Ein solcher Auftritt spielt mir natürlich in die Karten», sagte Jérôme Bachofner im Bewusstsein, das vielleicht beste Spiel seiner bisherigen Karriere abgeliefert zu haben.

Die Position von EVZ-Sportchef Reto Kläy

Aber ob das reicht, um die sportliche Leitung der Zuger von einer Verlängerung der Zusammenarbeit zu überzeugen? Zweifel sind angebracht.

EVZ-Sportchef Reto Kläy sagte jüngst zu zentralplus: «Die Spieler, die ein grösseres Interesse auf dem nationalen Markt generieren, haben wir unter Dach und Fach gebracht.» Sie heissen Jan Kovar und Dario Simion, die einen neuen Vertrag mit dem Titelverteidiger bis 2025 unterzeichnet haben. Auch für Goalie Luca Hollenstein ist eine weitere Zusammenarbeit beschlossene Sache (zentralplus berichtete).

Bei den anderen Spielern mit auslaufendem Vertrag lasse er sich aber Zeit, um sich mit jeder zusätzlichen Partie ein besseres Bild machen zu können, so Kläy. Seiner Ansicht nach generierten diese Spieler ein kleineres Interesse. Und dieser Kategorie rechnet er Spieler wie Jérôme Bachofner, Claudio Cadonau, Nico Gross und nicht zuletzt Marco Müller zu.

Ist Mike Künzle ein EVZ-Kandidat?

Auf die Frage von zentralplus, wie er denn Bachofners Leistungen in seiner Zeit beim EVZ gesamthaft einschätze, entgegnete Reto Kläy: «Das kann ich Ihnen erst sagen, wenn ich das dem Spieler mitgeteilt habe.» Jérôme Bachofner bestätigte am späten Freitagabend: «Mit dem Zuger Sportchef habe ich noch nicht geredet.»

Ein mit den Vorgängen im EV Zug bestens vertrauter Insider, der seinen Namen nicht in den Medien lesen will, eröffnete zentralplus vor wenigen Tagen: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bachofner eine Chance auf eine Vertragsverlängerung hat. Das Vertrauen und die Verantwortung kann man getrost einem Nachwuchsspieler übertragen.»

Kläy stellte in Aussicht, dass während der ersten Nationalmannschaftspause ab dem 8. bis 14. November nächste Personalentscheide im EVZ anstünden. Auf den Bieler Mike Künzle (27), der ebenfalls einen auslaufenden Vertrag zum Saisonende hat, sei er eben jüngst beim Durchkämmen der Scouting-Listen gestossen. Über den Powerflügel ist seit geraumer Zeit bekannt, dass er einige Interessenten in der National League hat. «Ich habe mich noch nicht bei seinem Berater gemeldet», beteuerte Kläy.

Über die sportliche Zukunft von Jérôme Bachofner im EVZ scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Und dem «Hinterbänkler» bleiben weitere Spiele Zeit, um Werbung in eigener Sache zu machen.

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1 Kommentare
  1. Black Pearl, 27.10.2021, 17:56 Uhr

    Bachofner ist einer, der immer fightet, und zwar auch in Spielen, in welchen es dem Team sonst nicht so läuft. Stimmts vom Gehalt her, dann würde ich ihn unbedingt behalten.

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