Zugs Stapi Karl Kobelt im zentralplus-Rücktritts-Interview
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Der Zuger Stadtpräsident Karl Kobelt lädt wöchentlich zum Gespräch. (Bild: zvg)

«Freue mich auf mehr Literatur, Sport und Reisen» Zugs Stapi Karl Kobelt im zentralplus-Rücktritts-Interview

5 min Lesezeit 29.06.2021, 17:30 Uhr

Nach vier Jahren gibt der Zuger Stadtpräsident sein Amt Ende 2022 ab. Karl Kobelt (FDP) will sich in Zukunft wieder intensiver seinen privaten Interessen widmen. Sein Entscheid habe weder mit der Kritik an der Kulturpolitik noch mit Druck der Partei zu tun, sagt der 62-Jährige.

Die Stadt Zug wählt nächstes Jahr einen neuen Stadtpräsidenten oder eine neue Stadtpräsidentin. Der aktuelle Amtsinhaber, FDP-Stadtrat Karl Kobelt, hat am Dienstag seinen Rückzug aus der Politik bekannt gegeben (zentralplus berichtete).

Der 62-Jährige führte sechs Jahre die Finanzdirektion, bevor er 2019 den Bürgerlichen das Stadtpräsidium sicherte. Er folgte dort auf Dolfi Müller, welcher der Stadt knapp zwölf Jahre vorstand und grosse Fussstapfen hinterliess. Im Unterschied zum über Zug hinaus bekannten SP-Stapi, der nie um ein Wort verlegen war, gilt Karl Kobelt mit seiner zurückhaltenden Art nicht als typisches «animal politique». In der Bevölkerung kam der Historiker derweil sehr gut an: Er wurde jeweils mit Glanzresultaten gewählt.

Auf das Ende der Legislatur gibt Karl Kobelt nach vier Jahren das Amt als Stadtpräsident ab. Aus persönlichen Gründen, wie er erklärt.

zentralplus: Karl Kobelt, wann haben Sie gemerkt, dass Sie anderen Interessen mehr Platz einräumen wollen als der Politik?

Karl Kobelt: Das hat sich schon vor einigen Monaten abgezeichnet. Im Frühling habe ich mir Zeit genommen, um eingehend darüber nachzudenken. Am Ende der Frühlingsferien ist der Entscheid dann definitiv gefallen.

zentralplus: Gab es dafür einen bestimmten Grund?

Kobelt: Nein, mein Entscheid ist über längere Zeit gereift. Ich arbeite sehr gerne mit dem Stadtrat und der Verwaltung zusammen, das läuft ausgezeichnet. Klar, mit dem GGR gibt es da und dort politische Auseinandersetzungen, aber das gehört zum Geschäft. Insgesamt bin ich sehr zufrieden, wie sich die Dinge in der Stadt Zug entwickeln. Nicht zuletzt in der Kultur sind wir auf dem richtigen Weg. Einen bestimmten Auslöser gab es also nicht.

«Mir ist bestens bekannt, wie die Politik in unserer Stadt tickt.»

zentralplus: Stichwort Kultur: Sie sagten im Januar selbstkritisch zu zentralplus, dass Sie das Potenzial für Veränderungen gern früher erkannt hätten. Welche Baustellen werden Sie in diesem Bereich noch anpacken – und welche Ihrer Nachfolge überlassen?

Kobelt: Im Vordergrund stehen die Verabschiedung der Kulturstrategie und das neue Kulturförderreglement. Die entsprechenden Vorlagen werden wir bis Ende dieses Jahres dem GGR unterbreiten können. Es bestehen also gute Aussichten, diese Geschäfte im Jahr 2022 und somit noch in meiner Amtszeit abschliessen zu können.

zentralplus: Es gab teilweise harsche Kritik, gerade im Zusammenhang mit der Kultur. Haben Sie sich das Regieren und das exponierte Amt als Stadtpräsident einfacher vorgestellt?

Kobelt: Nein. Ich kenne den politischen Prozess seit langem, ich bin ja bereits 2007 mit meiner Wahl in den GGR in die Stadtpolitik eingestiegen. Mir ist also bestens bekannt, wie die Politik in unserer Stadt tickt.

zentralplus: Sie haben auf Gegenwehr stets freundlich reagiert – vielleicht fast zu freundlich – und sich nie aus der Reserve locken lassen. Hat Sie die Kritik nicht auch mal persönlich getroffen?

Kobelt: Ich denke, dass ich mit Kritik umgehen kann. Natürlich hat man es lieber, wenn einem auf die Schulter geklopft wird. Aber ich habe in meiner Zeit in der Exekutive viel Zuspruch erfahren, sowohl aus der Bevölkerung als auch aus der Politik. Wir haben ja auch viel erreicht in dieser Zeit.

«Was Eliane Birchmeier betrifft, ist es ihr persönlicher Entscheid, ob sie kandidieren möchte oder nicht.»

zentralplus: Zum Beispiel?

Kobelt: Wir konnten, noch in meiner Zeit als Finanzvorsteher, das strukturelle Defizit aus der Welt schaffen und wichtige Landgeschäfte unter Dach und Fach bringen, ebenso den grossen Umbau des LG-Gebäudes. Auch die 2017 verabschiedete Digitalisierungsstrategie, die Zentralisierung der Verwaltung und Weiteres mehr liesse sich hervorheben. Dies und mehr konnte im Stadtrat und zum Wohle der Bevölkerung erwirkt werden.

Karl Kobelt und seine Parteikollegin im Stadtrat Eliane Birchmeier.

zentralplus: Mit FDP-Stadträtin Eliane Birchmeier hat Ihre Partei eine potenzielle Nachfolgerin fürs Stadtpräsidium in ihren Reihen. Gab es Druck von der Partei, ihr Platz zu machen?

Kobelt: Nein, überhaupt nicht.

zentralplus: Wäre die Zeit Ihrer Ansicht nach reif für die erste Stadtpräsidentin von Zug?

Kobelt: (überlegt). Das ist bereits beim letzten Wahlkampf thematisiert worden. Klar sollten sich die Geschlechter in der Politik gleichberechtigt einbringen. Letztlich ist es aber Gegenstand politischer Auseinandersetzungen, wer Stadtpräsident oder Stadtpräsidentin wird. Auch was Eliane Birchmeier betrifft, ist es ihr persönlicher Entscheid, ob sie kandidieren möchte oder nicht.

«Ich freue mich sehr auf mehr Privatleben, mehr Literatur, mehr Sport, mehr Musik und Reisen.»

zentralplus: Angesichts Ihrer guten Wahlresultate wäre es für Sie ein Leichtes gewesen, noch eine halbe Legislatur anzuhängen – und so den Sitz der FDP vor allfälligen Angriffen aus den Reihen der SP oder der GLP zu verteidigen.

Kobelt: Das ist für mich nicht infrage gekommen. Man wird für eine ganze Legislatur gewählt. Entweder vier Jahre oder gar nicht – ein Dazwischen gibt es für mich nicht. Wer in die Regierung gewählt wird, liegt im Übrigen nicht an mir zu entscheiden, sondern an den Bürgerinnen und Bürgern.

zentralplus: Blicken wir noch etwas voraus: Ende 2022 geben Sie Ihr Amt ab. Worauf freuen Sie sich nach dem Ende Ihrer politischen Karriere am meisten?

Kobelt: Ich freue mich sehr auf mehr Privatleben, mehr Literatur, mehr Sport, mehr Musik und Reisen: All diese Interessen mussten in den letzten Jahren kürzertreten und haben in Zukunft wieder mehr Platz.

zentralplus: Und wie sieht es mit beruflichen Plänen aus?

Kobelt: Ich will geistig und körperlich aktiv bleiben, weitere Pläne habe ich derzeit noch nicht. Wenn eine spannende Aufgabe an mich herangetragen wird, werde ich eine entsprechende Anfrage prüfen.

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