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Zugs erster Verkehrstunnel sperrt seinen Schlund schon weit auf
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Weiter oben im Geissbüel-Tunnel Richtung Verkehrsknoten Margel herrscht noch «Cabrio-Atmosphäre». (Bild: woz)

Stippvisite auf der Tangente-Baustelle Zugs erster Verkehrstunnel sperrt seinen Schlund schon weit auf

5 min Lesezeit 1 Kommentar 22.11.2018, 04:59 Uhr

Im reichen Zug gibt es eigentlich fast alles. Doch mit einem richtigen Strassentunnel konnte der Kanton bisher noch nicht auftrumpfen. Das ändert sich nun. Bis Januar 2019 soll der Rohbau des Geissbüel-Tunnels an der Tangente fertig gestellt sein. Die Baustelle zwischen Zug und Baar wirkt gigantisch.

Selbst aus weiter Entfernung ist das gewaltige, beleuchtete «Loch» im Hang erkennbar. Nähert man sich der Baustelle zwischen Baar und Inwil, könnte man meinen, man blicke ins Maul eines Monsters. Das Südportal des Betongiganten öffnet seinen zahnlosen Schlund schon weit auf.

Drei Kilometer lange Ost-West-Verbindung

Doch die Rede ist nicht von einem Ungeheuer, sondern von der Tangente Zug/Baar. Genauer gesagt von seinem Prunkstück und teuersten Teilabschnitt: dem Tunnel Geissbüel. Dieser ist 370 Meter lang und bohrt sich wie ein Maulwurf in einer weit geschwungenen Rechtskurve den Hang hinauf.

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«Bei einem Starkregen kann es schon passieren, dass anfangs ein bisschen Wasser durch den Tunnel strömt.»

Bruno Christen, Projektleiter der «Tangente»

«Der Tunnel kostet rund 30 Millionen Franken», verrät Bruno Christen, «Herr der Tangente» und seines Zeichens stellvertretender Abteilungsleiter des kantonalen Tiefbauamts, bei einem Erkundungsgang durch das Reich der Unterwelt. Bis Januar 2019 soll der Rohbau des Tunnelkörpers stehen – die Zahl ist bereits am Tunnelportal in den Beton geritzt. Bringt das kein Unglück – man feiert ja Geburtstage ja auch nicht im Voraus? Christen grinst und schüttelt den Kopf. «Es ist ja kein richtiger Geburtstag.»

Ab 2021 soll hier bekanntlich der Verkehr von der Autobahn Richtung Ägerital und umgekehrt fliessen und gleichzeitig die Stadtzentren von Baar und Zug entlasten. Das ist die Idee der 201 Millionen Franken teuren und drei Kilometer langen Ost-West-Verbindung zwischen dem Zuger Berggebiet und der Talebene.

Wie ein riesiger Schlund wirkt das Südportal des Geissbüel-Tunnels an der Tangente.

Wie ein riesiger Schlund wirkt das Südportal des Geissbüel-Tunnels an der Tangente.

(Bild: woz)

Die Tangente führt dabei als zweispurige Kantonsstrasse vom Anschluss Margel an der Ägeristrasse zum Knoten Zugerstrasse im Talboden. Von dort verläuft sie auf der heutigen Südstrasse, die bis zum Autobahnanschluss Baar auf drei Spuren ausgebaut wird. Die Einbindung in das bestehende Strassennetz erfolgt über sechs Knoten (zentralplus berichtete).

Wie in einer sanften Steilwandkurve

Auch wenn es nur schwer zu glauben ist. Ein Verkehrstunnel ist etwas total Neues im Kanton Zug. Bislang gibt es im vom Stau geplagten Boomkanton allenfalls mehr oder weniger lange Strassenunterführungen – die Blegi-Unterführung an der Autobahn A4a etwa. Dies ist die kurze, «unterirdische» Nordzufahrt, wenn man von der Autobahn Richtung Zug fährt. Oder das Gubelloch in der Stadt Zug unter dem Bahnhof. Aber ein richtiger Strassentunnel wird erst jetzt in Gestalt des Geissbüel-Tunnels an der Tangente gebaut.

Der wirkt aus der Perspektive eines Fussgängers ganz schön riesig. Man wähnt sich fast im Bauch eines Walfisches, wenn man durch den bereits gut beleuchteten elf Meter breiten und neun Meter hohen Hohlkörper bergan schreitet. Denn der Tunnel weist eine Steigung von sieben Prozent auf. Und nicht nur das: Mit einer Querneigung von fünf Prozent kippt er nach innen – wie eine supersanfte Steilwandkurve einer Carrera-Autorennbahn.

Licht am Ende des bisher gebauten Tunnels: Insgesamt weist die Röhre des Strassentunnels eine Länge von 370 Metern auf. Stahlarmierungen stützen die Decke ab.

Licht am Ende des bisher gebauten Tunnels: Insgesamt weist die Röhre des Strassentunnels eine Länge von 370 Metern auf. Stahlarmierungen stützen die Decke ab.

(Bild: woz)

Die Fahrbahnen sind noch nicht geteert. Dafür ist die Betongrundplatte des Tunnels fertig. Rohre hängen wie gekappte Arterien schlaff ins Innere der Röhre: Entwässerungsleitungen des Tunnels, die später nicht mehr zu sehen sein werden, weil sie unterhalb der Fahrbahn verlaufen.

Das endgültige Strassenniveau befindet sich am Ende nämlich gut eineneinhalb Meter höher als das jetzige Bodenlevel im Rohbau. Die dunklen Nischen für die Notfalltelefone und die Notausgänge sind ebenfalls schon in den Betonwänden ausgespart.

Wie in einem Grand Canyon «en miniature»

Weiter hinten blendet einen fast das Weiss des Lichts vom Ende des Tunnels – denn noch ist erst knapp die Hälfte der Unterführung fertig. Dahinter öffnet sich eine wilde, archetypisch anmutende Schlucht. Wie in einem Grand Canyon «en miniature» kommt man sich hier vor. Bauarbeiter hantieren wuchtig mit Eisenstangen für die Armierungen.

«Wir schaffen pro Woche jeweils eine Bodenplatte, zwei Seitenwände und eine Deckenplatte», skizziert Christen das Tunneltempo der Bauarbeiter. Das kommt einem ganz schön schnell vor, wenn man sich die gigantischen Ausmasse der Geländeschneise vor Augen führt. Dann nimmt der kantonale Bauleiter eine Eisenstange aus einem Behälter und führt vor, wie die Wände befestigt werden.

Hier gehts lang – der «Herr der Tangente» Bruno Christen im Geissbüel-Tunnel. Im Januar 2019 soll der Rohbau des Tunnels fertiggestellt sein.

Hier gehts lang – der «Herr der Tangente» Bruno Christen im Geissbüel-Tunnel. Im Januar 2019 soll der Rohbau des Tunnels fertiggestellt sein.

(Bild: woz)

Eine künstliche Lüftung braucht der fertige Tunnel später übrigens nicht. «Die Entlüftung funktioniert wie bei einem Kamin», erklärt Christen. Was besonders für die Feuerwehr wichtig ist. Denn die muss im Brandfall stets von unten nach oben in den Tunnel einfahren, um nicht in die nach oben abziehenden Rauchschwaden zu geraten.

Der Geissbüel-Tunnel in Zahlen

Der Tunnel ist 370 Meter lang und 11,12 Meter breit. 11'700 Kubikmeter Beton und 1'700 Tonnen Betonstahl werden verbaut. Die Röhre hat drei Notausstiege. Die Kosten belaufen sich insgesamt (inklusive Planung, Landerwerb etc.) auf rund 30 Millionen Franken. Die reinen Baukosten betragen 20 Millionen. Davon entfallen 13,5 Millionen auf den Rohbau, 1,5 Millionen auf den Strassenbau und 5 Millionen auf die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung.

Videokameras, Funk- und Radiosignale

Natürlich installiert man später auch noch Rauch- und Brandmelder im Tunnel. «Stehende Autos werden von Videokameras erfasst, welche die Bilder sofort an die Einsatzzentrale der Zuger Polizei weiterleiten», sagt der kantonale Angestellte. Funk- und Radiosignale kommen hinzu, ebenso ein Mobilfunksignal – damit man auch im Tunnel erreichbar ist.

Und was passiert bei einem starken Gewitterregen – strömt dann nicht sintflutartig Wasser von oben durch den Tunnel nach unten? «Bei einem Starkregen kann es schon passieren, dass anfangs ein bisschen Wasser durch den Tunnel strömt.» Überschwemmungen werde es aber keine geben. Grundsätzlich seien die Regenwassersammelbecken am nördlichen Tunnelportal und die seitlichen Rinnen leistungsfähig genug, versichert Christen.

Ein neues Tor Richtung Zug: Die urbane Hochhaus-Kulisse zwischen Inwil und Zug spannt sich am Südportal des Tunnels auf.

Ein neues Tor Richtung Zug: Die urbane Hochhaus-Kulisse zwischen Inwil und Zug spannt sich am Südportal des Tunnels auf.

(Bild: woz)

Am oberen Tunnelende, dort wo die Ägeristrasse in die Tangente mündet, wird übrigens auch eine Ampelanlage eingerichtet – vor allem damit der Bus Richtung Talacher zum Zug kommt. Ansonsten sei der Verkehr auf der Tangente priorisiert. Die Ampel soll so geschaltet sein, dass sich der Verkehr nicht in den Tunnel zurückstaut. Die Höchstgeschwindigkeit im Tunnel sowie auf der ganzen drei Kilometer langen Tangente soll bei 60 Stundenkilometer liegen.

Grandioses neues Panorama von Zug und Baar

Inzwischen ist es dunkel geworden. Die Tunnelbeleuchtung inszeniert fast eine romantische Behaglichkeit. Vielleicht wird es an dieser Stelle am Südportal vor der Eröffnung des Tunnels ja irgendwann noch einen Apéro geben – zur festlichen Einweihung der langen Höhle quasi.

Wer von der Aussichtsterrasse Richtung Zug und Inwil schaut, meint jedenfalls beinahe auf New Yorker Kulissen zu blicken: Von den gewaltigen Scheibenhäusern in Inwil über dem Untermüli-Skyscraper in Zug bis zum Alexis-Hochhaus in Baar spannt sich eine sehenswerte, urbane Landschaft vor dem Betrachter auf.

Bauarbeiten können auch  romantisch wirken.

Bauarbeiten können auch  romantisch wirken.

(Bild: woz)

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1 Kommentare
  1. Alex Baumann, 22.11.2018, 17:03 Uhr

    Danke, Herr Holz, für diesen Augenschein. Wissen Sie, ob die Tangente als Gesamtes erst 2021 eröffnet wird oder ob man vielleicht schon früher die Tangente Südstrasse/Inwil befahren kann?