Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Zuglüftung bringt Luzerner Nacht für Nacht um ihren Schlaf
  • Gesellschaft
Befindet sich seit zwei Jahren im Knatsch mit den SBB: Hans Peter Weber auf der Brücke oberhalb des Gleis 31. Auf dem Abstellgleis stehen nachts die lärmenden Züge. (Bild: bic)

Anwohner und die SBB liegen sich in den Haaren Zuglüftung bringt Luzerner Nacht für Nacht um ihren Schlaf

4 min Lesezeit 20.07.2018, 18:43 Uhr

Das Gleis 31 liegt mitten im Luzerner Neustadtquartier. Jede Nacht werden auf dem Abstellgleis Züge parkiert. Doch die Klimaanlagen in den abgestellten Kompositionen brummen munter weiter. Vor allem im Sommer bringt der Lärm die Anwohner um ihren Schlaf. Doch auch die Drohung mit der Justiz wird ihnen nichts bringen.

Schweizer Züge und ihre Klimaanlagen: ein spezielles Thema. Nachdem zentralplus diese Woche von überhitzten Zügen der BLS berichtete (zentralplus berichtete), meldete sich ein Leser, der mit den Belüftungsanlagen des Bahnunternehmens ebenfalls seine liebe Mühe hat.

Doch dieses Mal geht es nicht um die Temperaturen, sondern um den Krach, den die Systeme verursachen – und zwar Nacht für Nacht. Es folgte ein jahrelanger Knatsch zwischen den SBB, der BLS und den Anwohnern.

Vor allem im Sommer schlimm

Hans Peter Weber wohnt seit gut zwei Jahren an der Bleicherstrasse im Luzerner Neutstadtquartier. Direkt am Bahntrassee, welches bekanntlich das Quartier durchquert. «Wir Anwohner wussten von Beginn weg, dass wir an der Bahnlinie wohnen», sagt der 62-Jährige. Deshalb habe er auch absolut kein Problem mit dem Zuglärm.

Als unzumutbar empfänden er und andere Anwohner indes, dass jede Nacht Zugkompositionen direkt unterhalb ihrer Wohnung abgestellt werden, deren Lüftungssysteme fast ununterbrochen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. «Vor allem jetzt im Sommer, wenn man in der Nacht gerne das Fenster offen lassen würde, ist es unerträglich», beklagt sich Weber, der im vierten Stock wohnt.

SBB-Züge sind leise

Seit zwei Jahren hält der Knatsch nun schon an. Dies geht aus dem Mailverkehr zwischen den SBB und Weber hervor. Während sich Weber zu Beginn noch bei den SBB beklagte, musste er mit der Zeit feststellen, dass deren Züge kein Problem darstellen und lediglich die BLS-Kombinationen für den spätstündlichen Krach verantwortlich sind. Da jedoch die Bundesbahnen das Parkregime am Bahnhof Luzern festlegen, befindet sich Weber trotzdem mit ihnen im Zwist.

«Vor allem die älteren S-Bahn-Züge der BLS vom Typ ‹Nina› bringen uns jede Nacht um den Schlaf», sagt Weber. Andere Eisenbahnwagen des Unternehmens wie der «Kambly-Zug» oder der «Lötschberger» hingegen seien einigermassen auszuhalten. Weber verlangt deshalb, dass künftig nur noch leise Züge auf dem Gleis 31 mitten im Wohnquartier über Nacht abgestellt werden.

«Der Bahnhof ist gross und hat sehr viele Abstellgleise, die nicht in einem Wohnquartier liegen. Ich bin überzeugt, dass man eine Lösung finden würde, wenn man wirklich wollte.» Das Parkierungskonzept sei wohl nicht in Stein gemeisselt und könnte entsprechend angepasst werden, gibt sich Weber kämpferisch.

Die Züge werden aufgepeppt …

Bei den SBB und der BLS zeigt man Verständnis für Webers Anliegen. Dass sich kurzfristig etwas ändern wird, ist trotzdem unwahrscheinlich, wie dem Mailverkehr zu entnehmen ist. Denn dass Anpassungen beim Parkregime relativ einfach vorgenommen werden könnten, dementieren die SBB: «Die Abstellkapazitäten in Luzern sind generell ziemlich ausgereizt und somit die Möglichkeiten von Anpassungen beschränkt.» Da es sich bei Gleis 31 um ein Abstellgleis handle, werde es dort folglich über Nacht immer Züge geben.

Die BLS ist allerdings dabei, ihre Kombinationen so umzurüsten, dass sie weniger Lärm verursachen, wie sie 2017 gegenüber Hans Peter Weber betonten. Somit werde es in der Nacht künftig ruhiger sein. Bei allen Zügen werde eine sogenannte «Schlummerfunktion» installiert. Dadurch wird die Kühlung unterbrochen, sobald die gewünschte Temperatur erreicht wurde.

So laut die Züge der BLS:

… aber Anwohner drohten mit der Justiz

Da sich gemäss den Anwohnern die Situation aber immer noch nicht wirklich verbessert hat, drohten sie den SBB und den BLS diesen Frühling mit rechtlichen Schritten. Bislang haben sie jedoch davon abgesehen.

Dennoch sah sich die BLS letzten Monat zu einer deutlichen Stellungnahme gezwungen: «Alle Zugkompositionen der BLS erfüllen die Lärmgrenzwerte gemäss dem Bundesamt für Verkehr (BAV) – auch ohne Schlummermodus.» Die «Lötschberger» seien mittlerweile alle mit dieser Funktion ausgestattet.

Bei den Nina-Zügen seien indes 8 von 22 Kompositionen noch nicht umgerüstet worden. «Wir gehen aber davon aus, dass bis Ende 2019 auch alle Nina-Wagen entsprechend umgebaut sind», so das Unternehmen. «Dennoch werden bis zum Abschluss des Sanierungsprogramms Nina-Züge ohne Schlummermodus auf Gleis 31 parkiert sein.» 

Mit lärmenden Zügen werden sich die Gleisanrainer wohl also auch in Zukunft abfinden müssen. Denn durch den Schlummermodus wird die Klimaanlage nur vorübergehend ausgeschaltet. An der Lautstärke an sich werde sich wohl nichts ändern, vermutet Hans Peter Weber.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare