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Zugerin «fairführt» Luzern
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Kritisch und mit konkreten Tipps: Die bekannte Zuger Geschichtenerzählerin Maria Greco lehrt Luzern das bewusste Einkaufen. (Bild: zvg)

Konsumkritischer Stadtrundgang Zugerin «fairführt» Luzern

4 min Lesezeit 23.04.2015, 10:30 Uhr

Sand in den Jeans, Soja im Fleisch und Blut im Handy: Eine Zugerin redet den Luzerner Konsumenten ins Gewissen. Eine Stadtführung nur für Gutmenschen also?

Stadtrundgänge abseits ausgetretener Touristenpfade boomen. Zahlreiche Führungen laden dazu ein, Luzern mit andern Augen zu entdecken (zentral+ berichtete). Neu widmet sich eine davon dem Thema Shopping − auf besondere Art und Weise.

«Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein T-Shirt für drei Franken fünfzig. Drei Franken fünfzig!» Maria Grecos Stimme fesselt, klingt eindringlich. «Sagen Sie mir, wo bekommen Sie dafür einen Kaffee hier?», fragt Greco. «Eben.» Sie habe sich schon immer überlegt, warum was wie viel koste. Oder eben gerade so günstig sei.

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Fakten, die aufrütteln

Geschichtenerzählen ist Leidenschaft und Beruf der gebürtigen Baarerin mit italienischen Wurzeln. Nun will Greco mit unerhörten Geschichten und Anekdoten aus der Welt des Konsums «fairführen». Der alternative Stadtrundgang, der mit haarsträubenden Fakten und Zahlen aufwartet, soll aufrütteln und etwas bewegen (siehe Box).

«Ich bin Erzählerin und Schauspielerin, keine Aktivistin.»

Maria Greco, Zuger Geschichtenerzählerin

Mit alternativen Stadtführungen hat Greco Erfahrung. Überall im Kanton Zug hat sie im Rahmen von Rundgängen Sagen, Legenden und Geschichten erzählt und aufgeführt. Mit dem Rohstoffrundgang hat sie Interessierte ins Reich der Rohstoffhändler entführt. Und im Herbst des letzten Jahres hat sie in der Stadt Luzern zum ersten mal «Fairführungen» angeboten. Diese seien auf «irrsinnig» grosses Echo gestossen, wie sie sagt. «Pro Führung nahmen jeweils 40 bis 50 Leute teil.»

Bewusster einkaufen

Rund 75 Minuten dauert der alternative Stadtrundgang durch die Altstadt von Luzern mit der Zuger Geschichtenerzählerin Maria Greco: An verschiedenen Stationen erhalten Konsumenten Tipps, wie sie durch faires Shoppen zu einer gerechteren Welt beitragen können. Angeboten wird die Führung, die ab Mai fünfmal stattfindet, vom Romerohaus Luzern und der Regionalgruppe Zentralschweiz der Erklärung von Bern (EVB).

Nun geht der Anlass in die nächste Runde. Mit frisch überarbeiteten Geschichten und mit neuen Stationen und Themen, zum Beispiel zur Textil- oder Lebensmittelindustrie.

Während des Rundgangs erfahren die Besucher unter anderem, dass «stone washed» Jeans unter teils prekären Bedingungen produziert werden. Denn statt gewaschen werden die Jeans sandgestrahlt – was bei ungenügendem Atemschutz zu einer Staublunge führt.

Man sei gründlich über die Bücher gegangen, habe viel recherchiert und viel Neues zu erzählen. «Die Fakten und Hintergründe habe ich von den Organisatoren, der Erklärung von Bern (EVB) und dem Romerohaus Luzern erhalten.» Diese hätten sie für die Führungen angefragt. «Ich mache dann die Geschichten daraus, flechte Anekdoten, beziehe Personen und Orte mit ein.»

Eine gute Portion Idealismus

Dass eine Zuger Sagenerzählerin in Luzern Stadtrundgänge für faires Shopping macht, erstaunt auf den ersten Blick. Greco lacht. «Ich bin gar nicht so neu in Luzern.» 2011 habe sie zusammen mit Brigitte Amrein den Kulturförderpreis der Gemeinde Horw entgegennehmen dürfen – für ihr Engagement bei den Theatertouren «Sagenhaftes Horw».

«Die neuen Rundgänge sind allerdings weniger theatralisch», erklärt Greco. Es würden viele spannende Informationen vermittelt, da sei Erzählen besser als Spielen. Hungerlöhne, Gesundheitsrisiken, Gefahren, es werde in der Welt halt schon viel «gheuet», regt sich Greco auf. Mit ihrem Engagement will sie zum Nachdenken anregen. 

«Pelzführungen würde ich nie machen.»

Maria Greco

«Geschichtenerzählen ist mein Job», sagt sie. Und doch steckt ein gute Portion Idealismus hinter diesem Engagement. Greco, die nach Möglichkeit selbst Fair-Trade-Produkte konsumiert, hält fest: Sie könne auch persönlich hinter der Sache stehen. «Pelzführungen würde ich nie machen.»

Kritisch hinterfragen

Nein, ein Gutmensch sei sie nicht, sagt Maria Greco. «Das kann nur der liebe Gott.» Sie wolle aber mit diesem Stadtrundgang auch andere motivieren, ihre Konsumentscheide kritisch zu hinterfragen und bewusster zu treffen, erklärt sie. «Mit gesundem Menschenverstand kann man schon einiges bewegen.» Sie versuche einfach, nach ihrem Gewissen zu handeln, dazu gehöre auch, mal auf etwas zu verzichten.

Instrumentalisieren lässt sich Greco nicht. Sie sei nicht Mitglied bei den Partnerorganisationen der Fairführungen. «Ich will da nicht mitmachen, sondern unabhängig bleiben», hält Greco fest. «Ich bin Erzählerin und Schauspielerin, keine Aktivistin.»

«Man kann es auch übertreiben.»

Maria Greco

Von «Fanatikern» hält sie nicht viel: «Man kann es auch übertreiben.» Sie unterstütze zwar die Idee, könne sich aber auch nicht immer so verhalten, wie es für die Welt besten wäre. Mit den Fairführungen wolle man alle Leute ansprechen. «Schliesslich sind wir in der globalisierten Welt alle miteinander vernetzt.»

Sind die Führungen belehrend? «Sie sollen einerseits vor allem informieren. Und andererseits natürlich zum Umdenken anregen», so Greco. Das sei wichtig. «Nur durch konkretes Handeln können wir etwas bewegen.»

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