Zugerin an der Bushaltestelle: Plötzlich hatte der Fremde seine Hand in ihrer Hose
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Der Mann folgte der Frau bis zur Bushaltestelle – wo er übergriffig wurde. (Bild: Adobe Stock)

16 Tage gegen Gewalt an Frauen Zugerin an der Bushaltestelle: Plötzlich hatte der Fremde seine Hand in ihrer Hose

3 min Lesezeit 4 Kommentare 30.11.2020, 05:00 Uhr

Mehr als die Hälfte der Schweizer Frauen werden im Verlauf ihres Lebens einmal Opfer eines sexuellen Übergriffs. Meist im privaten Umfeld. Doch manchmal passiert es auch am helllichten Tag. An einer Bushaltestelle zum Beispiel.

Es war ein warmer Sommertag im Juni diesen Jahres, als die junge Frau von der Klinik Meissenberg in Richtung der Bushaltestelle Bellevueweg unterwegs war. Da kreuzte ein 44-jähriger Mann ihren Weg. Zunächst blieb er stehen, dann sprach er sie an und folgte ihr.

Es begann schon unangenehm zu werden, als der Fremde unverhofft anfing, der 20-Jährigen Komplimente zu ihrem Aussehen zu machen. Die Irritation der Frau beachtete der Mann aber nicht. Und auch die wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln ignorierte er. Er lief neben der Frau her, redete auf sie ein und legte ihr dabei den Arm um die Schulter. Dass sie die Hand immer wieder wegschob, kümmerte ihn nicht.

Die Abfuhr scherte ihn nicht

Bei der Bushaltestelle angelangt, setzte sich die Frau auf die Sitzbank. Der Mann platzierte sich umgehend neben ihr und bot ihr an, sie mit dem Auto zu fahren – was die Frau aber nicht wollte. Auch diese Abfuhr ignorierte der 44-Jährige. Er legte seine Hand auf den Oberschenkel der Frau, streichelte ihren Hals, küsste sie auf die Wange, umarmte sie und berührte ihre Hüfte.

Die 20-Jährige sagte mehrfach, dass er damit aufhören solle. Als der Mann von ihr verlangte, ihn ebenfalls zu küssen, lehnte sie «entschieden ab», wie es in einem Strafbefehl der Zuger Staatsanwaltschaft heisst. Trotzdem griff er ihr mit der Hand von hinten in die Unterhose und fasste an den Po. Das sei doch schön, meinte er.

Die junge Frau zog seine Hand aus der Hose und sagte ihm nochmals klipp und klar, dass er aufhören soll. Trotz der Belästigungen blieb sie an der Haltestelle sitzen – aus Angst, dass er ihr sonst wieder folgen würde.  

Busse von 800 Franken

Der Mann gab ihr schliesslich seine Telefonnummer. Seinen Namen gab er fälschlicherweise mit «Dennis» an. Sie könne künftig bei ihm wohnen und arbeiten, meinte er noch. Als der Bus nach einer halben Stunde endlich kam, stieg die Frau schnell ein – und der Mann entschwand in unbekannte Richtung.

Der Polizei jedoch gelang es zu ermitteln, um wen es sich handelt: Es ist ein verheirateter Mann aus der Türkei, der im Kanton Zug lebt. Die Staatsanwaltschaft spricht ihn der sexuellen Belästigung schuldig und verurteilt ihn zu einer Busse von 800 Franken. Wie aus dem rechtskräftigen Strafbefehl hervorgeht, hat er mit psychischen Schwierigkeiten zu kämpfen und ist deshalb in Behandlung.

1243 Fälle pro Jahr

Es ist ein Fall von vielen. Letztes Jahr haben die Schweizer Polizeikorps 1243 Fälle von sexueller Belästigung registriert. 26 davon im Kanton Zug. Die meisten, nämlich 20, konnten aufgeklärt werden.

Die Aktion «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» hat das Thema an einer Kundgebung letzte Woche in Luzern aufgegriffen. Rund 30 Frauen standen auf dem Theaterplatz. Sie waren still, trugen aber Schilder mit privaten oder veröffentlichten Aussagen von Frauen auf sich, die Gewalt erlebt hatten (zentralplus berichtete). Sie fordern, dass mehr gegen Gewalt an Frauen getan wird.

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4 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 30.11.2020, 14:16 Uhr

    So ist es eben mit den Psychos: Die einen rasten ob körperlichen Reizen aus, die andern geraten wegen Nationszugehörigkeiten ins Geifern.

  2. Wisali, 30.11.2020, 10:31 Uhr

    Haha, psychische Schwierigkeiten. Diesen Täter aber sofort zur Grenze begleiten. 15 Jahre Einreiseverbot

  3. Paul Bründler, 30.11.2020, 10:29 Uhr

    Dass man mit einer Einwanderungsbremse für Angehörige von mittelalterlichen Kulturen etwas «gegen Gewalt an Frauen» tun könnte, kommt diesen Frauen wohl nicht in den Sinn.
    Das wäre mit Sicherheit die effizienteste Methode, stattdessen zieht man lieber über «toxische Männlichkeit» her und spaltet die heimische Gesellschaft, ganz nach bekanntem linken Muster.

    1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 30.11.2020, 12:42 Uhr

      Das ist halt das Wesen einer Ideologie: Es kann nicht sein, was nicht sein darf!!

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