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Felix Franz zur Gastronomie in der Krise
Zuger Wirt: «Ich schätze, dass bis 30 Prozent der Restaurants die Luft ausgeht»

<p>Felix Franz vor seinem «Restaurant zum Kaiser Franz».  (Bild: Marco Bordonaro)</p>
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Felix Franz vor seinem «Restaurant zum Kaiser Franz».  (Bild: Marco Bordonaro)

Die Gastronomie ist von der aktuellen Situation schwer betroffen. Selbst jene bangen, die sich über Jahre ein finanzielles Polster angeschafft hatten. Felix Franz, Besitzer des «Restaurant zum Kaiser Franz» in Zug, freut sich auf die Wiedereröffnung. Doch weiss er, dass es ein hartes Jahr wird.

Mit dem Restaurant Baarbürgli hat im Kanton Zug während der Corona-Krise bereits ein erstes Lokal dichtgemacht (zentralplus berichtete). Es dürfte nicht das einzige bleiben, denn es sind harte Zeiten für die Gastrobranche.

Seit Mitte März sind alle Beizen in der Schweiz – bis auf Take-away-Angebote – geschlossen. Am 11. Mai dürfen sie wieder öffnen. Dies jedoch unter strikten Sicherheitsmassnahmen. Ein Schritt, den Felix Franz, der Geschäftsführer des «Restaurant zum Kaiser Franz», sehr skeptisch beäugt. Für die Gastronomieszene sieht er schwarz.

zentralplus: Herr Franz, wie geht es Ihnen in dieser Zeit?

Felix Franz: Gut! Ich war in den letzten Wochen häufig in der Natur. Weil wir so viel Zeit zuhause verbringen, konnte ich ausserdem mit meiner Familie mehr unternehmen, was auch gut getan hat.

zentralplus: Sie klingen unbekümmert. Heisst das, das «Kaiser Franz» ist durch die Krise nicht in finanzielle Not geraten?

Franz: Ich habe zum Glück noch etwas Luft. Wir hatten in den letzten Jahren sehr gute Abschlüsse und konnten so einige Rückstellungen machen. Daher hatte ich es bis jetzt noch nicht nötig, einen Kredit aufzunehmen. Doch natürlich ist es sehr schade, wenn man nun sieht, wie der Kontostand sinkt, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Auch ich musste für alle unsere Mitarbeiter Kurzarbeit eingegeben.

zentralplus: Andere Berufskollegen dürften es wohl deutlich schwerer haben als Sie.

Franz: Durchaus. Gerade Ausflugsrestaurants, welche während der Wintersaison zu hatten und auf den Sommerbetrieb warten, trifft es sehr hart. Bei denen ist ein wichtiger Teil des Jahresumsatzes verloren gegangen. Das tut mir unheimlich leid für die Betroffenen. Ich schätze, dass 20 bis 30 Prozent der Restaurants die Luft ausgehen wird.

«Niemand isst bei 34 Grad ein Gulasch.»

Felix Franz, Besitzer des «Restaurant zum Kaiser Franz» in Zug

zentralplus: Wie haben Sie es geschafft, sich ein finanzielles Polster zuzulegen?

Franz: Wir hatten zwei Jahrzehnte Zeit, um uns finanziell langfristig zu satteln. Doch auch wir hatten nicht immer nur Sonnenschein. Beim heissen Sommer vor einigen Jahren kamen kaum noch Gäste. Niemand isst bei 34 Grad ein Gulasch. Und für einen Salat allein kommt man nicht zu uns. Solche Zeiten sind hart, da wir alles selber machen. Dafür braucht es das entsprechende Personal.

zentralplus: Dieses Jahr feiert das «Restaurant zum Kaiser Franz» sein 20-Jahre-Jubiläum. Sofern man von feiern sprechen kann.

Franz: Tatsächlich ist es frustrierend, dass wir nicht einmal mit unseren Stammgästen feiern konnten. Denn die letzten 20 Jahre waren doch eine sehr schöne und bewegte Zeit. In einem Jahr werde ich 60. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, beruflich etwas kürzer zu treten. Und jetzt muss ich nochmals recht Gas geben, um die Verluste wieder aufzuholen.

«Je nachdem, wie es diesen Sommer weitergeht, wird es auch für uns nicht so einfach werden.»

zentralplus: Die verlorenen Einnahmen der letzten Wochen dürften auch für Sie drastische Auswirkungen haben.

Franz: Natürlich. Die ganze Situation in der Coronakrise ist auch für mich sehr einschneidend. Ich schmeisse gerade Geld für nichts aus dem Fenster. Ich dachte anfangs, die Sache dauert vielleicht drei Wochen. Je nachdem, wie es diesen Sommer weitergeht, wird es auch für uns nicht so einfach werden.

zentralplus: Viele Ihrer Kollegen haben in den letzten Wochen beschlossen, Take-away-Angebote ins Leben zu rufen. Sie haben kein solches Angebot. Lohnt es sich nicht?

Franz: Wir haben uns dieses Angebot reiflich überlegt, uns dann aber dagegen entschieden.

«Ein paar Schnitzel zu backen, macht den Braten auch nicht feiss.»

zentralplus: Weshalb?

Franz: In erster Linie haben wir uns Gedanken um die Gesundheit unserer Mitarbeiter gemacht. Wie soll ich meine Mitarbeiter koordinieren, damit die den nötigen Abstand halten können? Müssen die dann mit Mundschutz arbeiten? Das wäre von der Organisation her sehr aufwändig gewesen. Ausserdem: Ein paar Schnitzel zu backen, macht den Braten auch nicht feiss. Die Leute kommen zu uns ins Restaurant, um einen gemütlichen Abend zu haben. Ich behandle meine Gäste wie Freunde. In dieser Sparte habe ich mich etabliert. Gutbürgerlich und ein wenig mehr. Ohne Schischi, ohne Erbsen aufzublasen. Jedoch werden wir versuchen, ab dem 11. Mai ein kleines Take-away anzubieten. Die Gäste können die bei uns bestellten Speisen direkt abholen.

zentralplus: Ab 11. Mai dürfen Beizen wieder geöffnet haben, früher als gemeinhin angenommen. Dies jedoch unter strengen Bedingungen. Ich nehme an, auch das «Kaiser Franz» ab dann geöffnet haben?

Franz: Auch da müssen wir durch. Wir werden den Bedingungen selbstverständlich Folge leisten, um Gäste und Mitarbeiter zu schützen. Lange genug waren wir eingesperrt. Nun freuen wir uns, wieder für unsere Gäste da sein zu dürfen. Auch mit zwei Metern Distanz werden wir uns gut mit ihnen unterhalten können.

«Ob die Rechnung mit weniger Gästen aufgehen wird, das ist sehr fraglich.»

zentralplus: Damit sie öffnen dürfen, müssen Restaurants entsprechende Schutzkonzepte vorweisen. So dürfen maximal Gruppen von vier Personen gemeinsam essen, Abstände müssen eingehalten werden. Kann man damit überhaupt sinnvoll wirtschaften?

Franz: Es ist klar, dass wir nicht mehr denselben Umsatz machen werden wie vorher. Doch werden wir uns bemühen und unser Bestes geben. Was uns zunächst sicher fehlen wird, sind die vielen Geschäftsessen, da in naher Zukunft keine grossen Firmen-Meetings in der Stadt stattfinden werden. Dann stehen wir hier mit weniger Gästen und entsprechend weniger Umsatz und sind nun ohne Unterstützung auf uns selber gestellt. Natürlich sind wir froh, wenn wir wieder öffnen dürfen. Aber ob die Rechnung mit weniger Gästen aufgehen wird, das ist sehr fraglich. Die Zeit, die nun auf uns zukommt, wird es uns zeigen.

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1 Kommentare
  1. mebinger, 03.05.2020, 12:16 Uhr

    Gut gemacht , lieber Bundesrat, der grösste Fehlalarm der Geschichte wird tausende zerstören und eine immense Frustration hinterlassen. Von den Suiziden und dem psychischen Leid rede ich nicht einmal. Für mivh idt sonnenklar, ich werde keine Vorlage des Bundesrates mehr lesen oder ihr Zustimmen. Ein Ja gibt es höchstens für Volksinitiativen und Bisherige oder Linke wähle ich 2023 eh nicht mehr, den keiner hat sich wirklich gegen diese sinnlosen Massnahmen gewehrt!

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